Jungenförderung ganz konkret

tommyS/pixelio.deDie Statistiken sind eindeutig: Je höher der Schulabschluß, desto größer auch der Anteil der weiblichen Absolventinnen. Bei den Schulabbrechern sind dagegen entschieden mehr Jungs als Mädchen zu finden. Die Frauen- und Mädchenförderung hat weniger Gleichheit erzeugt als einen deutlichen Bildungsnachteil für die Jungen hervorgebracht. In einem Städtchen bei München zeigt ein junger Vater wie Jungenförderung ganz praktisch aussehen kann, ohne die Mädchen dabei aus dem Blick zu verlieren.

Der Mangel an männlichen Bezugspersonen in Kita und Grundschule und eine deutlich feminisierte Erziehung werden als Gründe für das schlechtere Abschneiden der Jungs herangezogen, aber auch die einseitige Bevorzugung weiblicher Spiel- und Interaktionsformen. André Ponndorf (34) aus Schrobenhausen, CSU-Mitglied und zweifacher Vater, wollte sich damit nicht abfinden und suchte nach Lösungen. „Jeder Kindergarten ist üppig mit Malstiften ausgestattet, aber wo steht schon eine Werkbank“, kritisierte Ponndorf und organisierte für den Kindergarten St. Maximilian eine Werkbank. Seit November 2008 wird nun täglich gesägt, gebohrt, gehobelt und gehämmert – Jungs wie Mädchen wohlgemerkt.

Das Thema hat Ponndorf nicht mehr losgelassen. Viel zu wichtig sei es nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht – immerhin fehlen bereits jetzt in den Disziplinen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik etwa 140.000 Fachkräfte. Auch auf die Familienplanung und -organisation hat die Verschärfung der Bildungsunterschiede Auswirkungen: Frauen „heiraten deutlich seltener Männer mit niedrigerer Ausbildung als umgekehrt“.

Bei der Werkbank ist es indes in Schrobenhausen nicht geblieben: Für den spielerischen Umgang mit Naturwissenschaften im Kindergarten besorgte Ponndorf im letzten Jahr ein paar Forscherkisten. Für einen weiteren Kindergarten gab es einen männlichen Praktikanten für 12 Monate und die Grundschule wurde mit 30 Notebooks ausgestattet.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

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