Keine Gender-Partei ins Familienministerium!

Der argumentative Graben zwischen rechts und links war nie so tief wie heute. Er zieht sich durch die gesamte Republik, durch Büros und Kantinen, durch Kollegen- und Freundeskreise, er stört und zerstört Liebesbeziehungen, er entfremdet ganze Familien voneinander. Nur im Parlament, unter den Fraktionen von rechts bis links, ist nichts davon zu spüren. Dort herrscht gähnend langweilige Einmütigkeit in den Schicksalsfragen dieses Landes, eine Einhelligkeit, die angesichts der tiefen Gespaltenheit des zu weiten Teilen wütenden Souveräns umso unheimlicher wirkt. Aber auch das ist wahr: Seit der Flüchtlingskrise 2015 hat diese Republik eine beispiellose Politisierung ihrer Bürger erlebt. Und eine beispiellose Mobilisierung: 1,5 Millionen bisherige Nichtwähler warfen ihre Wahleinladung dieses Jahr nicht sofort in den Papierkorb, sondern ihr Votum in die Wahlurne. Das ist ein Anstieg der Wahlbeteiligung um 4,6 Prozent. Man muss nicht lange nach dem Grund suchen. Er sitzt zur Zeit als drittstärkste Fraktion im Bundestag.

In den Augen von Eltern kann es „Mutti“ nicht

Gerade in den christlich geprägten, konservativen, traditionell lebenden Kreisen sind die Wähler der Merkel-CDU in Scharen davon gelaufen. Es ist diese bürgerliche Schicht, die am häufigsten Kinder erzieht, in der die Kinderzahl pro Elternpaar überhaupt am höchsten ist. Diese Menschen sehen ihr Leben eben nicht nur als zeitliche Ressource absoluter Ich-Verwirklichung, sondern sie begreifen es im generativen Zusammenhang für einen Zeitraum von mindestens mehreren Jahrzehnten. Es sind Menschen, denen die Einhaltung von Recht und Gesetz besonders wichtig ist. Es sind Menschen, die aus Sorge um die Zukunft ihrer Kinder an langfristiger Stabilität und Sicherheit interessiert sein müssen. Was mögen diese Väter und Mütter denken über eine Kanzlerin, die ein – vorsichtig ausgedrückt – flexibles Verhältnis zum Grundgesetz besitzt, über eine Kanzlerin, bei der man nie sicher sein kann, welche Halbwertzeit ihre stets als „grundsätzlich“ ausgegebene Haltung hat – Jahre oder nur Tage? Was müssen sie für einen Eindruck bekommen, wenn ihre Stammpartei, die jahrzehntelang den Wert häuslicher Erziehung verteidigt hat, plötzlich Müttern das Erziehungsgeld streicht und ihnen stattdessen staatliche Kleinkindbetreuung nach sozialistischem Muster als „modernes“ Nonplusultra aufzwingt? Und was halten konservative, konfessionsgebundene, verheiratete Eltern von sich „christdemokratisch“ nennenden Politikern, die widerspruchsfrei grüne Gender-Pädagogen dulden, die Kindern in Kitas und Schulen die Pseudowissenschaft der sogenannten sexuellen Vielfalt nahe zu bringen suchen?

Christen sehen in der CDU/ CSU keine Heimat mehr

Unter Kirchenmitgliedern haben die Unionsparteien herbe Verluste eingefahren. 8 Prozent der katholisch und sogar 9 Prozent der evangelisch gebundenen Christen sind als Wähler der CDU/CSU von Bord gegangen. Dies stellt nach einem Medienbericht der Zeitschrift Idea eine Wahltagsbefragung der Forschungsgruppe Wahlen fest. Viel zu dieser inneren Abkehr dürfte der 26. Juni 2017, fast exakt drei Monate vor der Bundestagswahl, beigetragen haben. Da verkündete Angela Merkel, das Parlament über die Zukunft der grundgesetzlich geschützten Ehe abstimmen lassen zu wollen. Mit anderen Worten: Über eine Frage von großer gesellschaftlicher Symbolkraft, dem eine jahrzehntelange Debatte bis selbst zum Bundesverfassungsgericht vorausgegangen war, entschied Frau Merkel binnen Sekunden in einer Talkshow der Zeitschrift „Brigitte“ aus der Verlagsgruppe ihrer Freundin Liz Mohn. Die große Auseinandersetzung, die sich zwischen Grünen, Linken und den Unionsparteien hätte anschließen müssen, blieb aus, der Bundestag gab die „Ehe für alle“ frei. Frau Merkel kennt ihren Arbeitsplatz eben am besten.

Wenn nichts mehr da ist, kann auch nichts mehr verkauft werden

Aussetzung der Wehrpflicht, der Umbau der EU zu einer Haftungsunion, Energieerzeugung nach planwirtschaftlichem Prinzip, eine durchgegenderte öffentliche Verwaltung und Bildungspolitik, Einführung der Ehe für alle, Krippenausbau mit Zielmarke 100 Prozent Betreuungsquote und gleichzeitig faktischer Erwerbszwang für Mütter – es verschlägt einem dem Atem, wie es Angela Merkel innerhalb weniger Jahre geschafft hat, den Setzkasten christdemokratischer Politik innerhalb weniger Jahre komplett auszutauschen. Die CDU hat ihr christliches, marktwirtschaftlich geprägtes politisches Herzstück der Beliebigkeit preisgegeben. Ein gutes Produkt braucht jedoch einen unverwechselbaren Kern, um langfristig Kunden zu binden. Das gilt für jede gute Automarke ebenso wie für Parteien. So ergeht es den ehemals großen Volksparteien nach ihrem politischen Räumungsverkauf wie dem DDR-Konsumgeschäft: Als die Schaufenster-Auslagen in der sozialistischen Mangelwirtschaft leer blieben, hängte man Propaganda-Plakate hinein.

Jetzt: Kurswechsel in der Familienpolitik!

Die Koalitionsverhandlungen unter dem Vorsitz von Angela Merkel sind in vollem Gange. Noch ringt die Kanzlerin mit dem sich wieder einmal widerständig gebenden CSU-Chef Horst Seehofer um die Ja-Stimmen seiner Fraktion für ihre vierte Amtszeit. Dafür geht Angela Merkel jede Koalition ein, sei sie auch noch so instabil wie das „Fluch der Karibik“-Bündnis aus FDP, Grüne und CDU/ CSU. Die Gender-Pädagogenpartei um die sich ausgesprochen homosexuellenfreundlich gebende Katrin Göring-Eckardt dürfte bereits mit dem Familienressort als ministerialen Tummelplatz für ihre Regenbogen-Ideologie liebäugeln. Neben der FDP, die für interessierte Kunden die Zulassung der Leihmutterschaft in ihrem Wahlprogramm versteckt hat, erheben zwei unverhohlen familienfeindliche Parteien Anwärterschaft auf das Bundesfamilienministerium. Wer glaubt, es könne nach Renate Schmidt, Ursula von der Leyen und Manuela Schwesig nicht mehr schlimmer werden, wird sich spätestens dann getäuscht sehen, wenn per Dekret alle bundesdeutschen Schulen auf die verfassungswidrige Lehre der sexuellen Vielfalt verpflichtet werden.

Das darf auf keinen Fall geschehen. Deshalb muß von uns Bürgern jetzt ein Warnsignal an die Fraktionen im Bundestag, insbesondere an die CDU ausgehen. Das Familienministerium darf nicht in die Hände der Grünen oder der FDP fallen. Die Bürger erwarten, dass die permanente Gängelei des grünen Nanny-Regimes endlich aufhört. Sie haben die links-ideologischen Gender-Experimente satt. Sie wollen bürgerliche Politik für freie Bürger. So haben sie auch gewählt am historischen Wahlsonntag am 24. September. Jetzt ist die Politik daran zu liefern. Jetzt müssen die Parteien jedweder Coleur zeigen, dass sie den Bürgerwillen endlich begriffen haben. Beteiligen Sie sich deshalb mit Ihrer Petition an unserer Kampagne: Kurswechsel in der Familienpolitik jetzt! Keine Gender-Partei ins Familienministerium. Unterzeichnen Sie bitte zahlreich.

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterPin on PinterestShare on LinkedInShare on TumblrEmail this to someone

Kommentare

  1. Walter Rieck sagt:

    Euren Argumenten wäre nichts hinzu zu fügen. Stimme dem voll bei.

  2. Peter sagt:

    Schon vor Jahren wurde von einer Mutter in BW, die ihren mongoloiden Sohn im Gymnasium sehen wollte, der damalige Vorsitzende des Rektorenverbandes von der Seite als „ewig Gestriger“ angegangen. Die Dame war durch und durch GRÜN. Die praxisbezogene Auffassung dieses Herrn wurde in unglaublich polemischer Form verurteilt. Das Resultat sehen wir
    heute:
    Merkles Bildungsrepublik (bereits 2009 und 2013 als Parteiprogramm hochgelobt) ist auf ganzer Front gescheitert. Die BRD ist bei schulischen Grundkenntnissen heute schlechter denn je.
    Ich persönlich stelle es Tag für Tag auch bei jungen
    Erwachsenen fest, dass sie mit der Orthographie und der Grammatik auf Kriegsfuß stehen.
    Die kommenden Jahre wird es nicht besser werden,
    außer wir schaffen es, dass den vollmundigen Worten von „Minister-Bewerber“ auch tatsächlich Taten folgen.

  3. Gender, Kinsey, die Grünen und die Frühsexualisierung von Kindern. Der Aggressions- und Destruktionstrieb des Menschen, Ursache allen Übels auf dieser Erde, ist die oberflächlich legierte Form der Libido, so Sigmund Freud. Hier zeigt sich die teuflische Erblast des Menschen, die Mephisto in die Worte fasst: Ich bin der Geist, der stets verneint/ Und das mit Recht, denn alles, was entsteht / Ist Wert, das es zugrunde geht; /Drum besser wär´s, das nichts entstünde, / So ist denn alles, was ihr Sünde. / Zerstörung, kurz das Böse nennt, Mein eigentliches Element: In Mephistos Philosophie der Destruction erscheint die Idee einer Schöpfung mit eingebautem Untergangsprogramm: Das scheint das Aktionsprogramm Kinsye´s und der Grünen und ihrer Klientel zu sein. Sie wollen aber nicht vorangehen in den Hades, sondern andere schicken, möglichst Eltern zuerst, um ihre Kinder dann in Beschlag zu nehmen, das heisst, ihre Libido zu fördern (Schulprogramme in Baden-Württemberg, Sachsen und Niedersachsen). Die Eltern sehen das aber ganz anders: Die Gattungsgeschichte (Phylogenese) zeigt, das die Kinder den Zustand der Triebabhängigkeit nur dann unbeschadet hinter sich lassen, das heisst vom primitiven zum kulturell sublimierten Lebensstadium in den ICH-Bereich kommen, wenn das mit der Entwicklung des Bewußtseins und einer erfolgreichen Disziplinierung des Unbewussten (dem Chaos, Kessel voller Erregungen) statt seiner Förderung einhergeht. Das erfordert aber caritas (Nächstenliebe) statt cupiditas (Begierde). Und das passt wohl vielen Grünen und deren Klientel nicht, weil sie viel mehr von cupiditas als von caritas halten, damit sie auch ihren Spaß haben. Klopfen wir ihnen also auf die Finger. Die Österreicher haben glücklicherweise schon die Konsequenzen gezogen und diese Schmuddeltruppe aus dem Parlament entfernt. Einmal faschistoide Ideologie reicht denen. Die Deutschen, einst mitverantwortlich für die Auslöschung eines humanistischen Menschenbildes, haben das immer noch nicht kapiert.

  4. Gender für Parlamentarier (Fragen, die Sie Ihren Abgeordneten stellen sollten): Wissen Sie, daß Gender eine Ideologie und keine Wissenschaft, also nicht wertfrei und deshalb unter Anfangsverdacht zu stellen ist? Daran ändern auch Alfred Charles Kinsey’s gefälschte Statistiken nichts. Wissen Sie, daß man Ideologien nicht mit öffentlichen Mitteln fördern darf, weil eine Ideologie immer privaten Interessen und nicht der Allgemeinheit dient? Kennen Sie die Leute, die hinter der Genderideologie stecken, wirklich genau? Können sie zum Beispiel pädophile Neigungen, die zum Gesetz erhoben werden sollen, ausschließen? Was soll zum Beispiel mit der Förderung der Frühsexualisierung bereits von Kleinkindern erreicht werden? Eine frühzeitige Förderung eines menschlichen Urtriebes, der in der Geschichte schon oft ursächlich war für die schmutzigsten menschlichen Phantasien, den Hauptfeind jeder Kultur? Freud hat vorgeschlagen, Sexualität und Destruction, die menschlichen Urtriebe, zu sublimieren, um Kultur zu erzeugen, nicht noch zu fördern. Sublimierung, so erklärt Freud, sei ein von der Kultur erzwungenes Triebschicksal. Die Zielhemmung, der die Libido des Zivilisierten ausgesetzt bleibt, wird in zärtliche Liebe (caritas) überführt, aus der die sinnlichen Impulse getilgt sind. Mit Freuds Worten: Das Ich muß das Es beherrschen und nicht umgekehrt, der Mensch muß Subjekt, nicht Objekt seiner Triebe werden. Unsere kulturelle Ordnung basiert auf der Unterwerfung der sinnlichen Mächte, nicht auf ihrer Förderung, wissen Sie das nicht? Wir wollen nicht, wie die Moslems, die Frau als Saatfeld betrachten, das von Männern jederzeit betreten werden darf (Sure 2, Vers 223 , siehe: Klaus Pter Kraa: Goethe und der Islam- am Beispiel des West-östlichen Divan , GRIN-Verlag, ISBN 978-3-668-13595-6). An den Platz der Primärimpulse tritt die rationale Kontrolle, wie sie Merkmal fortgeschrittener Kultur ist: Den Weg vom ES zum Ich beschreibt Schiller in „Die Taten der Philosophen: „Einstweilen, bis den Bau der Welt / Philosophie zusammenhält / Erhält sie das Getriebe / Durch den Hunger (Saugreflex) und durch Liebe.“ Wir leiden ja heute schon an der Wirkung der antiautoritären Erziehung, bei der solche Hinweise unbeachtet blieben (von RFA bis ANTIFA und NSA). Wollen Sie etwa auch Pädophilie legalisieren, statt caritas (Nächstenliebe) cupiditas (sexuelle Begierde) ins Grundgesetz schreiben? Mit Gender schaffen sie ein moralisches Chaos – einen rohen ungeordneten Klumpen (Ovid, Metamorphosen). Dante hat Semiramis, die Gattin des Ninos, im zweiten Höllenkreis büßen lassen, weil sie Incest zum Gesetz erhob, um sich legal ihrem Sohne hinzugeben!!! Wollen Sie das auch legalisieren? Wollen Sie Semiramis oder Alfred Charles Kinsey zu Ehrenmitgliedern unserer Gesellschaft erklären statt Christus oder Simon de Beauvoir? Wie die Moslems in ihren Moscheen bestialische Mörder zu Vorbildern im Paradies? Sie sehen: Gender ist nicht nur eine Ideologie, also fundamental, sondern auch ein schmuddeliges Geschäft, es gibt hier schon genug Pädophilenringe und Menschenhändler, in die sogar die Politik in starkem Maße eingebunden ist; Der Staatsschutz sollte ihren Förderern also sehr auf die Finger sehen. Und die semantischen Forderungen der Genderideologen sollte man nicht so ernst nehmen: Auf die innere Einstellung wird es doch nicht so entscheidend wirken, ob man einer Frau im Restaurant sagt: Darf ich Ihnen in den Mantel helfen oder Darf ich Ihnen in den Frautel helfen. Also auf den Müll damit!!!!!

  5. Bildung: Was muß man sein, um Mensch zu sein (Kant)

    Dies ist eine Geschichte über den Rohstoff Bildung, der in diesem Lande in Sonntagsreden gerne als „unser Wichtigster“ bezeichnet wird, um ihn dann montags wieder zu vergessen. Diese Geschichte könnte mit einem jener italienischen Städtenamen beginnen, die zum Synonym dieses Zustandes wurden – Pisa und Bologna. Oder mit einer der vielen Zahlen, die die Bildungsökonomen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) regelmäßig veröffentlichen. Doch sie beginnt besser mit einem Herren, der selbst erlebt hat, wie mutwillig dieser Rohstoff verknappt wird: Benedikt Herles, Spross einer angesehenen Großbürgerfamilie, dem die Welt offenstand, der renommierte Hochschulen besuchte und bei einer der besten Beratungsfirmen der Welt anheuerte, um schließlich noch vor seinem 30. Geburtstag aus diesem Musterweg auszubrechen.
    Keine Debatte über den Zustand der Welt

    Statt der erhofften Debatten über den Zustand der Welt im Sinne der Aufklärung (Kulturphilosophie als Lebensphilosophie: Nur der ästhetische Mensch ist ein freier Mensch) erlebte er Professoren, die Formeln weit entfernt jeglicher Realität lehrten, und junge Berater, die „wie trainierte Affen vor den aufgeklappten Rechnern“ saßen. Er sagt heute, er habe Nachwuchskräfte erlebt, die „ihre eigene Beschränktheit für rational halten“. Was fehlt ihnen? Bildung!!! Denn „gegen Information hilft nur Bildung“, so der Humanbiologe Hubert Markl. Oder, anders ausgedrückt: Die Gefahr, die aus Informationen sich herleitet, lässt sich nur unter Einsatz eines gesunden Verstandes, der rationalen Analyse, vermeiden. Bildung ist also mehr als Wissen. Sie ist „Lebensform und hat zu ihrem Rückgrat Disziplin als Denkenkönnen und zu ihrem Raum geordnetes Wissen…“ (Karl Jaspers; Die geistige Situation der Zeit, 1930 geschrieben und heute wieder brandaktuell).

    Die Bildungsidee Wilhelm vom Humboldts

    Wilhelm von Humboldt will den ganzen Menschen bilden: Verstand, Gefühl, Fantasie, die Verknüpfung des Ichs mit der Welt, um beide einander ähnlich zu machen (Persönlichkeitsbildung) und, vor allem, humanistische Bildung von der Ausbildung für Beruf oder Funktion in der Gesellschaft klar zu trennen: Erst wenn der Mensch Persönlichkeitsbildung durch Vervollkommnung des Ich´s erfahren hat, wird er für einen Beruf oder eine gesellschaftliche Funktion ausgebildet. „Bildung sei eben mehr als Wissen“, so der Kölner Literaturwissenschaftltler Wilhelm Voßkamp. „Menschen bilden, nicht Sklaven eines bestimmten Berufs oder Marionetten einer bestimmten Konfession“ sei das Ziel der Bildung, so Wilhelm von Humboldt. Gegen staatliche Festlegung des Bildungsprogramms hatte von Humboldt deshalb starke Bedenken: „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ schrieb er 1792.: „Der wahre Zweck des Menschen ist die höchste und proponierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen“: Griechisch: Scholé = Schule = Freizeit, die jeder nach eigenem Ermessen nutzen sollte, und nicht staatlich oktroyiert (Schulpflicht mit verordnetem Bildungskanon), weil im eigenen persönlichen Interesse liegend: Bestimme Dich aus Dir selbst, sagt Kant und „Es liegt am Menschen und nicht an einem dunklen Verhängnis, was aus ihm wird“, schreibt Hannah Arendt..
    Unsere Bildungssysteme sehen heute so aus: Einpauken von Wissen und Fakten und Wiedergabe auf Anforderung – die Entwicklung des Geistes ist raus aus dem Bildungsprogramm: Es gilt immer noch der Satz von Friedrich Nietzsche aus dem 19. Jhd: „Also meine Freunde, verwechselt mir diese Bildung, diese zartfüßige, verwöhnte, ätherische Göttin nicht mit jener nutzbaren Magd, die sich (….) auch die „Bildung“ nennt, aber nur die intellektuelle Dienerin und Beraterin der Lebensnot, des Erwerbs, der Bedürftigkeit ist“: Es herrscht das (profane) Bedürfnis und beugt die gesunkene Menscheit unter sein tyrannisches Joch, schreibt Schiller in einem Brief zur ästhetischen Erziehung. Und was sagt die Politik dazu? Von Humboldt sei tot: Politik und Wirtschaft (Lobbyismus) haben ihm seit 1835 in unserem Bildungssystem Hausverbot erteilt. Der „Mann ohne Eigenschaften“ ist gefragt, der damalige wie heutige Massemensch: Ungebildet, in jede Richtung allein durch materielle Vorteile lenkbar,

    Die gescheiterte Aufklärung

    Die Pläne von Humboldts sind nach seinem Tode (1835) im preußischen „aufgeklärten Absolutismus“ platt gemacht worden und haben sich bis heute davon noch nicht erholt. Dieses Land hat es mit zwei Weltkatastrophen bezahlt. Auch hier ein Mangel an Breitenbildung, preußischer Hurra-Patriotismus als Ursache, wie bei allen Kriegen.. Schiller hat es bereits geahnt: Mit dem heiseren Schrei nach Freiheit wird man den Gürtel der Scham zerreissen, heisst es im „Spaziergang“. So ist es auch gekommen: Die Aufklärung ist gerade dort gescheitert, wo sie begonnen hat. Und vor der Kulisse des totalen Zusammenbruchs jeder Kultur schreiben Horkheimer/ Adorno in der „Dialektik der Aufklärung“: „Seit je hat Aufklärung im umfassenden Sinn fortschreitenden Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils“. Hitler war kein Zufall, verrät der Historiker Heinrich August Winkler dem Parlament, sondern ein Problem mangelnder Breitenbildung durch alle gesellschaftlichen Schichten (Götz Aly, Europa gegen die Juden), das heute noch auf gleicher faschistoider Flamme zündelt. Den Weg vom Mythos (dem Glauben) zum Logos (der rationalen Analyse) der Griechen aus der „Achsenzeit“ (Karl Jaspers) scheinen die Deutschen völlig falsch interpretiert zu haben, Das führte sie geradewegs in die Hölle. Friedrich Nietzsche hat es auf eine Kurzformel gebracht: Goehte (Symbol der Kultur der Aufklärung) sei an den Deutschen völlig spurlos vorüber gegangen. Und Brecht hat ein Jahrhundert später nachgeschoben: Oh Deutschland, du bleiche Mutter…… Auf die die zivilisierte Welt auch heute noch mit Skepsis blickt, wie die Europa-Diskussion zeigt. Die von Schiller geforderte „ästhetische Revolution“ blieb auch hier aus: Aber nur der ästhetische Mensch ist ein freier Mensch. Und so müssen wir heute noch mit der Frage, die er kurz vor seinem Tode in einer Schrift zur Aufklärung gestellt hat, leben: Warum sind wir immer noch Barbaren?

    Ja, Warum?

    Heute ist vor allem die „Wirtschaft“, die in dieser „Parteiendemokratie“, wie sie Soziologen verschämt nennen, die Gesetzgebung vorbehaltlos bestimmt (Lobbyismus), gegen jede Reform des Bildungswesens aus der einfachen Erkenntnis: Dumm vermarktet sich besser. Der Gebildete kauft nicht, sagt der Neurologe Gerald Hüther. Aber die Handlanger der Wirtschaft werden über Parteilisten in die Institutionen des Staates (Legislative, Administrative und Jurisdiktion) gebracht und ermöglichen die klassische imperial-kapitalistische Arbeitsteilung zwischen Politik und Wirtschaft: Halt du sie dumm, ich halt sie arm. Und das sieht so aus: Die Nation liegt bei Steuern und Abgaben in der Spitzengruppe und bei Bildungsausgaben am untersten Rand – weltweit. Eine Bildungsreform für eine menschenwürdige Gesellschaft darf sich aber nicht in einer Erneuerung der Bausubstanz der Bildungseinrichtungen erschöpfen, solange der Satz, den Cicero vor 2000 Jahren in die Welt rief: Cultura autem animi philosophia est – hier so gelesen wird: Kultur sei Pflege der Geistlosigkeit im Interesse der Rendite: Der volle Einkaufswagen bei ALDI – Symbol deutscher Lei(d)tKultur: Kultivierung der geistigen Perspektivlosigkeit als Bildungsziel?

    Konsequenz

    Eine Bildungsreform, die diesen Namen verdient, muß dem Geist (Verstand, Vernunft) wieder die Herrschaft über den Körper verschaffen (durch die Kraft von Platons unsterblicher Seele, oder die Erkenntnis des Aristoteles: „Es ist der Verstand, der den Menschen zum Menschen macht“ und die Vernunft, die ihn leitet, so Kant…..) und ihn aus der bloßen, zweckgerichteten Dienerschaft des Leibes, in der er heute in der Regel steckt (mit dem Willen zur Macht als einzigem moralischen Prinzip),. befreien: Anders ist eine humanistische Gesellschaft nicht möglich und damit auch keine Demokratie im Wortsinne.

Kommentar schreiben