von der Leyen will regelmäßige Prüfung der Betreuungsgeldempfänger

Neuer Zündstoff in der Betreuungsgelddebatte: Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will regelmäßig prüfen lassen, „ob es Eltern gibt, die wegen des Betreuungsgelds auf einen Kitaplatz verzichten und auch keine anderen Spielmöglichkeiten für ihre ein- oder zweijährigen Kinder suchen.“ Die Wirkung des Betreuungsgeldes sollte „zeitnah in regelmäßigen Abständen evaluiert“ werden, forderte sie in einem Interview mit dem „Spiegel“.

Dem widersprach die bayerische Familienministerin Christine Haderthauer (CSU). Die Forderung der Arbeitsministerin unterstelle, „dass häusliche Betreuung für Einjährige automatisch nachteilig sei“, so Haderthauer in der „Leipziger Volkszeitung“. „Die Antwort darauf muss sein, zu prüfen, ob jedes Kleinkind, das in die Krippe gegeben wird, krippentauglich ist. Diese Bevormundung junger Eltern kann von der Leyen doch nicht ernst meinen – das wäre Überwachungsstaat pur.“

Von der Leyen warnte im Interview zudem davor, nicht in alte Rollenmuster zu verfallen: „Wir dürfen nicht in den Muff des letzten Jahrhunderts zurückfallen, als Eltern danach beurteilt wurden, wer das Geld verdiente. Natürlich erziehen überwiegend alle Mütter ihre Kinder erstens selbst und zweitens gut. Ganz egal, ob sie erwerbstätig sind oder nicht, ob sie Tagesmutter, Großmutter oder einen Krippenplatz nutzen. Das gilt genauso für Väter“, sagte von der Leyen.

Quelle: Spiegel, Nr. 21/2012, S. 29.

Foto: Ursula von der Leyen/www.bundestag.de

Kommentare

  1. Michael Bloch sagt:

    Eine Frechheit, den Eltern schon wieder Missbrauch zu unterstellen!
    Werden eigentlich die Menschen, die Pflegegeld erhalten, weil sie alte Angehörige daheim pflegen, auch ständig vom Staat kontrolliert?
    Frau von der Leyen ist genauso wie alle Generationen vor ihr von den Eltern erzogen worden – und es hat niemandem geschadet.
    Das Misstrauen, das der Staat den Eltern entgegen bringt, wird zu noch weniger Kindern und zur Verschärfung des Aussterbens, politisch korrekt „demografischer Wandel“ führen.
    Umgekehrt misstraue ich Frau von der Leyen und werde ihre Partei nicht mehr wählen. Welche Alternativen gibt es für Christen?

  2. René Kaiser sagt:

    Als Vater habe ich die Nase voll: Habe ich jetzt für meinen Lebensentwurf – gut begründet natürlich und in fünffacher Ausfertigung – eine Elternüberwachungsbehörde um Erlaubnis zu fragen?! Wie wäre es, wenn Frau von der Leyen mal mich fragen würde, was ich von ihr erwarte, dass sie mit meinen Steuergeldern tut? Wer ist denn hier für wen da – der Staat für seine Bürger oder umgedreht?

  3. Ursula Prasuhn sagt:

    Ach kehrten wir doch in den „Muff“ des vergangenen Jahrhunderts zurück, in dem das Wohl von Kleinstkindern noch nicht in großem Stil auf dem Altar von Politik und Wirtschaft geopfert wurde!
    Positive oder negative Worthülsen können nicht restlos die Wahrheit verschleiern und gute Traditionen schlecht machen oder auch schlechte gut. Das versuchen Politiker immer wieder und bei unkritischen Zuhörern sowie den Medien leider mit Erfolg.
    Typische Worthülsen, die für Zustimmung sorgen sollen: „fortschrittlich“ – „zeitgemäß“ – „gerecht“ – „neu“ – „erwiesen“.
    Typische Worthülsen, die für Ablehnung sorgen sollen: „mittelalterlich“ – „unzeitgemäß“ – „überholt“ – „ungerecht“ – „alt“ – „fortschrittsfeindlich“.

    Wenn diese Wörter fallen, lohnt es sich, misstrauisch zu werden.

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