Hebammen-Petition: Über 100.000 Unterzeichner – Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf

Foto: Hartmut910/pixelio.deDurch drastisch steigende Berufshaftpflichtprämien sehen sich immer mehr Hebammen dazu gezwungen, ihr Kerngeschäft Geburtshilfe aufzugeben. Hebammen forderten deshalb in einer Petition „Sofortmaßnahmen zur Sicherstellung einer wohnortnahen Versorgung mit Hebammenhilfe“. Mehr als 106.000 Menschen haben unterzeichnet. Dennoch sieht das Bundesgesundheitsministerium keinen gesetzlichen Handlungsbedarf bei der Hebammenvergütung.

Immerhin dankte man am Montag in der Anhörung vor dem Petitionsausschuß der Petentin dafür, „die prekäre Situation der Hebammen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt zu haben.“ Es bedürfe aber „aus Sicht des Bundesgesundheitsministeriums  keiner Gesetzesänderung“. Bereits Ende Mai hatte Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) in einem Krisengespräch Soforthilfen für Hebammen abgelehnt.

Hintergrund sind die ab dem 1. Juli 2010 steigenden Haftpflichtprämien für freiberufliche Geburtshelferinnen um mehr als 55% auf 3689 Euro jährlich – im Vergleich zu 2007 ist dies gar eine Steigerung um 200%. Viele Hebammen beschränken sich daher auf Geburtsvor- und nachbereitung und verzichten auf die Geburtshilfe – mit fatalen Folgen für die werdenden Eltern und ihren Nachwuchs.

In ihrer Petition an den Deutschen Bundestag forderten die Hebammen „Sofortmaßnahmen, um eine wohnortnahe Versorgung von Frauen mit Hebammenhilfe und die freie Wahl des Geburtsortes auch nach dem 1. Juli 2010 sicherzustellen“ und  „die Aufnahme eines Sicherstellungsauftrages für Hebammenhilfe“. Edith Wolber vom Deutschen Hebammenverband hofft auf lange Sicht zudem „auf einen steuerfinanzierten Fonds, der einen Teil der Haftpflichtprämie übernimmt“.

Da bislang genaue Zahlen über mögliche Versorgungsengpässe fehlten, forderte der DHV zudem eine Datenerhebung zu dieser Frage. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und auch die Bundesregierung beriefen sich bei ihrer ablehnenden Haltung den Hebammen gegenüber stets auf fehlende „Erkenntnisse über etwaige Versorgungsengpässe im Bereich der Leistungen von Hebammen und Entbindungspflegern“.

Quellen: Merkur und Bundestag

(Foto: Hartmut910/pixelio.de)

Hartmut910

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