„Die aktuelle Schwangerenberatung ist nichts anderes als der Tod auf Bestellung“

Sven von Storch ist der Leiter der bürgerschaftlichen Initiative Zivile Allianz e.V. und erfahrener Bundestagsexperte. Gegenüber dem Familien-Schutz äußert er sich zu den politischen Hintergründen der pandemiebedingten Ausnahmeregelung zur Schwangerenberatung und sprach über seine Befürchtungen für den Lebensschutz.

Familien-Schutz: Herr von Storch, wenige Tage nach dem Lockdown im März hat die Bundesfamilienministerin verfügt, die Beratungspflicht für Frauen mit Konfliktschwangerschaften aufzuweichen. Frauen bekommen den Beratungsschein – de facto die Tötungserlaubnis für ihr ungeborenes Kind – komfortabel per Post nach Hause geschickt. Zuvor können sie das verpflichtende Beratungsgespräch via Telefon oder Video-Gespräch absolvieren und müssen sich nicht mehr persönlich in der Beratungsstelle vorstellen. Betrachten Sie diese Regelung als Warnsignal?

Sven von Storch: Absolut. Man muss wissen, daß die Beratungspflicht das letzte dürftige Hindernis darstellt, das die Ungeborenen vor dem Tod durch Abtreibung schützt – eingebettet in ein hoffnungslos widersprüchliches Regelungskonstrukt. Eine Frau, die sich zur Abtreibung entscheidet, aus welchen Gründen auch immer, beendet das Leben ihres ungeborenen Kindes. Mit der pandemiebedingten Ausnahmeregelung macht Ministerin Giffey die existentiellste aller Entscheidungen – die Wahl zwischen Leben und Sterben – zu einer Nebensächlichkeit, die jetzt mal eben so am Telefon abgewickelt werden kann wie eine Einladung zum Bewerbungsgespräch. Eine banale Gehaltsverhandlung hat nach diesem Kriterium mehr Gewicht als so ein kontaktloser, gefühlsarmer Austausch zwischen der schwangeren Frau und ihrer gesichtslosen Beraterin. Giffeys Krisenregelung zur Schwangerenberatung ist nichts anderes als der Tod auf Bestellung.

Familien-Schutz: Zuvor hatte die Abtreibungslobby massiv Druck ausgeübt. Glauben Sie, daß eine Rückkehr zum Status quo vor Corona – die persönliche Beratung vor Ort – überhaupt noch möglich ist?

Sven von Storch: Es war natürlich zu erwarten, daß die Krise von der interessierten Lobby – von pro familia, der verurteilten Allgemeinärztin Kristina Hänel und der Abtreibungsinitiative Doctors für Choice genutzt wird – um öffentlichkeitswirksam von einer dringlichen Notlage für schwangere Frauen zu phantasieren. Die Corona-Krise bot ihnen eine Steilvorlage, um die rechtswidrige Abtreibung umfassend zu erleichtern. Keine dieser Herrschaften konnte Belege für ihre Behauptungen erbringen. Trotzdem reagierte die Bundesfamilienministerin prompt auf deren Forderungen. Die mit der Abtreibungslobby verbündeten Fraktionen von Linke und Grünen begehrten dann ganz offen, die Beratungspflicht auszusetzen und den Tötungsoperationen den Status „systemrelevant“ zu geben. Ihr Antrag im Bundestag war die schriftliche Aufforderung, die Verfassung zu brechen. Glücklicherweise wurde sie in letzter Minute von den übrigen Parteien im Familienausschuss abgeschmettert. Die skandalöse Regelung, die Beratung telefonisch durchführen zu können, blieb dagegen unangetastet und ist immer noch in Kraft.

Natürlich gilt: Mit jedem Tag, an dem die telefonische Beratungsmöglichkeit weiter andauert, wächst die Gefahr, daß sich diese Praxis dauerhaft etabliert. Ministerin Giffey scheint es jedenfalls nicht eilig zu haben mit der Rücknahme ihrer Ausnahme. Man wird sehen, ob sie bereit ist, der Abtreibungslobby noch weitere Zugeständnisse zu machen.

Familien-Schutz: Herr von Storch, die Corona-Pandemie hat das Thema Lebensschutz – so scheint es – ganz nach oben auf die politische Agenda gespült. Dazu schrieb der stellvertretende Chefredakteur der Welt vor einigen Wochen die bemerkenswerten Sätze: „Gerade wer die Meinung teilt, dass Leben ein absoluter Wert ist, staunt in diesen Tagen. Er hat plötzlich überall Mitstreiter! Neulich, als das Verfassungsgericht das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe kippte, hatte man gar nichts von ihnen gehört.“

Sven von Storch: Das Lebensschutz-Argument, das viele jetzt im Munde führen, mutet nicht nur vor dem Hintergrund der legalisierten Sterbehilfe unredlich an. Beim Thema Abtreibung ist es geradezu verlogen. Jedes Leben ist gleichermaßen zu würdigen und zu schützen: am Anfang wie in der Mitte und am Ende. Das mit dem Anfang unterschlagen allzuviele hochmoralische Wortführer für den Schutz unserer Alten dann aber geflissentlich, wenn es darauf ankommt. Dieselben Menschen, die gestern noch für das angebliche Recht der Frau eintraten, ihr Kind im Bauch legal zerstückeln zu lassen, reagieren heute empört, wenn andere Menschen für ihre Freiheitsrechte demonstrieren gehen.

Dann liest man gehässige Kommentare, daß derjenige, dem die Einschränkungen nicht passen, doch eine Verfügung unterzeichnen soll, im Erkrankungsfall auf das Beatmungsgerät zu verzichten. Während für die Rettung multimorbider Menschen am Ende ihres Lebens die Gesellschaft plötzlich gewillt ist, jeden Preis zu zahlen bis zur massenhaften Wohlstandsvernichtung und des Ruins der Wirtschaft für unabsehbare Zeit, gilt die millionenfache Tötung der Ungeborenen uns als akzeptabler Kollateralschaden zum Wohle des feministischen Fortschritts. Das ist doch schizophren! Aber viele Menschen haben sich leider an diese unsäglich verkürzten, scheinheiligen Debatten so sehr gewöhnt, daß ihnen diese klaffenden Widersprüche kaum noch auffallen.

Familien-Schutz: Glauben Sie, die Konjunktur, die die Lebensschutz-Debatte aktuell feiert, von Dauer sein wird?

Sven von Storch: Es ist selbstverständlich zu begrüßen, daß die ethische Prämisse des Lebensschutzes wieder ins gesellschaftliche Blickfeld rückt. Es wird sich zeigen, ob der pandemiebedingte Diskurs über den Lebensschutz die Pandemie selbst überlebt. Er schwebt jetzt wie eine Art blaue Luft über uns, ich denke aber, ohne – kurzfristig spürbare – Folgen oder gar gesellschaftspolitische Konsequenzen zu zeitigen. Vieles daran ist nur Mode, so kurzlebig wie die überraschend warmen Worte, die die Medien aktuell für die Familie als Keimzelle der Gesellschaft übrig haben. Diese Modeerscheinung wird verschwinden, sobald die angeblichen „Mitstreiter“ des Lebensschutzes keinen moralischen Vorteil mehr aus ihrer Position ziehen und sich allgemein das Leben wieder normalisiert.

Trotzdem liegt das Positive auf der Hand. Denn das Tragen des Mundschutzes verstehen jetzt viele Menschen gewissermaßen als das sichtbare Bekenntnis zum Lebensschutz. Der Träger der Maske signalisiert: Ich schütze zuerst dich, nicht mich selbst. Man sollte das nicht überbewerten, denn spätestens, wenn die Schutzmasken verschwinden, wird sich auch der Lebensschutzgedanke, der dahinter stand, bei vielen verflüchtigen. Aber ich hege die Hoffnung, daß mit der Pandemie ein neues Nachdenken über den Wert des Lebens an sich eingesetzt hat. Die globale Krise hat weltweit eine verschüttete Saite in der Gesellschaft zum Klingen gebracht, deren Schwingungen, wenn auch leiser, noch eine Weile zu spüren sein werden. Und das schafft doch eine gute Ausgangsbasis für all diejenigen, die sich für eine familien- und lebensbejahende Trendwende in der Politik einsetzen.

Kommentare

  1. Gerhard Frings sagt:

    Die Grünen sind für Umweltschutz,
    für Tierschutz,
    Warum nicht für den Schutz für das
    menschliche Leben von derZeugung
    bis zum narürlichen Tod ?
    Völlig unverständlich,
    niemals wählbar!!! Unlogisch!!!

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