Demographie: Von Frankreich lernen…

Monika Koranzki_pixelio.deWährend in Deutschland die Geburtenrate derzeit bei mageren 1,38 Kindern pro Frau liegt, bekommen französische Frauen im Durchschnitt 2,0 Kinder. Die vom französischen Forschungsinstitut Ifri im Januar veröffentlichte Studie „Le décrochage démographique“ (dt. Ungleiche Nachbarn) prognostiziert, daß Frankreich schon Mitte dieses Jahrhunderts Deutschland sowohl bevölkerungstechnisch als auch wirtschaftlich überholen wird.

Die Verantwortlichen der Studie Sievert und Klingholz sehen vor allem in der französischen Familienpolitik, die schon viel früher als Deutschland das Thema Demographie politisch anpackte, einen der Hauptgründe für diese Entwicklung. Mit dem 1939 verabschiedeten „Code de la famille“ wurden in Frankreich umfassende staatliche Maßnahmen zur Geburtenförderung ins Leben gerufen.

Auch die aktuelle französische Familienpolitik sei mit flexiblen Beschäftigungsmodellen und der Förderung längerer Elternzeiten der Familienpolitik in Deutschland um einiges voraus. Mindestens ebenso wichtig für eine stabile und höhere Fertilitätsrate sei eine gesellschaftliche Wertschätzung von Kindern, wie sie in Frankreich bestehe.

Deutschland stecke im Gegensatz zu Frankreich in einer „Fertilitätsfalle“. Es sei den Forschern zufolge in Deutschland normal geworden, keine oder nur ein Kind haben zu wollen. Diesbezüglich würden, so Sievert und Klingholz, auch Elterngeld oder andere finanzielle Zuschüsse nicht viel helfen.

Die Annahme, der französische Bevölkerungsreichtum sei vor allem auf die hohe Geburtenrate unter Frauen mit Migrationshintergrund zurückzuführen, konnten die Forscher der Studie nicht bestätigen. Der Zuwachs der französischen Geburtenrate hänge vielmehr vor allem mit dem kontinuierlichen Geburtenüberschuß auch nach dem Babyboom der 70er Jahre zusammen.

Die zunehmende Vergreisung treffe beide Länder gleichermaßen. In Frankreich vollziehe sich der Prozeß aber langsamer als in Deutschland: „Frankreich altert, Deutschland vergreist“, so das Fazit der Forscher.

Quelle: faz.net

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