Liebe Deine Nächsten: Eheliche Treue

In der Reihe Liebe Deine Nächsten bringen wir künftig in loser Folge grundsätzliche Gedanken zu Ehe und Familie. (Hinweise auf geeignete Textstellen bzw. Zitate nehmen wir gern entgegen. Einziges Kriterium: die Texte müssen schön und wahr sein; das Eine bedingt das Andere). Wir beginnen heute mit einem Zitat aus dem großen Buch Die Liebe und das Abendland von Denis de Rougemont (Köln/Berlin 1966, S.361):

»Die Treue in der Ehe kann nicht jene negative Haltung sein, als die man sie sich im allgemeinen vorstellt. Sie kann nur eine Handlung sein. Sich damit zu begnügen, seine Frau nicht zu betrügen, wäre ein Beweis von Armut und nicht von Liebe. Die Treue will sehr viel mehr. Sie will das Wohl des gliebten Wesens, und wenn sie für dieses Wohl handelt, schafft sie sich gegenüber den Nächsten. Und durch diesen Umweg, über den anderen gelangt das Ich zur Person – jenseits seines eigenen Glücks. So ist die Person der Ehegatten ein gegenseitiger Schöpfungsprozeß, ein doppeltes Reifen der »handelnden Liebe«. Das, was das Individuum und seinen natürlichen Egoismus leugnete, ist das, was die Person aufbaut. An diesem Punkt wird man die Entdeckung machen, daß die Treue in der Ehe das Gesetz eines neuen Lebens ist, und zwar weder des natürlichen Lebens (das wäre die Polygamie) – noch des Lebens für den Tod (Das war die Leidenschaft Tristans).«

Nächste Folge: »Lieben oder Verliebt sein«

 

 

 

 

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