Gleichstellung verhindert Gleichberechtigung

160516 Zwerg(al) Auch wenn der Beitrag bereits im Februar erschien, empfehlen wir wegen seiner Kürze und Klarheit, ihn zu lesen: Johannes Resch vom »Verband Familienarbeit e.V.« hat für den Deutschen Arbeitgeberverband Argumente für seine These »Gleichstellungspolitik verhindert Gleichberechtigung« vorgelegt. Zunächst: »›Gleichberechtigung‹ ist ein Grundrecht der einzelnen Frauen und Männer gegenüber dem Staat. ›Gleichstellung‹ ist dagegen ein (vermeintliches) Recht des Staates gegenüber seinen Bürgern. Rechte der Bürger und Rechte des Staates sind aber grundverschiedene Dinge. Eine ›Gleichstellungspolitik‹ des Staates kann überhaupt nur dann der Gleichberechtigung dienen, wenn dabei die Wünsche seiner Bürger/innen berücksichtigt werden. Eine ›Gleichstellung‹ gegen die  jeweiligen persönlichen Vorstellungen ist Bevormundung, also das genaue Gegenteil von Gleichberechtigung.«

Im folgenden kritisiert Resch entschieden die Tatsache, dass sich »Gleichberechtigung« letztlich nur auf »gleiche Teilhabe am Erwerbsleben« bezieht, was zu einer Überbewertung der Erwerbsarbeit zu Lasten der Erziehungsarbeit führt, die im Rentenrecht überdeutlich zum Ausdruck kommt. Eltern haben in der Regel geringere Rentenansprüche als ihre kinderlosen Nachbarn (Rentenbeiträge finanzieren nicht die eigene Rente, sondern die der jeweils vorangegangenen Generation).

Die Abwertung der Erziehungs- und Hausarbeit folgt, so Resch, letztlich der alten Marginalisierung der gesellschaftlichen Rolle der Frau: »Das ist nichts anderes als eine Wiederauflage alten Denkens.« Angesichts der demografischen (und rentenfinanziellen) Langzeitfolgen zu niedriger Geburtenraten gibt es keinen Grund, die Erziehungsarbeit von Eltern geringer zu werten als die Erwerbsarbeit. Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern kann also niemals durch eine »Gleichstellung im Erwerbsleben« erreicht werden. Vielmehr müssten Erziehungsarbeit und herkömmliche Erwerbsarbeit gleichgestellt werden. Dass der entsprechende politische Wille nicht nur nicht vorhanden ist, dass vielmehr die Erwerbsarbeit beider Geschlechter und nicht ihre Gleichstellung gefördert werden soll, zeigt sich besonders bei den Elterngeldregelungen und beim Krippenausbau. In beiden Fällen wird die Berufstätigkeit gefördert, nicht die häusliche Erziehungsarbeit.

Zu Reschs Beitrag geht es hier.

Beitragsbild: flickr.com/Chefzwerg

 

Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on LinkedInShare on TumblrEmail this to someone

Kommentare

  1. Gassenreh sagt:

    Nur die Mutter kann die optimale kognitive Initialzündung für ihr Kind in den ersten Lebensjahren geben. Wenn dies infolge zu früher Fremdbetreuung immer weniger gegeben ist, ist zu befürchten, dass der wichtigste Schatz, den Deutschland besitzt, nur ungenügend sprachlich und kognitiv entwickelt vorliegen wird. (Siehe Ärztereport der Barmer Ersatzkasse vom Januar 2012 mit bereits jetzt schon ca. 40% sprachgestörten Kindern im Alter von 5 – 6 Jahren (Gründe: Zunahme Tagesmütter: 2006 ca. 14%, bereits 2010: 23%;; enorme Lärmpegel in Kitas); logopädische Behandlungskosten etwa 1 Milliarde Euro).
    Bereits ab der 20. Gestationswoche hört der Foet im Mutterleib flüssigkeitsangekoppelt die Mutterstimme und ist nach der Geburt massiv darauf fixiert, sodass eine längere (max. bis zu 3 Jahren) dyadenspezifische Beziehung zwischen diesen beiden Personen notwendig ist, zumal in diesem Zeitraum zumindest zwei kürzere Phasen besonders begierigem Sprechlernen des Kleinkindes individuell verschieden auftreten [siehe Kapitel „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ im Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014, ISBN 978-3-9814303-9-4]

Kommentar schreiben