Weniger Bildungsgerechtigkeit durch längere Grundschule

R by berwis/pixelio.deAls Argument für die Einführung einer sechsjährigen Grund- oder Primarschule – wie derzeit beispielsweise in Hamburg der Fall – werden gern die Ergebnisse der Pisavergleichsstudien herangezogen. Dabei zeigen gerade diese, daß die Einführung einer länger als vier Jahre dauerenden Grundschule Bildungsungerechtigkeit fördere, statt sie zu beseitigen. Demnach hätte beispielsweise ein Arbeiterkind nach sechsjähriger Grundschule eine deutlich geringere Chance auf ein Gymnasium zu wechseln als nach vier Jahren.

„Ein Blick auf das einzige Bundesland, das in diesem Zeitraum eine verpflichtende sechsjährige Grundschule eingeführt hatte, Brandenburg, fördert Erstaunliches zutage. Nicht nur, dass sich in Brandenburg der Zusammenhang zwischen sozialer Schicht und Bildungserfolg (Steigung des sozialen Gradienten) im Berichtszeitraum ’signifikant‘ erhöht hat, auch in der Lesekompetenz konnte eine ‚tendenzielle Zunahme der sozialen Unterschiede‘ festgestellt werden. Das Autorenteam um Prof. Baumert stellt in dieser Vergleichsuntersuchung außerdem fest, dass sich deutschlandweit lediglich in Brandenburg der ‚Gymnasialanteil für Schülerinnen und Schüler der oberen Dienstklasse statistisch bedeutsam erhöht‘ habe. In keinem Bundesland mit vierjähriger Grundschule liegt außerdem die Gymnasialbeteiligung von Oberschichtkindern so hoch wie in Brandenburg, nämlich bei 63 Prozent“, so der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), Heinz-Peter Meidinger.

Angesichts dieser Befunde warnte Meidinger vor einer verpflichtenden zwangsweisen Einführung der Primarschule in Hamburg. Ratsamer sei eine gründliche Evaluierung der Ergebnisse der freiwilligen Starterschulen. „Verfehlte Schnellschuss-Experimente der Bildungspolitik auf Kosten der Kinder als wehrlose Versuchskaninchen haben wir in Deutschland schon genug gehabt!“

Quelle: teachernews.de

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