Krippendebatte: Wirtschaftliche Interessen vor Kindeswohl

Die Krippendiskussion sei in erster Linie von wirtschaftlichen Interessen gelenkt, das Kindeswohl bleibe außen vor, kritisiert Ralph Dawirs, Professor für Neurobiologie am Universitätsklinikum Erlangen, Fachautor und Mitbegründer des Instituts für Bindungswissenschaften, im Interview mit der „Tagespost“. Darunter würden vor allem die Kinder am meisten leiden. „Es geht um den Hunger der Wirtschaft nach Arbeitskräften. Die Wirtschaft möchte, dass beide Elternteile arbeiten“, so Dawirs weiter. Dabei würde das hohe Risiko zu früher außerfamiliärer Betreuung einfach ignoriert.

„Wenn Kinder in Krippen leben, also in ‚emotionale Entbindungssituationen‘ kommen, führt das zu einem hohen Risiko, dass die psychische Entwicklung einen ungünstigen Verlauf nimmt“, warnt der Bindungsexperte. Der massive und staatlich subventionierte Krippenausbau sei „eine einseitige Bevorzugung des Lebensmodells Trennung von Kleinstkindern von ihren Eltern“. Dabei seien andere Betreuungsmöglichkeiten wie z.B. eine Tagesmutter, „die dann nachhaltig als Bindungsperson zur Verfügung steht“, für die Entwicklung des Kindes weitaus günstiger.

Zudem sei fraglich, so Dawirs, wer sich einmal um die Alten und Kranken kümmern solle: „Wer, der nicht früh Bindung und Liebe erfahren hat, entwickelt die nötige Empathie, um sich später um mich zu kümmern?“

 

Quelle: Die Tagespost

Foto: Ralph Dawirs (www.ralph-dawirs.de)

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