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Beitrag ursprünglich erschienen bei Freie Welt
Jens Spahn tritt als Unionsfraktionsvorsitzender zurück, weil er und sein Mann ein Kind über eine Leihmutter in den USA bekommen haben. Und das als Fraktionschef einer Partei, die Leihmutterschaft abgelehnt hat. Er bleibt Abgeordneter und fällt weich.
Am Samstag (18. Juli 2026) gab Jens Spahn seinen Rücktritt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bekannt. In einem Schreiben an die Fraktionsmitglieder begründet er den Schritt mit dem Vorrang seiner Familie. Der öffentliche und parteiinterne Druck nach Bekanntwerden der Vaterschaft durch eine US-Leihmutter war zu stark geworden. Selbst Friedrich Merz nannte den Rücktritt „richtig und unvermeidlich“.
Spahn geriet in eine Welle der Kritik. Die Union hatte nämlich die Leihmutterschaft stets als ethisch problematisch und mit dem Kindeswohl unvereinbar abgelehnt. Nun traf es einen der eigenen Spitzenpolitiker.
Doppelmoral: Privatleben versus Parteilinie
Spahn und sein Ehemann hatten sich ein Kind im Ausland austragen lassen, wo Leihmutterschaft legal ist. In Deutschland bleibt dies verboten, und zwar auch auf Druck konservativer Kräfte in der Union! Der Fall wirft ein grelles Licht auf die Kluft zwischen privater Lebensgestaltung und öffentlicher Haltung.
Kritiker innerhalb und außerhalb der Partei werfen Spahn vor, die eigenen moralischen Maßstäbe zu ignorieren, wenn sie ihn persönlich betreffen. Landesverbände der Frauen Union und einzelne CDU-Politiker forderten bereits vor dem Rücktritt Konsequenzen. Der Fraktionsrückhalt bröckelte rapide.
Doppelmoral als Markenzeichen der Union
Der Rücktritt offenbart eine tiefe Doppelmoral in der Union. Jahrelang predigte man Werte wie Familie, Kindeswohl und klare ethische Grenzen. Als es jedoch um einen prominenten, offen homosexuellen Parteikollegen ging, zeigte sich, wie flexibel diese Prinzipien plötzlich wurden. Zunächst gab es Gratulationen aus Teilen der Partei. Dann folgte der Rückzug, als der Druck zunahm. Merz distanzierte sich schließlich deutlich und betonte die Glaubwürdigkeit der Politik. Diese Wende wirkt opportunistisch. Die Union scheint weniger an konsequenter Ethik interessiert als daran, Skandale schnell einzudämmen, um Wähler nicht zu verlieren.
Spahns Umgang mit der eigenen Situation unterstreicht ein Muster: Regeln gelten für andere, Ausnahmen für die eigene Lebensrealität.
Diese Haltung schadet nicht nur der persönlichen Glaubwürdigkeit, sondern seiner eigenen Partei, die ohnehin hinsichtlich ihrer Popularität und Glaubwürdigkeit einen Negativ-Rekord nach dem anderen einholt.
Folgen für die CDU: Partei auf dem Sinkflug
Der Rücktritt kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt. Der Verlust des Fraktionschefs zwingt zu personellen Umbauten. Gleichzeitig entfacht die Affäre eine neue Debatte über die Regulierung von Leihmutterschaft in Deutschland.
Für Spahn selbst ist die Karriere damit nicht beendet, er sitzt noch im Bundestag und bezieht weiterhin Diäten.
Jens Spahns Rücktritt ist mehr als ein Personalwechsel. Er ist ein Symptom für die Doppelmoral in der Unions-Politik. Wer Werte vertritt, muss sie auch leben.









