Experte: »Sitzen-bleiben« ist sinnvoll

Nach Hamburg will jetzt auch Niedersachsen unter der frisch gewählten rot-grünen Landesregierung das »Sitzenbleiben« an den Schulen abschaffen. Dagegen hat sich der Vorsitzendes des Deutschen Lehrerverbandes – einer Lehrergewerkschaft außerhalb des DGB – Josef Kraus ausgesprochen. »Populistische Gefälligkeitspolitik schadet unseren Kindern«, sagt er. 

Im Interview mit der Welt kritisiert Kraus die gerade aufgeflammte Diskussion, die nur einen geringen Prozentsatz aller Schüler – 1,5 Prozent – betreffe. Aus pädagogischen Gründen plädiert er für die Beibehaltung der Praxis des Sitzenbleibens, die ganz im Sinne leistungsschwacher Schüler sei. »Tatsache ist: Schüler, die immer wieder mit Ach und Krach in die nächst höhere Jahrgangsstufe vorrücken, haben irgendwann so kumulierte Wissenslücken, dass es am Ende gar nicht mehr geht. Das Gros der Sitzenbleiber hat in drei oder vier Fächern eine Fünf. Einen solchen Schüler in die nächst höhere Jahrgangsstufe hineinzuschieben heißt, dass die jungen Leute ihre Defizite nicht ausgleichen können und ständig ihren Frustrationen hinterherlaufen.«

Denen, die das Sitzenbleiben abschaffen wollen, wirft Kraus vor, die Realitäten zu verkennen. Hier »herrscht ein total idealisiertes Bild von Schülern. Man tut so, als sei immer nur das System schuld, wenn jemand nicht vorankommt. Tatsache ist, dass sich einige Schüler in bestimmten Phasen weniger anstrengen. Davon sind die Jungs stärker betroffen als die Mädchen, deswegen haben wir bei Ersteren ja auch eine doppelte Wiederholerquote. Ich glaube, dass ein beachtlicher Anteil von Schülern das Risiko des Scheiterns braucht, um mehr in Schule zu investieren. Es ist doch kein Zufall, dass die Länder mit den liberalsten Noten und Bedingungen bei den Pisa-Studien am Ende der Skala liegen.«

 

FreieWelt.net

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