Frauen sind keine Gebärmaschinen

Aber die Leihmutterschaft macht sie dazu.
Deren Legalisierung steht auch in Europa bevor

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(al) Wo der Feminismus recht hat, hat er recht: Frauen sind keine Gebärmaschinen. Im Kampf um die Abtreibung sollte dieses Argument allerdings die Gebärfähigkeit als solche verächtlich machen. Jetzt, da es bei der Leihmutterschaft weltweit und im Vollsinn des Wortes um die fabrikmäßige Instrumentalisierung von Frauen geht – was sagen da die Feministen über Frauen als »Gebärmaschinen«? Finden sie im Prinzip gut, wie Sie hier nachlesen können. Die Parole heißt: »Frauen helfen Frauen.« Es scheint, als brauchte man nur die finanziellen, arbeitsrechtlichen und medizinischen Rahmenbediungungen zu verbessern. Andere Probleme kennt der Feminismus nicht.

Nach und nach verdichtet sich denn auch der Eindruck, dass in der EU eine Legalisierung der Leihmutterschaft bevorsteht. In den meisten EU-Ländern ist sie zwar nach wie vor verboten, aber in einigen Ländern ist die »altruistische« Leihmutterschaft erlaubt, etwa in Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Griechenland, Ungarn, Irland, Lettland und Großbritannien. Das bedeutet, dass die Leihmütter kein Gehalt für ihre Dienste bekommen dürfen. Spanien und Norwegen verbieten die Leihmutterschaft in ihrem Land, aber dulden Leihmutterschaften im Ausland. In der Ukraine und in Russland ist auch die kommerzielle Form erlaubt. Der Markt für Leihmutterschaft blüht außerdem in Indien, Thailand, Südafrika und den USA.

Bis 2014 gab es weltweit ca. fünf Millionen künstlich gezeugte Nachkommen, bei einer Erfolgsquote von nur 20 bis 30 Prozent. Das finanzielle Volumen der Reproduktionsmedizin wird trotzdem von sechs Mrd. Euro (2010) auf bis zu 22 Mrd. Euro im Jahre 2020 anwachsen. Immer häufiger wird die künstliche Befruchtung auch ohne medizinische Indikation in Anspruch genommen. Familienministerin Manuela Schwesig hat die staatliche Co-Finanzierung zum Jahresbeginn 2016 auf unverheiratete Paare ausgedehnt. Damit ist der erste Schritt zur Co-Finanzierung auch bei Singles getan. Das natürliche Recht von Kindern auf beide Elternteile scheint für die weitere Entwicklung keine Rolle zu spielen. Je selbstverständlicher die künstliche Befruchtung wird, desto größer der Druck, die Leihmutterschaft zu liberalisieren. Homosexuellenrechte erweisen sich dafür als idealer Türöffener.

Das ist der Rahmen, in dem die Berichte der belgischen Europa-Abgeordneten Petra De Sutter (Grüne) zur Leihmutterschaft für Aufsehen sorgen – und nicht nur wegen des anstößigen Themas. Privat ist De Sutter transsexuell. Hauptberuflich arbeitet sie als Gynäkologin und Vorsitzende der Abteilung für reproduktive Medizin an der Universitätsklinik Gent – eines von vier belgischen Krankenhäusern, die trotz des nicht vorhandenen rechtlichen Rahmens die Leihmutterschaft praktizieren. Außerdem arbeitet sie nach eigenen Angaben mit dem indischen Unternehmen Seeds of Innocence (»Samen der Unschuld«) zusammen, das Leihmutterschaften ermöglicht. Gewissenskonflikte werden der Abgeordneten De Sutter vermutlich nicht von ungefähr vorgworfen. Ein von ihr erstellter positiver Bericht zur Leihmutterschaft wurde im Oktober 2015 vom Europarat wegen Befangenheit der Berichterstatterin zurückgewiesen.

Bei einer Abstimmung im Januar war die Mehrheit des Gesundheitsausschusses beim Europarat allerdings dagegen, die Doppelrolle der Grünen-Politikerin auf die Tagesordnung zu setzen. In einer Ausschusssitzung im März wurde ein von ihr verfasster Bericht zur Leihmutterschaft wiederum abgelehnt. Da Bericht und Sitzung nicht öffentlich sind, ist nicht bekannt, ob es sich (im Vergleich zu 2015) um denselben oder einen ganz neuen oder nur überarbeiteten Bericht handelte. Im Juni brachte De Sutter noch einmal einen Berichtsentwurf zum Thema Menschenrechte und Leihmutterschaft ein, offenbar eine Art Kompromiss. Diesmal wurde die Diskussion in Straßburg, die für den 21. Juni anberaumt war, kurzfristig verschoben.

De Sutter setzt sich dem Vernehmen nach für europäische Regeln ein, da die Betroffenen andernfalls in andere Länder gingen. Wichtig sei »eine klare Grenze zwischen dem Ersatz von entstandenen Kosten und zusätzlichen Zahlungen an die Leihmutter«, um kommerzielle Leihmutterschaft nicht zu fördern. Sie vertritt also auch die letztlich fiktive Unterscheidung zwischen altruistischer und kommerzieller Leihmutterschaft, die höchstens in sehr seltenen Fällen verwandtschaftlicher Nähe sinnvoll greifen könnte.

Generell lenkt dieses Unterscheidung wie schon in der Debatte um die Suizidbeihilfe vom eigentlichen Problem ab. Sie fragt nicht nach dem Wohl der Leihmütter und nicht nach dem der so ausgetragenen Kinder. Eine an sich problematische, verwerfliche oder unmoralische Leistung wird nicht dadurch besser, dass man sie kostenlos erbringt. Und eine moralisch einwandfreie Leistung wird nicht dadurch fragwürdig, dass sie gegen Entgelt erbracht wird. Brötchen müssen nicht kostenlos abgegeben werden, damit die Beteiligten ein gutes Gewissen haben, und Hehlerware bleibt auch dann Hehlerware, wenn sie verschenkt wird …

Während man in Straßburg die Debatte und die Entscheidung vertagt (das Ergebnis hätte ohnedies noch keine gesetzlich bindende Kraft), sind in diesen Tagen von der Französischen Nationalversammlung zwei Gesetzesvorschläge gegen Leihmutterschaft  mit relativ knapper Merheit abgelehnt worden. Mehr dazu finden Sie hier.

Aber es gibt den Widerstand. Mit erfreulicher Deutlichkeit sprechen sich in Deutschland u.a. die »Christdemokraten für das Leben« gegen die Leihmutterschaft aus. Mit guten Gründen:

  1. Den oft behaupteten Unterschied zwischen »altruistischen« und »kommerziellen« Motiven gibt es im globalen reproduktionsmedizinischen Geschäft nicht.
  2. Überall geht es um sehr viel Geld.
  3. Kinderlosigkeit rechtfertigt nicht das Leid der Leihmütter.
  4. Die kommerzielle Reproduktion macht Frauen zu Instrumenten und Kinder zur Ware.
  5. Ein »Recht« auf Kinder gibt es nicht.
  6. Im Grunde ist die Sache recht einfach.

Foto: flickr.com/Denis Bocquet

 

 

 

 

Kommentare

  1. Ursula Kuhn sagt:

    Zu dem Thema „Leihmutterschaft“ möchte ich noch einen wesentlichen Gesichtspunkt hinzufügen der bisher nicht bedacht wurde .
    So verständlich der Wunsch eines Paares nach einem Kind ist, so weiß es, meiner Meinung nach, nicht wirklich, was durch die „Leihmutterschaft“ geschieht, denn die „Eltern“ rechnen nicht mit der umfassenden Wirkung der Naturgesetzte.
    Wenn nun also die Eizelle einer Frau und der Samen eines Mannes genommen, zusammengeführt und in eine fremde Frau implantiert werden, so wird das Kind äußerlich seinen „Eltern“ gleichen ——- doch seelisch, in seinem Wesen, seiner Art wir es immer der Leihmutter ähnlich sein, es wird immer das Kind der Leihmutter sein!
    Durch Leihmutterschaft wird ein Paar kein „eigenes“ Kind bekommen, es wird die Charaktereigenschaften der Mutter und ihrer Umgebung aufweisen.
    Das hat mit den bisher wenig beachteten, unglaublich lebendigen Naturgesetzten, die ja Schöpfungsgesetzte sind, zu tun. Hier greift das Gesetz der „Anziehung der Gleichart“!
    Zu den vielen Fragwürdigkeiten und Problemen der „Leihmutterschaft“ kommt noch dieser grundsätzliche Irrtum dazu.
    Ein so tiefgreifendes Thema ist in einem kurzen Kommentar natürlich nicht abzuhandeln, gerne gebe ich einem interessierten Leser/in dazu Quellenangaben.

  2. Vanessa sagt:

    Die Leihmutterschaft ist zwar ein recht lukratives Geschäft, aber dieses Verfahren bringt eine Leistung zur Erfüllung des Kinderwunsches von den unfruchtbaren Menschen. Wenn eine Schwangerschaft auf dem natürlichen Weg abgeschlossen ist, sollen ungewollt Kinderlose mit dem Lebenstraum einfach abschließen? Natürlich nicht! Da der Wunsch nach dem Kind den Menschen aus der Natur ausgegeben ist und das Leben ohne Nachwuchs bestimmt nicht vollständig ist.
    Leider sind deutsche Gesetze im Bereich der Fortpflanzungsmedizin viel zu streng, deshalb sollen die kinderlosen Paare nach den USA, Israel oder in die Ukraine fliegen, um zum Kind verholfen zu werden. In diesen Ländern ist vieles möglich und machbar.
    Nach mir soll man auf dem Weg zum eigenen Glück sich um Meinungen von anderen nicht sehr kümmern.

  3. Lena sagt:

    Wie weit darf man gehen, um sich einen Kinderwunsch zu erfüllen? Meine Antwort ist– so weit wie es nur benötigt wäre. Für uns war die Leihmutterschaft in der Ukraine zur letzten Hoffnung und Möglichkeit. Nämlich mit dem zweiten Versuch hat es geklappt, die Leihmutter hat unseren Zwillinge zur Welt gebracht. Unsere lange und steinige Kinderwunsch Geschichte hat also ein glückliches Happy-End gehabt 🙂

  4. Vanessa sagt:

    Wir haben also etwas gemein  Wir ließen uns auch in einem ukrainischen Ki-Wu Zentrum Biotex behandeln. Unsere Leihmutter Swjetlana hat uns das beste Geschenk zum Weihnachten gemacht – unsere liebe Tochter Amelie 🙂 Wir sind also Swjetlana und dem Personal der Biotex Klinik unendlich dankbar!

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