Diktat der Wirtschaft bedroht Grundrechte von Eltern und Kindern

In einer aktuellen Pressemitteilung kritisiert der Vorstand des Verbandes der Familienfrauen und -männer (vffm) die „offensichtlich abgesprochene Aktion der geballten Wirtschaftslobby gegen das geplante und  ohnehin viel zu geringe Betreuungsgeld für Eltern. Unter Ausnutzung ihrer Medienmacht haben sich am Jahresende sowohl die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) als auch die Wirtschaftsinstitute HWWI, RWI, DIW u. a. gegen das geplante Mini-Betreuungsgeld für Eltern gewandt. In perfider Weise wird es als „Herdprämie“ diffamiert.

Dagegen wird die etwa 7-mal so hohe staatliche „Krippenprämie“ zur Finanzierung der Fremdbetreuung, die Eltern zur Krippenbetreuung ihrer Kinder verleiten soll, als „Infrastrukturmaßnahme“ bezeichnet. Die Familie wird also nicht mehr zur „Infrastruktur“ gezählt. Damit soll die nach Art 6 Abs 2 des Grundgesetzes garantierte Entscheidungsfreiheit der Eltern, ihre Kinder so zu betreuen, wie sie es selbst für richtig halten, ausgehebelt werden, um der Wirtschaft durch ein größeres Arbeitskräfteangebot höhere Profite zu verschaffen.

Um zu vertuschen, dass Wirtschaftsinteressen rücksichtslos auf Kosten von Kindern und Eltern durchgesetzt werden sollen, wird versucht, die öffentliche Meinung zu manipulieren und rundheraus behauptet, dass Krippenbetreuung der Betreuung durch die Eltern überlegen sei, obwohl dafür keinerlei seriöse wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. – Soweit es dazu überhaupt Langzeituntersuchungen gibt, zeigen sie erhöhte Risiken für die soziale Entwicklung bei früher Krippenbetreuung.

Diese Risiken bestehen selbst dann, wenn es sich um gut organisierte Krippen handelt. Aber bei  der in Deutschland überwiegend unzureichenden Personalausstattung ist mit entsprechend höheren Risiken zu rechnen. – Auch die Folgen prekärer Familienverhältnisse lassen sich durch Krippenbetreuung nicht erkennbar bessern. Eine günstige Wirkung wäre dagegen zu erwarten, wenn die hohen Krippenkosten zur Behebung der prekären Verhältnisse und damit zur Besserung der familiären Erziehungsbedingungen eingesetzt würden.

Zu denken geben muss auch die Tatsache, dass die in allen neuen Bundesländern aufgewachsenen Jugendlichen, die überwiegend in Krippen betreut wurden, bei der PISA-Untersuchung durchweg eine im Durchschnitt geringere soziale Kompetenz aufwiesen als die Gleichaltrigen, die in den alten  Bundesländern noch ganz überwiegend von ihren Eltern betreut wurden (vgl. PISA 2000, Ein differenzierter Blick auf die Länder der Bundesrepublik Deutschland; Zusammenfassende Befunde; Kapitel 5 (S. 29 ff): http://www.mpib-berlin.mpg.de/Pisa/PISA-E_Vertief_Zusammenfassung.pdf).

Zur Pressemitteilung des VFFM

Foto: Gerd Altmann/AllSilhouettes.com

 

 

 

 

 

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Kommentare

  1. Demokrat sagt:

    Wählen wir nur noch pro forma?

    So weit ist es also schon gekommen, dass sowohl die Industrie-und Handelskammern als auch die Wirtschaftsinstitute glauben, sich in politische Entscheidungen einmischen zu dürfen. Unverfroren bezeichnen sie die gegenüber dem geplanten Betreuungsgeld siebenmal so teure „Krippenprämie“ als notwendige  „Infrastrukturmaßnahme“! Die herkömmliche Familie als solche wird also gar nicht mehr als bereits bestehende, funktionsfähige Infrastruktur wahrgenommen. Die LOBBY  bestimmt also, wie Gesellschaft zu funktionieren hat. Die Gründe liegen auf der Hand: ein größeres Arbeitskräfteangebot verschafft der Wirtschaft die Möglichkeit, die Löhne niedrig zu halten. Wenn Profit winkt, dann verkauft man sogar seine Kinder. 

    Mit Verlaub, sind diese Damen und Herren Wirtschaftsvertreter etwa von der Bevölkerung gewählt worden? Welche Position haben sie bereits erobert, dass sie sich erlauben, Koalitionsvereinbarungen kippen zu müssen? Für uns Wähler stellt sich damit die Frage:

    Wählen wir eigentlich nur noch „pro forma“? 

  2. Die Antwort des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU Rems-Murr wurde hier am 5.1. in der Backnanger Kreiszeitung veröffentlicht: http://www.bkz-online.de/node/331190

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