Familienförderung: Experte fordert echte Wahlfreiheit

Kostas Petropulos vom Heidelberger Familienbüro hat im Interview mit dem Deutschlandfunk kritisiert, dass über das Ausmaß der Familienförderung in Deutschland falsche Angaben verbreitet werden. Tatsächlich belaufe sich die Summe der Förderung nicht auf 200 Milliarden Euro, sondern sie liege weit darunter. »Diese 200 Milliarden Euro ist eine Irrtumszahl«, sagte er. 

Umgekehrt werde ein Schuh daraus, denn die Hälfte dieser Summe finanzierten die Familien selbst; Berechnungen hätten zudem ergeben, dass »pro Kind der Staat 77.000 Euro im Lebenslauf verdient.« Hier sei die Ursache für die schlechte wirtschaftliche Lage vieler Familien zu sehen.

Was als Familienförderung hingestellt werde, sei häufig kein, wie man am Elterngeld, der Krippenplatzgarantie und der Ganztagsschule sehen könne: »Überall wird nur darüber diskutiert, wie kann man Kinder möglichst effektiv wegorganisieren, damit möglichst beide Eltern Vollzeit erwerbstätig sein sollen, und genau das kann es nicht sein.« Petropulos‘ Schlussfolgerung: »Es geht also hier um Arbeitsmarktpolitik und nicht um Familienpolitik. Das ist der zentrale Punkt.«

Vor diesem Hintergrund plädierte Petropulos für echte Wahlfreiheit für Familien: Sie sollten ohne Druck entscheiden können, ob sie Krippen- und andere angebote nutzen wollten oder ob sie ihre Kinder lieber zuhause aufziehen wollten. »Wenn wir Eltern Wahlfreiheit lassen, müssen sie wirtschaftlich abgesichert sein, wenn sie zuhause bleiben wollen, und sie müssen Krippenmöglichkeiten bekommen, wenn sie erwerbstätig sein wollen. Und sie müssen die Möglichkeit haben, die Kombination aus beidem –  aus Erwerbstätigkeit und Krippennutzung, sprich Teilzeitbetreuung und Teilzeiterwerbstätigkeit – zu wählen. Betreuungsgeld und Krippe – das muss die Devise sein.«

 

FreieWelt.net

Foto: Kostas Petropulos

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