Französinnen wollen bei ihren Kindern sein

Doppelbelastung durch Beruf und Kindererziehung? Französische Frauen sagen immer häufiger Nein. Sie wollen bei ihren Kindern sein – und verstehen sich dennoch als Feministinnen. 

In Frankreich verstärkt sich gerade ein fast schon revolutionärer Trend: Jenseits des Rheins wollen Mütter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen – und gehen mit diesem Wunsch an die Öffentlichkeit. Das Zentrum ihrer Bewegung ist die kleine Zeitschrift Grandir Autrement(Anders aufwachsen), die inzwischen aber den Sprung aus dem Internet an die Kioske geschafft hat. »Diese Frauen sind Feministinnen«, sagt die Yvonne Knibiehler, eine Frauenrechtlerin, Professorin und Buchautorin. »Denn sie legen viel Wert auf ihre Autonomie und auf ihre Rechte.«

Die Frauen, die der Karriere zwar nicht Lebewohl sagen, aber beruflich kürzer treten, haben es in einem Land schwer, in dem die berufstätige Mutter zum Ideal erhoben worden ist. Von der etablierten Elternzeitschrift Parents werden sie als »Supermütter« verhöhnt, nur weil sie sich der Doppelbelastung eines 9-to-5-Jobs nicht mehr aussetzen wollen, sondern stattdessen lieber bei ihren Kindern sind. Sich gegen den gesellschaftlichen Druck aufzulehnen und der Stimme des Herzens zu folgen, sei »ein Akt der Emanzipation«, wie Marie-Florence Astoin sagt, die von Beruf Ingenieurin ist.

Ganz raus aus dem Job ist allerdings kein von ihnen; es kommt nur auf die Definition an: Auch Teilzeitanstellungen, freiberufliche Tätigkeiten oder ehrenamtliches Engagement tragen zur Vielfalt des Lebens jenseits der Kinderaufzucht bei. Außerdem haben sie ja in der Regel noch ihre Männer, die für den Lebensunterhalt sorgen. Hier sieht Buchautorin Claude Didierjean-Jouveau allerdings noch viel ungenutztes Potenzial. Die Männer könnten sich noch mehr für die Familie engagieren und dadurch den Frauen mehr Zeit für außerhäusliche Tätigkeiten ermöglichen. »Auch Väter könnten im Beruf kürzertreten«, sagt sie.

 

Foto: Alain bachellier / flickr.com / CC BY-NC-SA 2.0

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