Projekt „Anonyme Bewerbung“ in der Kritik

Projekt „Anonyme Bewerbung“ in der Kritik
Um Diskriminierungsmöglichkeiten bei Bewerbungen einzudämmen, hat die Antidiskriminierungsstelle Arbeitgeber dazu aufgerufen, Bewerbungen künftig nur noch in anonymisierter Form anzunehmen. Das Bundesfamilienministerium und fünf deutsche Unternehmen, darunter die Telekom, die Deutsche Post und L’Oréal, beteiligen sich am Pilotprojekt. Welche Kriterien anonymisiert werden sollen, steht allerdings noch nicht fest. Kritiker halten das Verfahren ohnehin für wenig praktikabel. „Den Unternehmen fehlen wesentliche Informationen über die Kandidaten“, kritisiert der sozialpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Heinrich Kolb, das Verfahren. Personalentscheidungen würden so unnötig in die Länge gezogen. Auch Oliver Steffens, personalpolitischer Experte beim Institut für Deutsche Wirtschaft (IW) sieht vor allem einen enormen Verwaltungsaufwand auf die Unternehmen zukommen, die sich dem anonymisierten Bewerbungsverfahren anschließen. Mit Blick auf den bevorstehenden Fachkräftemangel könnten es sich die Unternehmen Diskriminierungen ohnehin nicht leisten.
Auch einige Projektteilnehmer äußerten sich skeptisch. Post-Sprecher Rolf Schulz gibt zu Bedenken, daß man ohnehin nicht alle Daten anonymisieren könne – der Lebenslauf biete hinreichend Anhaltspunkte für bestimmte Rückschlüsse: „Eine konsequent anonyme Bewerbung wäre tatsächlich sehr verkürzt“, so Schulz.
Fraglich ist beispielsweise auch, wie die Telekom die von ihr angestrebte Frauenquote ohne Hinweise auf das Geschlecht des Bewerbers erreichen will.
http://www.iza.org/en/webcontent/publications/reports/report_pdfs/iza_report_27.pdf

Foto: derateru/pixelio.deKritiker halten das von der Antidiskriminierungsstelle Anfang August eingesetzte Verfahren der anonymisierten Bewerbung für wenig praktikabel. „Den Unternehmen fehlen wesentliche Informationen über die Kandidaten“, kritisiert der sozialpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Heinrich Kolb. Personalentscheidungen würden so unnötig in die Länge gezogen und auf aufwendige und zeitintensive Einzelgespräche verschoben.

Auch Oliver Steffens, personalpolitischer Experte beim Institut für Deutsche Wirtschaft (IW), sieht vor allem einen enormen Verwaltungsaufwand auf die Unternehmen zukommen, die sich dem anonymisierten Bewerbungsverfahren anschließen. Mit Blick auf den bevorstehenden Fachkräftemangel könnten sich die Unternehmen Diskriminierungen ohnehin nicht leisten, meint Steffens.

Um Diskriminierungsmöglichkeiten bei Bewerbungen einzudämmen, hatte die Antidiskriminierungsstelle Arbeitgeber dazu aufgerufen, Bewerbungen künftig nur noch in anonymisierter Form anzunehmen. Das Bundesfamilienministerium und fünf deutsche Unternehmen, darunter die Telekom, die Deutsche Post und L’Oréal, beteiligen sich am Pilotprojekt. Welche Kriterien anonymisiert werden sollen, steht allerdings noch nicht fest.

Auch einige Projektteilnehmer äußerten sich skeptisch. Post-Sprecher Rolf Schulz gibt beispielsweise zu Bedenken, daß man ohnehin nicht alle Daten anonymisieren könne – der Lebenslauf biete hinreichend Anhaltspunkte für bestimmte Rückschlüsse: „Eine konsequent anonyme Bewerbung wäre tatsächlich sehr verkürzt“, so Schulz.

Fraglich ist beispielsweise auch, wie die Telekom die von ihr angestrebte Frauenquote ohne Hinweise auf das Geschlecht des Bewerbers erreichen will.

Quelle: RP-Online.de

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(Foto: derateru/pixelio.de)

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