Zur Stärkung der Erziehungsqualität von Familien! – Interview mit Dr. Albert Wunsch

Gemeinsam mit der CDU/CSU Bundestagsfraktion veranstaltete die Stiftung für Familienwerte und verschiedene Partnerorganisationen u.a. die Initiative Familienschutz am 07. November 2012 einen Impulstag zum Thema Familienpolitik im Deutschen Bundestag. FreieWelt.net sprach mit dem Erziehungswissenschaftler und Psychologen Dr. Albert Wunsch, einem der beiden für diese Veranstaltung geladenen Fachreferenten, über die Bedeutung konsequenter Erziehung als Beitrag zur Gewaltprävention. 

FreieWelt.net: Herr Dr. Wunsch, Sie waren einer der beiden Experten, welcher über die Stiftung Familienwerte von der CDU/CSU Bundestagsfraktion, konkret durch den Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU, Herrn Bernhard Kaster und die stellvertretende Vorsitzende Ingrid Fischbach, zu einem Fachvortrag für spezielle Fraktionsmitglieder in den Bundestag eingeladen wurden. Was waren Ihre Hauptaussagen?

Dr. Albert Wunsch: Zu Beginn ist es mir wichtig zu verdeutlichen, dass die Stiftung Familienwerte mit ihren familienpolitischen Partnerverbänden nach Berlin reiste, um erneut mit wichtigen politischen Entscheidungsträgern in Kontakt zu treten. So konnten einerseits wichtige fachliche Fakten vorgetragen werden, um dann über diese zu einem fruchtbaren Positionsaustausch zu gelangen. Mein Thema innerhalb dieses Impulstages lautete: „Die Bedeutung einer konsequenten Erziehung als Beitrag zur Gewaltprävention, – eine Bestandsaufnahme aus dem Blickwinkel von Psychologie und Erziehungswissenschaft.“Insgesamt schien mir die Veranstaltung unter einem guten Stern zu stehen, denn zeitgleich haben ein paar Straßen weiter Redakteure einer großen Boulevardzeitung die Überschrift kreiert:„Weltmacht Familie“ auch wenn diese auf das Erfolgsgeheimnis der Wiederwahl des US-Amerikanischen Präsidenten bezogen war. Vielleicht erhalten ja auch deutsche PolitikerInnen eine zweite Chance, wenn sie den Unterstützungs-Faktor ‚Familien’ begreifen.

FreieWelt.net: Was war denn die spezielle Zielsetzung Ihres Beitrages?

Dr. Albert Wunsch: Im Kern ging es um folgende Klärungen: 1. Was ist eine zielgerichtete und konsequente Erziehung? 2. Was brauchen Kinder substantiell, um starke Persönlichkeiten zu werden? 3. Wie entsteht Gewalt und was ist ihre Finalität? Wenn uns diese Zusammenhänge wieder bewusster sind, dann haben auch die politisch Verantwortlichen klarere Anhaltspunkte, wie sie die Erziehungsleistung fördern können. Alle politischen Kräfte, so die meisten Deklarationen, wollen eine stabile und leistungsfähige Gesellschaft. Aber zu viele haben verdrängt, dass diese weitestgehend in der Familie grundgelegt wird, – oder auch nicht. Also ist es notwendig, sich die Bedingungen des Aufwachsens genauer anzuschauen, um die förderlichen Aspekte auch politisch zu stützen. Schon in seiner Begrüßung machte Herr Kaster klar, das es nicht genügt zu sehen, welche Entwicklungen sich in unserer Gesellschaft vollziehen, sondern das es die Aufgabe der Politik ist, auf diese angemessen – durch fördernde oder begrenzende – Interventionen zu reagieren.

FreieWelt.net: Was ist denn aus ihrer fachlichen Sicht eine zielgerichtete und konsequente Erziehung?

Dr. Albert Wunsch: Wenn ich diese Frage an Studierende meiner Hochschulseminare richte meinen sie meist, irgendeinen wichtigen Erziehungswissenschaftler zitieren zu müssen. Aber dies ist gar nicht nötig und lässt sich in einem ganz einfachen Satz sagen: „Zielgerichtet und wirkungsvoll ist eine Erziehung, wenn durch sie Kinder und Jugendliche dazu geführt werden, mit 20 – 25 Jahren eigenständig und selbstverantwortlich in einer globalen Welt leben zu können, – emotional, sozial und finanziell!“
Neben der Zielgerichtetheit ist eine Erziehung nur dann wirkungsvoll, wenn sie Konsequent ist, denn sonst kann das Leben nicht erlernt werden! Somit ist einen Erfahrungsraum zu schaffen, in welchem Kinder und Jugendliche die natürlichen und logischen Folgen ihres Verhaltens – alters- und umstände-gemäß – spüren und erfahren können/dürfen. Wenn Kinder ihren Eltern oder anderen Erziehungskräften – wie täglich neu zu beobachten ist – jedoch auf der Nase herum tanzen, wird Erziehung klar vereitelt. Wichtig: Ohne Feedback ist kein Lernen, keine Selbstsicherheit und soziale Kompetenz, – kein Lebenserfolg möglich. Thomas Gordon, der ‚Vater’ der Familienkonferenz, brachte diese Zusammenhänge auf den Punkt: „Stehlt den Kindern die Problem nicht!“
Als mein Buch die Verwöhnungsfalle vor gut 10 Jahren in der ersten Ausgabe erschien, mittlerweile steht die 14 Auflage an, machte der Spiegel das Thema mit den Schlagzeiten: „alles haben, alles dürfen alles wollen“, und ich ergänze, ‚nichts können’, zur Titelstory. Damit haben wir eine Kurzregel der Inkonsequenz! Denn fehlende Grenzsetzungen, jede Konflikt-Vermeidung und ausbleibende Herausforderung, verhindert Wollen und Können, – führen letztlich in die Irre! Dass dies kein rein deutsches Thema ist, wird durch die Veröffentlichung dieses Buches in Korea und China belegt.

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Foto: Dr. Albert Wunsch/privat

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