Krippenbetreuung und Streßbewältigung

Foto: Gerhard Wellmann/pixelio.deJe jünger ein Kind ist, desto weniger gut kann es mit Streß umgehen. Dies zeige sich besonders drastisch bei sehr frühzeitig fremdbetreuten Kindern. Auch Kinder, die eine enge Bindung zu ihrer Erzieherin aufbauen konnten, seien davon betroffen. Dies ist das Zwischenergebnis der  2007 gestarteten und noch bis 2012 laufenden „Wiener Kinderkrippenstudie“ unter der Leitung der Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert. „Die sichere Bindung in der Krippe ist etwas anderes als das Zuhause“, erläutert Tina Eckstein von der Uni Wien.

Erzieherinnen haben mehrere Kinder zu betreuen, seien aufgrund von Urlaub oder Krankheit nicht immer da und könnten sich zudem nicht immer gleichermaßen emotional auf alle Kinder einstellen.

Für die „Kinderkrippenstudie“ wurde der Cortisolspiegel von Kleinkindern zwischen zehn und 36 Lebensmonaten in Form von Speichelproben über den Tag verteilt untersucht. Cortisol, im Volksmund auch „Streßhormon“ genannt, spielt bei der Streßverarbeitung eine wesentliche Rolle.

Von entscheidender Bedeutung bei der Streßverarbeitung der Kinder sei die Bindung zwischen den Kindern und ihren Betreuern: „Eine sichere Bindung zur Erzieherin scheint … die Stressverarbeitung besonders bei den jüngsten Kindern nach Krippeneintritt abzufedern“, so Eckstein. Dennoch sei die Streßverarbeitung vor allem der Kinder unter zwei Jahren auch bei guter Betreuung ungünstig, so das Fazit der Entwicklungsexperten.

Auch eine zweite Studie, die „Stendaler Tagesbetreuungsstudie“, kommt zu dem Ergebnis, daß die Betreuungssituation eine wesentliche Rolle bei der Streßbelastung spiele. Für die Studie wurde der Cortisolspiegel von Kindern zwischen ein und sieben Jahren untersucht. Ahnert und ihre Kollegen  fanden dabei heraus, daß sich „ein unvorteilhafter Betreuungsschlüssel“ ungünstig auf den Cortisolspiegel auswirke.

Die Experten empfehlen aufgrund ihrer Untersuchungsergebnisse vor allem jüngere Kinder lieber kürzer in die Krippe zu geben und dabei auf einen optimalen Betreuungsschlüssel zu achten: „eins zu sieben oder eins zu acht okay; noch besser wäre aber eine Erzieherin für fünf Kinder“.

Quelle: fr-online.de

(Foto: Gerhard Wellmann/pixelio.de)

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