Demographische Verteilungskämpfe

erysipel_pixelio.deJe älter man ist, desto weniger wünscht man sich eine Politik, die Familien und ihre Kinder unterstützt. Das ist das Ergebnis einer Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein 65jähriger einer Erhöhung des Kindergeldes zustimmt, ist im Vergleich zu einem 20jährigen um 85% geringer. Auch Kinderlose neigen signifikant seltener dazu, Entlastungen für Familien zu befürworten.

Eltern stimmen beispielsweise einer Erhöhung des Kindergeldes mit 78% höherer Wahrscheinlichkeit zu als Kinderlose.

Die Studie „Age Trajectories of Social Policy Preferences“ ist der erste wissenschaftliche Beleg für das Vorhandensein generationsübergreifender Verteilungskonflikte. Bisher war man von einer Solidarität zwischen Alt und Jung ausgegangen. Der solidarische Effekt ist der Untersuchung zufolge aber lange nicht so stark wie angenommen. Mit zunehmendem Alter lehnen die meisten nicht nur staatliche Entlastungen der Familien ab, sondern bevorzugen darüber hinaus ein Rentensystem, daß vor allem die jüngere Generation belastet. Aber nicht immer spielen nur wirtschaftliche Eigeninteressen eine Rolle: „Ebenso wichtig können altruistische Motivationen innerhalb der Familie sein“, so der Leiter der Studie, Harald Wilkoszewski. Wer eigene Kinder oder Enkelkinder hat, denkt demnach seltener ausschließlich an den eigenen wirtschaftlichen Vorteil.

Daneben haben die Forscher herausgefunden, daß auch der Bildungsabschluß eine Rolle bei der Meinung über staatliche Unterstützung der Eltern spielt. Befragte mit Abitur stimmten einem höheren Kindergeld um 20 Prozent seltener zu als Befragte ohne Abitur. Zudem zeigte die Untersuchung, daß der Wunsch nach höherem Kindergeld in den neuen Bundesländern doppelt so hoch ist wie in den alten Bundesländern.

Angesichts eines sich in den nächsten Jahrzehnten noch weiter verschärfenden demografischen Wandels appelliert Studienleiter Harald Wilkoszewski an die politisch Verantwortlichen: „Die Politik sollte das Konfliktpotenzial, das sich in den sozialpolitischen Einstellungen von Alt und Jung, von Kinderlosen und Eltern andeutet, nicht weiter ignorieren“. Es sei Aufgabe der Politik deutlich zu machen, „dass die jüngere Generation Solidarität braucht, damit staatliche Leistungen an sie auch zukünftig noch politisch durchsetzbar sind.“

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Siehe dazu auch Welt.de

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