Gewerkschaften und Arbeitgeberverband gemeinsam gegen Betreuungsgeld

In einer gemeinsamen Erklärung des Arbeitgeberverbandes und des Deutschen Gewerkschaftsbundes fordern deren Chefs Dieter Hundt und Michael Sommer die Regierung auf, das „grundverkehrte Vorhaben“ Betreuungsgeld aufzugeben. Das Betreuungsgeld sei ein neuer Anreiz für Eltern aus dem Beruf auszusteigen und verschärfe den Fachkräftemangel weiter, begründete Hundt seine Ablehnung. Sommer bezeichnete das Betreuungsgeld als „Fernhalte- oder Abmelde-Bonus“, das vor allem Kinder aus Migranten- und bildungsfernen Familien von frühkindlicher Bildung fernhielte. Er würde das Geld stattdessen lieber in den Ausbau der Kinderkrippen investieren. 

Dieter Hundt (BDA): „Ein Betreuungsgeld wäre ein neuer Anreiz zum Ausstieg aus dem Beruf und würde das Problem des Fachkräftemangels weiter verschärfen.Wir sollten im Gegenteil alles unternehmen, damit Frauen Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren können. Das trägt auch dazu bei, die gesamtwirtschaftlichen Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern abzubauen und mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Ich fordere die Bundesregierung auf, dieses grundverkehrte Vorhaben aufzugeben.“

Michael Sommer (DGB): „Statt ein Betreuungsgeld einzuführen, sollte besser in den Krippenausbau investiert werden. Hier fehlen bis zum kommenden Jahr noch immer 230.000 Plätze. Das Ziel der Bundesregierung, ab 2013 allen Kindern unter drei Jahren einen Betreuungsplatz anzubieten, ist somit in Gefahr. Dies ist besonders fatal, da sämtliche Studien belegen, dass gute frühkindliche Bildung die Basis für eine gute Bildungsbiografie ist. Ein Betreuungsgeld würde vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien von frühkindlicher Bildung fernhalten. Auch kann die Bundesregierung nicht glaubhaft bei Migrantinnen und Migranten für Bildung und Betreuung in Kindertagesstätten werben, wenn sie ihnen gleichzeitig einen Fernhalte- oder Abmelde-Bonus zahlt.“

Zur Erklärung von DGB und BDA

Kommentare

  1. Bea Bitoon sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Betreuungsgeld ./. Kita In diesem Zusammenhang merkt man doch sofort, dass die Diskussionen hauptsächlich von unflexiblen Arbeitgebervertretern aus dem männlichen Lager geführt wird. Wie wäre es denn mal mit einem deutlich flexibleren gestalteten Arbeitsmarkt? Dann könnten Mütter und Väter (Ja, das Wort und diese Funktion gibt es tatsächlich) beide mit gutem Gewissen ihrer fachlichen Tätigkeit weiterhin nachgehen, ohne ein Kind, dass in den ersten drei Jahren dringend eine Bezugsfamilie benötigt, dort hinaus zu reißen. Wenn Sie Angst haben, dass ein frühkindliche Förderung gerade bei Familien mit schlechtem Bildungs- oder Migrationshintergrund fehlt, dann sollten Sie dort Anreize setzen. Aber die Einseitige Diskussion Kita oder Betreuungsgeld bringt nur das Gros der Mütter in die Bredouille, die fachlich gut ausgebildet ist, nicht zu den zu fördernden Familien gehört, nicht Alleinerziehend ist und ein Kind aus Überzeugung eine Familie gegründet zu haben bekommen hat.
    Wieso ist eine Kita gut, die Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau anzugleichen? Das liegt doch wohl mehr in der Sache der Tarifverträge und Zahlbereitschaft der Arbeitgeber.
    Bea Bitoon

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