Experte: »Miese Rahmenbedingungen in Krippen«

Foto: Nikki Fabrizius / flickr.com / CC BY-ND 2.0

Die Zustände in Kinderbetreuungseinrichtungen sind nach Einschätzung des Sozialwissenschaftlers Stefan Sell katastrophal. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte der Direktor des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Fachhochschule Koblenz: »Im Grunde müssten die Kinder nach Hause geschickt werden. In vielen Krippen herrschen derzeit hanebüchene Zustände aufgrund der miesen Rahmenbedingungen.« 

Zwar hätten die Kommunen wahre Kraftanstrengungen vollbracht, um den Ausbau der Einrichtungen zu bewältigen. Allerdings sei das nur auf Kosten der Qualität möglich gewesen. Teilweise hätten die Kommunen das Ziel auch nur mit einer Art Etikettenschwindel – mit Umdeklarierung – vollbringen können. Insbesondere kritisierte er den Personalschlüssel, der häufig »absolut nicht dem Stand der frühpädagogischen Fachdiskussion« entspreche.

Sell diagnostizierte eine Lücke zwischen dem hehren Anspruch an die Betreuungseinrichtungen und der Wirklichkeit, die diesem Anspruch hinterher sei. Er sagte: »Krippen und Kindergärten sind aber auch Bildungseinrichtungen – doch diese Wahrnehmung wird auf Sonntagsreden reduziert.«

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