Sex auf Rezept?

Patienten brauchen keine Melkmaschinen. Die Grünen und die Natur des Menschen

7999948918_30399b8816_kSie können es nicht lassen. Obwohl die skandalösen Zustände in vielen Kitas und Pflegeheimen allgemein bekannt sein dürften, fiel den Grünen zum Jahresauftakt schon wieder nichts anderes ein als Sex: staatlich organisierter Sex für Pflegebedürftige und Behinderte nämlich. Das viel größere Problem des Wundliegens interessiert sie nicht; das ist nun wirklich zu unappetitlich. Riecht ja auch nicht gut … Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen Elisabeth Scharfenberg machte den Vorschlag. Der grüne Tübinger Bürgermeister Boris Palmer verwarf ihn, und die Medien verbreiteten die Idee pro und contra, aber  alle miteinander mit aller Kraft. Die hochtrabend als »Sexualassistenz« bezeichnete Dienstleistung, »Sex auf Rezept«, soll nach niederländischem Vorbild in Absprache mit den Krankenkassen von den Kommunen bezahlt werden. Von jenen klammen Kommunen also, die schon heute unter immer neuen sozialpolitischen Aufgaben finanziell zusammenbrechen.

Das menschliche Problem, dass es Lebensphasen mit ungewollt eingeschränkter sexueller Aktivität gibt, ist keineswegs neu. Die klassischen Beispiele heißen Häftling und Soldat. Neu ist, dass das Problem sozialstaatspolitisch aufgeladen und thematisiert wird. Dass es nicht als ein menschliches Problem diskutiert wird, sondern als ein verteilungspolitisches. Als könnte die Verteilungspolitik menschliche Probleme lösen. Ausgerechnet die Grünen scheinen daran zu glauben. Schon in den achtziger Jahren gab es beim Pflegepersonal einer Heidelberger Querschnittklinik regelmäßige Debatten über die Frage, ob es zu den Aufgaben einer Krankenschwester gehöre, querschnittgelähmte Männer sexuell zu befriedigen, die das selbst nicht mehr können. Das Lehrreiche an diesen Debatten war, dass sie nie zu einem Ergebnis kamen. Und das war auch das Menschliche daran.

Eine pauschale Lösung hätte das Selbstbestimmungsrecht und die Intimsphäre des Pflegepersonals verletzt. Und noch etwas ist interessant. Die Bedürfnisse als solche wurden da und dort befriedigt, ohne dass man groß darüber sprach. Es war eine Grauzone, und nur als solche funktionierte die Sache. Es blieb dem persönlichen Verhältnis von Patient und Krankenschwester überlassen, was geschah und was nicht, insbesondere im Nachtdienst. Das bedeutete auch, dass die Patienten in einer relativ normalen Situation verblieben. Sie mussten für sich werben, wie jeder andere auch. Und das wiederum bedeutete, dass sie sich befreunden und sogar verlieben konnten. Die Sexualität blieb abhängig von der menschlichen Begegnung, und eine Schwester begann eine feste Beziehung mit einem ab der Halswirbelsäule gelähmten Mann. Ein allgemeines Dienstleistungs-Angebot hätte stattdessen zu einer demütigenden Bloßstellung aller geführt.

Wer Sex auf Rezept anbieten will, hat von alldem anscheinend keine Ahnung. Er hat von der Funktionsweise menschengemäßen Lebens keine Ahnung. Ein Patient ist keine Kuh, die regelmäßig an die Melkmaschine gehört. Offenbar wollen die Grünen mit dem totalen Sozialstaat auch noch die Intimität erobern. Der Antrag auf bezahlten Sex ist die neueste Form ihrer fürsorglichen Demütigung. Soll daraus ein Menschenrecht auf käufliche Sexualität für all diejenigen abgeleitet werden, die sich irgendwie benachteiligt fühlen – sei es körperlich, seelisch oder finanziell? Sex auf Rezept für alle, die irgendwie »sexuell benachteiligt« sind? Und auch für alle, die allein leben? Das würde zu jener neuen WHO-Richtlinie passen, die Singles als »Behinderten« ein Recht auf Kinder bescheren will.

Dass auch Pflegebedürftige und Behinderte spontane körperliche Zuneigung erfahren könnten, kommt den Grünen nicht in den Sinn. Deshalb ist ihre Idee grausam, herzlos und menschenverachtend. Wir haben kein Verständnis für diesen bösartigen sozialstaatlichen Paternalismus und diese fatale Gleichsetzung von Sex, Geld und Liebe.

Foto: flickr.com/Florian Richter: Lebensabend

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Kommentare

  1. Andreas sagt:

    Tja – naja – Sex auf Rezept ist eigentlich letztlich eine logische Konsequenz auf die gesellschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau. Weil nur so wird wieder möglich, dass alle Menschen dieses Grundbedürfnis (!) Sexualität (jenseits der Selbstbefriedigung) gestillt bekommen können.
    Durch diese gesellschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau ist aus dem Vorgang der Eheanbahnung ein Ego-emotionaler Wettbewerb auf reiner Lustbasis geworden, bei dem es immer auch Verlierer geben muss.
    Und aus solchen Verlierern können im aller schlimmsten Fall sogar Terrorattentäter oder sog. Amokläufer werden !!

    Apropos Selbstbefriedigung.
    Selbstbefriedigung ist bei Gott übrigens auch eine ziemlich problematisch-sündhafte Angelegenheit (siehe 3. Mose 15; 16-18) !

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