Die Schattenseiten französischer Familienpolitik

Die französische Familienpolitik gilt vielen hierzulande als großes Vorbild. Die Geburtenrate liegt bei 2,1 und die Frauen Frankreichs gelten als moderne, emanzipierte Superfrauen. Karriere und Kinder gleichzeitig – alles kein Problem. Doch der familienpolitische Traum hat seine Schattenseiten. 

In einem ausführlichen Bericht in der ZEIT schildert die Journalistin Margarete Moulin welche verheerenden Konsequenten die frühe staatliche Fremdbetreuung hat, für die Kinder und für die Frauen. Aufgerieben zwischen 40-h-Job, Kinderbetreuung und Haushalt endeten nicht wenige Frauen in ihren besten Jahren im Burnout. Die Kinder würden vor allem an der fehlenden Nähe zu ihren Eltern und insbesondere zu ihrer Mutter leiden. Schlafstörungen, Angstzustände, Verhaltensauffälligkeiten und Sprachdefizite seien die Folgen.

In Frankreich gelte, so Moulin, das Ideal der erfolgreichen berufstätigen mehrfach-Mutter noch um einiges stärker als in Deutschland. Viele Mütter geben ihre Babys deshalb bereits mit 10 Wochen in die Krippe. Wer dies nicht tue und mit seinem Säugling ein oder zwei Jahre daheim bleibe, werde in Frankreich schief angesehen, gelte als rückständig. Auch die meisten Arbeitgeber hätten für längere Erziehungsphasen wenig Verständnis. Das setze die Frauen unter enormen Druck, so schnell wie möglich wieder zu arbeiten und ihr Babys fremd betreuen zu lassen. Wird das Kind krank, würden Eltern nicht selten ihrem Kind Medikamente verabreichen, um weiter arbeiten gehen zu können. Eine ehemalige Krippenerrzieherin berichtet: ”Dort ist uns manchmal ein Kind gebracht worden, das drei bis vier Stunden später plötzlich 39 Grad Fieber hatte. Wenn wir dann die Eltern angerufen haben, erfuhren wir, dass sie es einfach mit einer Dosis Paracetamol zu uns geschickt hatten – weil sie arbeiten gehen mussten!” Auch Schlafmittel und Antibiotika seien keine Seltenheit, sondern eher die Regel.

Die Mehrheit der französischen Frauen mit kleinen Kindern arbeitet in Vollzeit, der Mann ebenfalls. Die Kinder sind so mindestens 9 Stunden täglich von den Eltern getrennt. Für den in Frankreich lebenden deutschen Kinderarzt Adrian Serban eine fatale Entwicklung: “Auf diese Weise entsteht eine Gesellschaft, in der Erwachsene ungestört ihrer Arbeit und sogar ihren Hobbys nachgehen können, aber keine wirkliche Beziehung zu ihren Kindern aufbauen. Denn eine Beziehung braucht Zeit und auch Raum. Und genau das fehlt in Frankreich.” In einer aktuellen Unicef-Studie zum Wohlergehen von Kindern landete Frankreich denn auch auf dem letzten Platz.

Inzwischen gibt es erste Gegenbewegungen gegen die extrem frühe Fremdbetreuung in Frankreich. Die Association pour l’Attachement et l’Autonomie (Verein für Bindung und Selbstständigkeit) z.B. wirbt mit Vorträgen und Hintergrundinformationen für eine Wiederentdeckung der Eltern-Kind-Bindung. Die Elternzeitschrift Grandir Autrement, die sich für Bindung und Nähe einsetzen, finden immer mehr Leser. Bleibt zu wünschen, daß auch dieser Trend ähnlich viele Anhänger und Nachahmer in Deutschland findet wie die derzeitige Familienpolitik.

 

Foto: Florian Seiffert (F*) / flickr.com / CC-BY-NC-SA 2.0

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