Risiko Fremdbetreuung: 74 Prozent aller Kita-Kinder sind mangelhaft untergebracht

Für die meisten Kinder ist staatliche Fremdbetreuung ein Risiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Qualitätsstudie der Bertelsmann Stiftung. Knapp Dreiviertel aller Kita-Kinder sind demnach mangelhaft untergebracht und werden von zu wenig Erziehern betreut.

Kitas, Kitas und noch mehr Kitas: Der Ausbau der staatlichen Fremdbetreuung um jeden Preis ist das Hätschelkind der Bundesregierung. Egal, wie klamm die Kassenlage, dorthin fließen regelmäßig die Steuermilliarden. Im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets hat der Bund gerade wieder eine Milliarde Euro für den weiteren Ausbau der Kindertagesbetreuung genehmigt.

Eine aktuelle Qualitätsstudie der Bertelsmann-Stiftung kommt Bundesfamilienministerin Giffey da höchst ungelegen. Denn die Studie bescheinigt der Bundesregierung durchweg schlechtes Handwerk in der flächendeckenden Verstaatlichung der Kinderbetreuung. Gerade mal für 16 Prozent der Kita-Kinder erachten die Autoren der Studie zufriedenstellende Bedingungen, alle anderen seien jedoch mangelhaft untergebracht in den öffentlichen Krippen und Kindergärten. In Zahlen ausgedrückt: Von insgesamt 1,7 Millionen fremdbetreuten Kindern betrifft das vernichtende Urteil der Bildungsexperten die Unterbringungsbedingungen von ganzen 1,2 Millionen Kita-Kindern. Am gravierendsten wirkt sich der notorische Mangel an Personal auf die Entwicklungschancen der Kinder aus. Diese werden von zu wenig Personal in zu großen Gruppen betreut.

Wir sind weit davon entfernt zu sagen, daß ein Kind in der Kita immer besser aufgehoben ist als zu Hause“, wird die Bertelsmann-Bildungsexpertin Anette Stein im entsprechenden Welt-Bericht zitiert. Für eine gute pädagogische Arbeit reiche das Personal nicht aus. Stein warnt vor einer drohenden Kollektivierung der Kinder in flächendeckend unzureichend ausgestatteten Einrichtungen.

Am schlimmsten erweist sich die Situation in den östlichen Bundesländern. 93 Prozent der Kinder litten dort unter Personalmangel. Zu wenig Personal bedeutet umgekehrt, daß eine lückenlose Aufsicht nicht mehr sicher gestellt werden kann. Wenn eine Erzieherin durchschnittlich 6 Krippenkinder zwischen 0 und 3 Jahren betreuen muss wie im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, erhöht sich das Risiko signifikant für die Kinder, sich zu verletzen oder zu verunfallen.

Wo Erzieher fehlen, leidet die pädagogische Arbeit. Die von der Politik vollmundig beworbene »frühkindliche Bildung«, die Erzieher leisten sollen, sinkt zur banalen Beaufsichtigung der Kinder herab. Statt zu fördern, werden die Kinder an deutschen Kitas lediglich verwahrt. Manche Kinder, so lautet die bemerkenswerte Pointe der Welt-Redaktion, seien zuhause einfach besser aufgehoben.

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