Sterbehilfe in Frankreich: Michel Houellebecq bekennt sich zum Lebensschutz

In Frankreich ist eine Debatte über Sterbehilfe entbrannt. Darin bekannte sich der Schriftsteller Michel Houellebecq als Lebensschützer. Eine Gesellschaft, die Euthanasie legalisiere, verliere jedes Recht auf Respekt, schrieb der weltberühmte Autor im »Figaro«.

In der französischen Tageszeitung »Le Figaro« veröffentlichte Michel Houellebecq eine flammende Stellungnahme für den Lebensschutz. Der medizinische Fortschritt ist soweit gekommen, selbst schwerste Schmerzen erträglich zu machen. Die Würde des Menschen verbindet sich mit dem Leben, schreibt Houellebecq, nicht mit dem Tod. Das Mitleid, das die Fürsprecher des assistierten Suizids zu Felde führen, sei nichts weiter als eine Lüge.

In seinem Gastbeitrag für die Tagespost beschreibt der Historiker David Engels Houellebecqs luzide und gleichzeitig radikal lebensbejahende Argumentation. Die wahren Interessen am schnellen Ableben der Alten lägen Houellebecq zufolge zum einen im schnöden Interesse der Nachkommen am Erbe, zum anderen am Interesse des Staats, die hohen Pflegekosten der betagten Menschen zu senken. Gleichzeitig analysiert Houellebecq schonungslos die aussichtslose Lage, in der sich die Befürworter des Lebensschutzes befinden. Er weiß, daß der zu erwartende Widerspruch der katholischen Kirche lächerlich gemacht, während der von jüdischer, muslimischer wie buddhistischer Seite totgeschwiegen werden wird. Die Opposition der Ärzte, die sich durch den offenen Bruch mit dem hippokratischen Eid in Bedrängnis sehen, betrachtet der Schriftsteller als »Rückzugsgefechte«.

Diese Rückzugsgefechte haben sich erledigt in dem Moment, in dem der gesellschaftspolitische Druck durch die Medien und opportunistische Wortführer der Parteien übermächtig wird. Daraus zieht Houellebecq eine radikale Konsequenz, wie David Engels schreibt: »Ich werde hier sehr explizit sein müssen: Wenn es mit einem Land – einer Gesellschaft, einer Zivilisation – so weit ist, dass es die Euthanasie legalisiert, verliert es in meinen Augen jegliches Anrecht auf Respekt. Es wird daher nicht nur legitim, sondern sogar wünschenswert, es zu vernichten, damit etwas anderes – ein anderes Land, eine andere Gesellschaft, eine andere Zivilisation – die Möglichkeit hat, an ihre Stelle zu treten.«

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