Interview mit Matthias Rahrbach, Biologe und Buchautor: „Der Zusammenbruch von Ehe und Familie kommt langsam, aber sicher“

Frauenquote in Firmenvorständen, Mütter unter Erwerbsdruck, Fremdbetreuung und Ganztagsschule, weibliche Soldaten im Kampfeinsatz: Für eine radikal-feministische Politik, die nicht die natürlichen Geschlechterunterschiede würdigt, sondern auf mathematisch meßbare Ergebnisgleichheit setzt, zahlen Männer wie Frauen am Ende einen hohen Preis. Wir können eben nicht auf Dauer unsere biologische Grundausstattung betrügen, kritisiert der Buchautor und Biologe Matthias Rahrbach und wartet mit ein paar überraschenden Fakten aus der Menschheitsgeschichte auf.

FS: Herr Rahrbach, eine Ihrer zentralen Thesen als Biologe und Unterstützer von Männerrechten ist titelgebend für Ihr Buch „Warum Frauen eben doch nicht benachteiligt sind. Eine Abrechnung mit dem männerfeindlichen Radikalfeminismus“ (2015). Darin weisen Sie nach, wie groß die lenkende Wirkung der sexuellen Macht des weiblichen Geschlechts in der Evolution ist. Liegt Männern der sprichwörtliche Krieg um die Frau – wie er im griechischen Mythos der schönen Helena aufscheint – schlichtweg in den Genen?

Matthias Rahrbach: Dieser Kampf liegt Männern nicht nur in den Genen, sondern sie sind im Prinzip im Körperbau von oben bis unten regelrecht „gezeichnet“ von diesem Konkurrenzkampf, und auch ihr Verhalten ist davon geprägt. Denn warum sind Männer im Durchschnitt größer und stärker als Frauen? Das liegt u.a. daran, dass unter reinen Naturbedingungen die einen Männerkoalitionen die anderen überfallen und ihnen die Frauen wegnehmen. Solche Fälle von Frauenraub sind gut belegt. So haben DNA-Analysen beispielsweise gezeigt, dass die heutige Bevölkerung Islands zu einem Großteil von männlichen Wikingern und weiblichen Kelten abstammt. Wie ein Schriftstück aus dem Mittelalter zeigt, raubten Wikinger auf den britischen Inseln Frauen und verschleppten sie nach Island.

Also waren es am Ende doch die männlichen Wikinger-Krieger, die für die heutige Zusammensetzung der isländischen Bevölkerung verantwortlich sind?

Rahrbach: Nicht ganz. Auch innerhalb einer Männergruppe gab es eine Konkurrenz des männlichen Geschlechts um das weibliche, nicht nur z.B. unter besagten Wikingern, sondern auch unter den Nachfahren dieser Krieger und „ihrer“ Keltinnen. Unabhängig von diesem Beispiel hatten in prähistorischen Zeiten nur die ranghohen Männer Frauen, und Körperkraft, Kampfgeschick, Risikobereitschaft usw. wurden deshalb bei Männern durch einen weitaus schärferen Selektionsdruck gefördert als bei Frauen. Es ist kein Wunder, dass Mannschaftssportarten, bei denen Kraft, Schnelligkeit, Kampfgeist und Koalitionsbildung unter Männchen eine große Rolle spielen, durchweg Männerdomänen sind.

Man beachte allerdings, dass die Konkurrenz der Männchen um die Weibchen im Tierreich und beim Menschen nicht nur dadurch zustande kommt, dass Männchen gegeneinander auf vielfältige Weise um Weibchen kämpfen, sondern auch dadurch, dass Weibchen wählerisch sind. Bei Tier und Mensch sind Weibchen bereits durch ihre Gene darauf programmiert, jeweils das Männchen haben zu wollen, das sie für das beste halten. Unterbewusst möchten sie nämlich, dass möglichst gute Gene an ihren Nachwuchs weitergegeben werden, damit dieser höhere Überlebens- und vor allem Fortpflanzungschancen hat, wovon dann auch die Darwinfitness ihrer Mutter profitiert.

FS: Das klingt ziemlich kompliziert. Alles scheint miteinander verwoben zu sein in der Evolution. Wie kommt die Biologie am Ende zu der Annahme, daß insbesondere die Frauen den Gang der Entwicklung geprägt haben und nicht die Männer, obwohl sie doch bei weitem das aktivere Geschlecht sind?

Rahrbach: Im Detail ist das alles tatsächlich sehr kompliziert, und den Gang der Entwicklung haben natürlich beide Geschlechter geprägt. Jedenfalls ist die Konkurrenz der Männer um die Frauen, um mit dem US-amerikanischen Psychologieprofessor Roy F. Baumeister zu sprechen, wohl die meistunterschätzte Tatsache über die Geschlechter. Eine DNA-Analyse, die ich näher in meinem Buch erkläre, zeigt, dass die heutige Menschheit in etwa zu zwei Dritteln von Frauen und nur zu einem Drittel von Männern abstammt. Es haben sich also in der Menschheitsgeschichte rund doppelt so viele Frauen wie Männer überhaupt fortgepflanzt. Diese Konkurrenz spricht nicht nur gegen die pauschale Annahme, Frauen seien benachteiligt, sondern sie ist eine der großen Ursachen für Geschlechtsunterschiede in Körperbau und Verhalten sowie für Geschlechterkonflikte.

FS: Demographische Erhebungen stützen die These von einer „Krise der Männlichkeit“: Im Vergleich zu Frauen ist die Suizidquote von Männern dreimal höher. Pädagogen und Psychologen kritisieren die systematische Benachteiligung von Jungen in einem durchfeminisierten Bildungssystem. Sowohl im westlichen Teil der Welt wie auch in ostasiatischen Gesellschaften ist eine stark rückläufige Heiratstendenz von Männern zu beobachten – bekannt als „Sex Recession“. Wie bewerten Sie diese beunruhigende Entwicklung?

Die stark rückläufige Heiratstendenz, auch die Rückläufigkeit von stabilen, langfristigen Partnerschaften und der Geburtenrückgang haben eine ganze Reihe von Gründen. Ein wichtiger Grund ist, dass junge Männer immer häufiger die Verlierer im Bildungssystem und im Beruf sind. Die Ursachen dafür sind aus meiner Sicht nicht nur im Feminismus zu finden, er spielt hierbei aber schon eine entscheidende Rolle. Viele Feministinnen wollten es den Jungen schwerer machen, damit es die Mädchen leichter haben. Die Mädchen haben es aber nicht leichter: Es ist für sie schwerer geworden, einen Mann zu finden, der sich langfristig an sie binden will, der heiratswillig ist und eine Familie gründen will und dies auch beruflich und finanziell kann.

FS: Heißt das, die Konkurrenz um das andere Geschlecht ist zum Kampf der Frauen um den Mann, um „Mr. Right“ geworden?

Rahrbach: Teils ja. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dies widerspreche meiner zentralen These von der Konkurrenz der Männer um die Frauen. Das tut es aber nicht: Denn diese Konkurrenz wird ja im Volk gerade dadurch stärker, dass die lebenslange Einehe aus vielerlei Gründen immer seltener wird. Bei den Männern führt das zu einer Polarisierung in Gewinner und Verlierer. Die einen kommen dadurch immer schwerer oder gar nicht an eine Sex- und Beziehungspartnerin, die anderen, nämlich die attraktiven, umso leichter. Frauen dagegen kommen an Sex sehr leicht, besonders an richtig attraktive Sexpartner leichter als früher. Doch an langfristige Beziehungspartner mit Heiratsabsicht und Kinderwunsch kommen sie in vielen Fällen schwerer, vor allem an solche Beziehungspartner, die selbst eine erhebliche Attraktivität haben und immer wieder leicht neue Partnerinnen für sich gewinnen. Die Frauen glauben dann oft, sie selbst konkurrierten mehr um Männer als umgekehrt. Doch tatsächlich führt die Konkurrenz der Männer um die Frauen gerade dazu, dass Frauen immer schwerer einen dauerhaften Partner für sich gewinnen können. Im Endergebnis ist der langsame, aber sichere Zusammenbruch von Ehe, Familie und Geburtenraten keine männliche und keine weibliche, sondern eine gesamtgesellschaftliche Krise. Ich fürchte, das wird teuer.

FS: Die US-amerikanische Psychologin Helen Smith, die sich als Therapeutin mit den Sorgen tausender Männer auseinandergesetzt hat, glaubt nicht, daß Männer sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung ziehen, weil sie angesichts des gesellschaftspolitischen Drucks der feministischen Bewegung in ihrer Geschlechtsrolle verunsichert werden. Vielmehr sei dieser Rückzug mit rationalen Argumenten zu erklären: Wieso sollte Mann noch heiraten und hart arbeiten, wenn er nach der Scheidung alles verliert und fortan am Rande der Armut existieren muss? Wieso sollte er das Risiko eingehen, potentielle Heiratskandidatinnen kennenzulernen, wenn er – im günstigen Fall – abserviert oder aber – im weniger günstigen Fall – wegen sexueller Belästigung angezeigt wird?

Rahrbach: Alleine das Risiko, Frau und Kinder durch eine Scheidung zu verlieren, dabei die eigenen Kinder oft nicht mehr sehen zu dürfen, aber evtl. für alles zahlen zu müssen, ist ein wichtiger Grund dafür, dass sich viele Männer darauf nicht mehr einlassen wollen. Man kennt immer mehr Fälle von Männern, die trotz mehrerer gemeinsamer Kinder von ihrer Frau verlassen wurden. Dazu machen viele junge Männer auf einem Partnermarkt, der vom Hire-and-Fire-Prinzip regiert wird, schlechte Erfahrungen mit Frauen und die umgekehrt mit Männern. Die Beziehungsfähigkeit ist bei beiden Geschlechtern nicht mehr besonders hoch, und beide Seiten machen negative Erfahrungen mit dem jeweils anderen Geschlecht und trauen ihm dann nicht mehr besonders. Der Mann, der keine abkriegt, egal, was er dafür versucht, wird genauso immer häufiger wie der, der schlechte Erfahrungen mit Partnerinnen macht. Beide sparen sich die Mühe dann irgendwann, um Risiken zu vermeiden und weil sie es dann sogar besser haben, wenn sie es gar nicht mehr versuchen. Die Frau dagegen hat immer häufiger das Problem, dass sie dann keinen geeigneten Ehemann und Vater ihrer geplanten Kinder findet. Zum einen muss er ja beruflich und finanziell dafür geeignet sein, zum anderen wollen Frauen von Natur aus meistens einen statushohen Mann haben, nicht einen, der weniger gebildet ist als sie selbst.

FS: In den letzten Jahren hat sich eine neue, bislang weniger lautstarke Minderheitenbewegung auf den Weg gemacht, ihre „Rechte“ politisch einzuklagen: die Gemeinde der Transsexuellen und Transgeschlechtlichen. Ihre Anhänger sprechen vom Geschlecht als etwas Fluides, nicht genau Abgegrenztes. Jeder sei Mann und Frau gleichzeitig. Könnte die Lösung der Geschlechterkrise tatsächlich so einfach sein? Man löst das Geschlecht in eine neue Art fließendes Neutrum auf, wie es die Trans-Bewegung und Gender-Soziologen insinuieren?

Rahrbach: Das ist sicherlich keine Lösung, da man sich damit selbst etwas vormacht. Ein transsexueller Mann ist biologisch gesehen ein Mann und eine transsexuelle Frau eine Frau. Daran lässt sich nicht wirklich etwas ändern. Greift man chirurgisch und hormonell ein, ist dies keineswegs eine wirkliche Geschlechtsumwandlung. Am Chromosomensatz kann man damit nichts ändern, der bleibt in jeder einzelnen Zelle gleich. Mit Hormongaben kann man zwar einen Einfluss auf die Genexpression ausüben, also dahingehend, dass mehr „weibliche“ Gene im Mann bzw. „männliche“ in der Frau aktiv werden, allerdings glaube ich nicht, dass die Genexpression dann so wird wie in einem von Geburt an biologischen Mann bzw. einer Frau.

FS: Sie meinen, diese Menschen können ihren eigenen Körper betrügen, aber nicht ihre Gene?

Rahrbach: Selbst wenn: Menschen haben eine Embryonalentwicklung hinter sich. Während dieser Entwicklungsphase wird durch die geschlechtsspezifische Genexpression eine Menge irreversibler Fakten geschaffen, sowohl körperlich als auch im Verhalten. Okay: Wenn ein Transsexueller mit OP und dauerhaften Hormongaben glücklicher ist, kann er das ja haben. Die Frage ist nur, wie viele von ihnen solche Eingriffe bereuen, mit denen ja auch wieder Fakten geschaffen werden, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Die Frage ist auch, ob man Minderjährige umoperieren sollte, ihre Pubertät mit Hormonen unterdrücken oder sonstwie beeinflussen sollte, obwohl sie vorher nicht wissen können, ob sie damit glücklicher werden. Ein Transsexueller kann vielleicht auch ohne chirurgische und hormonelle Behandlung glücklich werden und seine Neigungen ausleben. Es gibt jedenfalls keinen Grund, den Begriff „Geschlecht“ für Transsexuelle, aber auch Homo- und Intersexuelle aufzuweichen oder umzudefinieren. Homo- und Transsexuelle sind richtige Männer und Frauen, die eben die sexuelle Orientierung des jeweils anderen Geschlechts haben bzw. glauben, im Körper des „falschen“ Geschlechts zu stecken. Transsexuelle können meines Erachtens aber nicht wissen, wie es sich wirklich anfühlt, zum anderen Geschlecht zu gehören.

FS: Was ist mit Intersexuellen, also jenen Menschen, die aufgrund einer abweichenden Entwicklung der Geschlechtschromosomen, bereits mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kommen? Liegt hier tatsächlich ein biologisch „drittes Geschlecht“ vor?

Rahrbach: Intersexuelle können zwar nicht einem der beiden Geschlechter zugeordnet werden. Sie sind aber kein eigenständiges Geschlecht. Sie weisen körperlich hinsichtlich der Ausprägung des Geschlechts eben Abweichungen vom üblichen „Bauplan“ auf. Begriffe wie „Abweichungen vom üblichen Bauplan“ sind nicht wertend, sondern rein deskriptiv gemeint. Wenn man z.B. sagt: „Ein Mensch, der blind auf die Welt kommt, weist in der Hinsicht eine ‚Auffälligkeit‘ auf“, hat man ja auch nichts gegen ihn gesagt. Ein vollwertiger Mensch ist er genau wie jeder andere. Mit den Rechten der Homo-, Trans- und Intersexuellen haben diese biologischen Argumente und Definitionen übrigens auch nichts zu tun. Das Ändern etablierter biologischer Definitionen bringt niemandem einen Nutzen. Letztlich kommt es in der Gesellschaft darauf an, respektvoll miteinander umzugehen.

FS: Herr Rahrbach, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Kommentare

  1. Andreas sagt:

    Sehr zu empfehlen ist auch das Buch „Traumpartner – Evolutionspsychologische Aspekte der Partnerwahl“ von dem Evolutionspsychologen Andreas Hejj – zu dem Thema !!
    Vom Springer Verlag, © 1996.

  2. Thomas sagt:

    Dieser Text verfehlt das Thema: Die Liebe. Nur sie ist der wahre Grund zu heiraten und Kinder zu zeugen. Das Weltbild dieses Textes hingegen basiert auf der Evolutionsreligion und stellt ein großes Plädoyer für den Nihilismus, die Zerstörung aller Werte dar, indem er das Höchste und Wertvollste auf materielle, genetische Prozesse zu reduzieren versucht. Wenn das wahr wäre, was hier über Mann und Frau gelehrt wird, dass alles Seelenleben und die Liebe nur genetische Programme wären und es nur um Kampf, Konkurrenz, Ausmerzen und Geneverbreiten ginge, dann würde sich niemand dafür entscheiden, zu lieben.

    Der Autor müsste demnach seiner Frau sagen, dass er sie nur deshalb geheiratet hat, weil er damit seinen Genen einen Verbreitungsvorteil sichern will. Das Wort „Ich liebe Dich“ kann er nicht ehrlich aussprechen.

    Auch müsste er folgern, dass er eben jenen Text nur deshalb geschrieben hat, weil letztlich seine Gene ihn dazu programmiert haben. Wie kann er dann den Anspruch erheben, eine freie und rationale Argumentation zu führen, die Grundbedingung echter Wissenschaft?

    Das düstere Menschenbild, das hier unter dem Vorwand einer angeblichen „Wissenschaft“ verkündet wird, ist der eigentliche Grund für die Zerstörung der Liebe und damit von Ehe und Familie.

  3. Tom sagt:

    Von den vielen Fällen, wo sich Jungs erst einmal über eine dritte Toilette in ihrer Schule wundern, dann entdecken, dass sie damit Aufmerksamkeit auf sich lenken können, wenn sie diese benutzen und behaupten, sie hätten sich noch nicht entschieden, ob sie Bub oder Mädchen sein wollen, lese ich nirgends!

    Die Achtung in ihrer Klasse steigt dann ziemlch an endlich, mit 10 oder 12 Jahren bekommen die dann bestmögliche medizinische, staatlich bezahlte Beratung samt Hormongaben und mit 18 oder 19 dann den Pimmel ab. Verstümmelt. Fortan weder zeugungsfähig noch geburtsfähig.
    Armes Deutschland, scheint ja mehr Interesse an so einer Perversion zu haben als an einer reproduktiven Geburtenrate? Oder wie oder was ?
    Lebe ich hier in einem Irrenhaus ?

  4. Ulrich Senoner sagt:

    Ich weiß nicht wie und warum. Ich stelle fest, es ist dem „deutschen mainstream“ gelungen den eigenen Leuten den Verstand zu nehmen und sich das „Herz“, die Fähigkeit zu lieben, nehmen zu lassen.

    Anstatt dessen, glauben viele dem Wahn und hängen verschiedenen Ideologien an. Hat das mit dem zu hohen Stellenwert der Wirtschaft was zu tun? Der materiellen Angst und dem Verlust der Gotteserkenntnis?

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