Paul Kirchhof: Bedürfnisse junger Eltern wichtiger als Wachstum und Umsatz

Foto: Euku/Wikimedia.deIn einem Interview mit der Zeitschrift „Politische Studien“ der CSU-nahen Hanns Seidel Stiftung betonte Prof. Dr. Paul Kirchhof die Bedeutung der Familie. Die anhaltend niedrigen Geburtenzahlen seien „der wichtigste Krisentatbestand“. Er forderte ein „elementares Umdenken“ und ein Zurückstellen „berechtigter Wirtschaftsanliegen nach Wachstum, Gewinn und Umsatz“ hinter die „Bedürfnisse der jungen Eltern und ihrer Kinder“. Zudem sprach er sich für ein Elternwahlrecht aus.

Auszug aus dem Interview:

Politische Studien: Gemäß Art. 6 Abs. 1 GG stehen Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Was ist Ihr Urteil über die Entwicklung der Familienpolitik in unserem Staat?

Paul Kirchhof: Dem Grundgesetz ist bewusst, dass die Zukunft der Demokratie von der Existenz des zukünftigen Staatsvolkes abhängt, das  Heranwachsen zur Freiheitsmündigkeit am ehesten durch elterliches Vorbild, familiäre Erziehung und Lebensgemeinschaft gelingt und die geistige Sesshaftigkeit und damit die Bereitschaft zu Kultur, Natur, Sozialem und Weltoffenem ihre Wurzeln  in der Familie hat. Wenn gegenwärtig in Deutschland zu wenige Kinder geboren werden, ist dies der wichtigste Krisentatbestand. Wir werden elementar umdenken und auch die berechtigten Wirtschaftsanliegen nach Wachstum, Gewinn und Umsatz hinter den Bedürfnissen der jungen Eltern und ihrer Kinder zurückstellen müssen. Die Erwerbs- und Ausbildungsbiographien sind auf eine frühere Familiengründung auszurichten, die sozialen  Sicherungssysteme des Generationenvertrages haben auch in der Rente als erstes die Eltern zu berechtigen, weil diese dem Generationenvertrag einen Schuldner, die Kinder, gegeben haben. Das Wahlrecht hat zu erkennen, dass ein Kind ein Mensch ist, der demokratische Grundsatz „Ein Mensch, eine Stimme“ deshalb auch dem Kind ein Wahlrecht gibt, dieses allerdings bis zu seiner Volljährigkeit von den Eltern pro Elternteil  mit einer halben Stimme je Kind ausgeübt wird. Damit gewinnt die Familie in der Demokratie wieder Gewicht.

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Kommentare

  1. […] berücksichtigt werden können. Sind beide Elternteile miteinander verheiratet oder leben in einer Lebensgemeinschaft, findet man den Eintrag des Kinderfreibetrages meist auf der Lohnsteuerkarte eines Elternteils. Es […]

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