Leihmutterschaft. Ein Kommentar

(al) Wer die Debatte um die Neuregelung der Sterbehilfe aufmerksam verfolgt hat, sollte auch beim Thema Lehmutterschaft die Ohren spitzen. Dann wird ihm nämlich auffallen, dass hier ein Argument wiederkehrt, das wir schon kennen. Die belgische Senatorin Petra de Sutter, deren Bericht zum Thema Leihmutterschaft am kommenden Montag in Paris diskutiert werden soll (siehe obigen Beitrag), spricht sich offenbar für eine liberalere Regelung der Leihmutterschaft aus, aber zugleich gegen ihre Kommerzialisierung. Das mag beruhigend klingen, ist aber alles andere als das.Bei der Sterbehilfe wurde kürzlich durch ein neues Gesetz geschäftsmäßigen Angeboten Einhalt geboten. Das klingt ebenfalls beruhigend. Allerdings wurde die private Sterbehilfe zugleich in Grenzen erlaubt, und das war die entscheidende Veränderung, die langfristig zu einem »Tod auf Bestellung« führen wird und damit zu einer radikalen Entsolidarisierung der Gesellschaft im Angesicht beliebigen Leids.

Was die gefällige Kritik an Kommerzialisierung (welcher Sache auch immer) betrifft, stellen sich einfache Fragen: Wo fängt die Kommerzialisierung an und wo hört sie auf? Welche Bezahlung fällt unter diesen Begriff und welche nicht? Welcher Anbieter und welcher nicht? Noch größer ist das Problem, dass eine gute Handlung  nicht dadurch schlecht wird, dass jemand für sie bezahlt. Darauf hat der Heidelberger Medizinhistoriker Axel W. Bauer im Verlauf der Sterbehilfe-Debatte immer wieder hingewiesen. Umgekehrt gilt das gleiche: Eine schlechte Handlung wird nicht dadurch gut, dass man auf ihre Bezahlung verzichtet. Das Backen von Brötchen bleibt auch dann eine gute Sache, wenn es den Bäcker steinreich macht, und Diebstahl bleibt auch dann Diebstahl, wenn das gestohlene Gut verschenkt wird.

Das Problem an der Leihmutterschaft ist eben nicht, ob und wieviel jemand für sie bezahlt, sondern, dass sie vielfältige Fragen an die Menschenwürde aufwirft. Davon kann mit dem Vorbehalt gegen die Kommerzialisierung geschickt abgelenkt werden. Leihmutterschaft bedeutet in aller Regel, die Frau mit allen entwürdigenden Konsequenzen zu jener »Gebärmaschine« zu machen, die der Feminismus seit Jahrzehnten aus viel harmloseren Gründen überall dort witterte, wo sie Kinder bekam und sich auch noch ganztags um sie kümmerte.

Jetzt aber, wo das Wort von der Gebärmaschine so passend wäre wie noch nie, schweigt der Feminismus. Wenn es darauf ankommt, geht es seinen Propagandisten gar nicht um die Befreiung und die Veredelung der Frau, sondern auch nur um die atomisierende Ökonomisierung und Funktionalisierung aller Lebensbereiche. Und die Kinder? Auch von den national und supranational vielfältig kodifizierten Rechten, wonach sie einen Anspruch auf Kenntnis ihrer leiblichen Eltern und Umgang mit ihnen haben, ist angesichts der Leihmutterschaft nicht mehr viel zu hören. Leihmutterschaft bedeutet in aller Regel, dass Kinder statt einer leiblichen Mutter zwei haben – und beide nicht kennen.

Ist das gut? Ist das begrüßenswertt? Muss das gefördert werden? Bei allem Verständnis für kinderlose Erwachsene, die sich nichts sehnlicher wünschen als ein Kind: das Kind, das sie auf diese Weise machen lassen, zahlt einen hohen Preis. Es muss sich in der Regel nicht nur damit abfinden, ohne die leibliche Mutter aufzuwachsen; es muss in gewisser Weise auch dankbar dafür sein, weil dieser Mangel, den die Erwachsenen bewusst in Kauf genommen haben, zur Grundlage seiner Existenz gehört. Welche Eltern werden diesem schwierigen Umstand Rechnung tragen?

Vor diesem Hintergrund ist das größte Problem einer künftig legalisierten Leihmutterschaft, dass die Vaterschaft ausschließlich eine Frage des Geldes sein kann. So tritt das Kindeswohl immer weiter in den Hintergrund. Landauf, landab ist schon die Behauptung zu hören, dass es auf »die Liebe« ankomme und nicht auf die Abstammung. Dass die »Wunscheltern« von morgen bessere Eltern seien als »Unfallaltern« von gestern.

Das ist infam. Die Diskriminierung begrüßenswerter Normalität und gelingenden Lebens kennt keine Grenzen. Die traditionelle Familie wird immer weiter entwertet. Und damit auch die großen Anstrengung, die Menschen auf sich nehmen, um sie aufzubauen und zu erhalten. Ein Leben mit Familie ist auch ein Leben mit Spannungen. Das scheint bei der technisch und finanziell gestützten Realisierung eines bloßen Kinderwunsches ganz anders zu sein. Ist es vielleicht auch, aber den wahren Preis zahlt das Kind.

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