Weniger Kleinstkinder leben in „Armut“

Die Armutsquote von Kleinstkindern in Deutschland ist laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung im Vergleich zur Vorjahresstudie von 19,8 auf 18,2 Prozent gesunken. In Städten wie Berlin und Bremen lebt aber nach wie vor jedes 3. Kind in „Armut“. Die Stiftung fordert deshalb noch mehr Kleinkindbetreuung – ein Trugschluß. Das geringste Armutsrisiko haben Kinder in Bayern (8,7%), am häufigsten betroffen sind Kinder aus Berlin (34,3). Insgesamt leben Kleinkinder aus ostdeutschen Bundesländern häufiger in „Armut“ als Kinder aus den alten Bundesländern. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Stiftung, empfiehlt deshalb einmal mehr weitere Investitionen in den Ausbau der Kleinkindbetreuung: 

„Wo die Probleme größer sind, muss auch mehr Geld für gute Kitas und gezielte Förderung des Wohnumfeldes investiert werden. (…) Gerade die frühkindliche Phase ist entscheidend für die Entwicklung des Kindes.“

Zu übersehen scheint Dräger dabei, daß der Ausbau der U3-Betreuung in den neuen Bundesländern wesentlich weiter fortgeschritten ist als in den alten Bundesländern. Und dennoch ist das Armutsrisiko für Kinder im Westen viel geringer. Eine ähnliche Tendenz ist auch im Stadt-Land-Gefälle zu beobachten: Abgesehen von Bonn, Dresden und Münster schnitten alle Großstädte beim Armutsrisiko schlechter ab als der jeweilige Landesdurchschnitt. Die Betreuungsdichte für Kleinkinder ist dagegen in den Städten um ein vielfaches höher als auf dem Land. Mit noch mehr Kleinkindbetreuung, wie von der Bertelsmann-Stiftung nun gefordert, läßt sich das Problem ganz offensichtlich nicht lösen.

Kinder gelten als „arm“, wenn ihre Eltern auf Hartz IV angewiesen sind.

Zur Studie.

Foto: Oxfordian Kissuth/pixelio.de

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