Beitrag ursprünglich erschienen bei Freie Welt
Foto: Screenshot Youtube/DW Deutsch
Dr. Ingeborg Kraus ist promovierte Psychologische Psychotherapeutin und Traumatherapeutin mit langjähriger Praxis in Karlsruhe. Sie hat sich auf Psychotraumatologie spezialisiert, engagiert sich seit Jahren gegen Prostitution (als Abolitionistin) und beschreibt sich selbst als linke, weltoffene Feministin, grüne Feministin sowie Antispeziesistin.
In den vergangenen Jahren hat sie sich öffentlich kritisch mit dem Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) auseinandergesetzt, das sie als Psychotherapeutin vehement ablehnt.
In ihrem Text aus dem Jahr 2024 – der auch 2026 weiterhin hochaktuell bleibt – schildert sie aus ihrer über 12-jährigen Praxiserfahrung mit rund 900 Patientinnen die Realitäten, denen sie bei transidenten Personen begegnet ist. Sie betont, dass das Gesetz die Rechte der großen Mehrheit (99,5 %) der Bevölkerung zugunsten einer kleinen Minderheit einschränke und wissenschaftlich nicht haltbar sei.
Psychisches Leid trotz oder wegen Transition – Fallbeispiele aus der Praxis
Bei einem „Transmann“ wurde auf Wunsch eine Mastektomie durchgeführt. Nach der Operation kam die Person in Therapie:
„Er war mit dem Resultat nicht zufrieden und bereute diese Operation sehr. Außerdem verstand er sich nicht mehr als Transmann, aber auch nicht als Frau. Als jemand dazwischen. Warum habe er dann diesen Prozess eingeleitet, fragte ich ihn? Sie (damals ein Teenager Mädchen) hatte eine zu enge Bindung zu ihrer Mutter. Die Transition zum Mann, als sie volljährig wurde, habe ihr geholfen einen Abstand zu ihr zu finden.“
Eine weitere Person, eine Transfrau, suchte Kraus auf, weil sie eine Bescheinigung für die operative Umwandlung des Penis in eine Neo-Vagina benötigte:
„Sie habe in der Tat in Trans-Foren die Erfahrungsberichte von Transfrauen gelesen, die so eine Operation vollzogen hätten. Die aller meisten seien unzufrieden danach gewesen, sagte die Patientin. Es habe oft zu Komplikationen geführt und viele berichteten über unangenehme Gerüche aus der ‚Scheide‘. Eine Bescheinigung für so eine Operation konnte ich ihr nicht ausstellen. Ich bot ihr jedoch an, sie in ihren Alltagsproblemen als Transfrau zu begleiten und sie darin zu stärken. Das interessierte sie nicht.“
Meist steht eine traumatische Kindheit hinter dem Transitionswunsch
Ein weiterer „Transmann“ hatte die vollständige operative Transition inklusive Penis-Implantat hinter sich, berichtet Kraus weiter aus ihrer Praxis:
„… und kam zu mir in Behandlung mit der Diagnose einer schweren Depression. Über 10 Operationen waren dafür notwendig und Schmerzen hatte er immer noch nach Jahren! Er war mit dem Resultat nicht zufrieden und war durch die Schmerzen in seiner Leistungsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Seine Kindheit war von traumatischen Erlebnissen geprägt, die er therapeutisch nie aufgearbeitet hatte.“
Kraus betont:
„Transmenschen wird zu schnell vorgegaukelt, dass sich ihre Probleme mit einer Operation lösen würden. Dem ist leider nicht so!“
Viele transidente Menschen litten trotz Transition unter chronischen Depressionen ein Leben lang. Häufig drückten sie seelisches Leid körperlich aus – ein bekanntes Muster in der Traumatherapie. Sie fragt, „ob das Gefühl, dem anderen Geschlecht zugehörig zu sein, die Verstümmelung von gesunden Organen und die damit oft verbundenen körperlichen Schäden (Schmerzen, Inkontinenz, Sterilität, Leistungseinbruch,…), rechtfertigt.“
Absurde medizinische Praktiken – Das Beispiel der Gynäkologin
Kraus schildert ein besonders absurdes Gespräch mit ihrer Gynäkologin:
„Ich fragte vor kurzem meine Gynäkologin, ob Transfrauen zu ihr kämen. Sie sagte ja, und sie würde bei ihnen auch Gebärmutterhalskrebs-Tests durchführen und ins Labor schicken. Solche Tests sind völlig absurd, weil eine Neo-Vagina keine Vagina ist und deswegen auch keine Gebärmutter hat. Meine Gynäkologin bestätigte das. Sie meinte, es sei jedoch für die Psyche dieser Transfrauen wichtig. Es werden also schon jetzt bewusst völlig nutzlose medizinische Untersuchungen durchgeführt und bezahlt, nur für die Psyche von Transfrauen. Geht das dem neuesten Stand der Wissenschaft nach?“
Systematische Einschüchterung und Gewaltbereitschaft der Trans-Aktivisten-Szene
Kraus beschreibt den Aktivismus als „äußerst aggressiv, systematisch und extrem“:
„Eine Diskussion lassen sie nicht zu. Dieser Trans-Aktivismus droht mit Mord, ruft zu Mord auf, beschimpft Frauen, beleidigt sie, ruft zu Gewalt gegen Frauen auf, nimmt sich das Recht Frauenräume zu besetzen und sich dann als Opfer darzustellen, wenn eine Frau sich deswegen beschwert. Sie zeigen Ärzte und Psychotherapeutinnen bei ihrer Berufskammer an, die nicht ihrer Auffassung sind, um ein Berufsverbot zu erwirken.“
Sie nennt J.K. Rowling als Beispiel:
„Die Schriftstellerin J.K. Rowling hat mittlerweile über 100 Morddrohungen von der Transaktivisten-Szene erhalten, nur weil sie es in Frage gestellt hat sich als Frau nicht mehr als Frau bezeichnen zu dürfen, sondern als blutendes Wesen oder austragende Person.“
Kritikerinnen würden systematisch als „TERF“ und „faschistisch“ diffamiert bis hin zum Mordaufruf
„Man ist schon eine TERF, wenn man sagt, dass man weiterhin Frauen-Treffen haben möchte und nicht FLINTA-Treffen, oder weiterhin auf Frauentoiletten besteht. Wenn man eine TERF ist, dann ist Gewalt gegen diese Frau erlaubt. Man darf sie öffentlich als faschistoid bezeichnen oder (sexuelle) Gewalt gegen TERFs aufrufen, so wie ‚TERFs can suck my huge Trans Cock‘, ‚Punch the TERF‘ oder ‚Kill the TERF‘, etc.. Mit solchen Plakaten marschieren mittelweile Teilnehmer der Gay-Prides in Deutschland herum…“
Kraus warnt, dass das Selbstbestimmungsgesetz Frauenschutzräume annulliere und 60 Jahre Frauenrechtskampf zunichtemache. Die zugrunde liegende Ideologie – Geschlecht sei nur Gefühl, beliebig wechselbar, mehr als zwei Geschlechter existent – sei „fern jeglicher wissenschaftlichen Grundlage“.
Zusammenfassend sieht Kraus im SBGG keine fortschrittliche oder emanzipatorische Reform, sondern fahrlässige Politik, die zu vielen Opfern führen werde – sowohl bei transidenten Personen durch unüberlegte irreversible Eingriffe als auch bei Frauen durch Verlust geschützter Räume und massive Einschüchterung kritischer Stimmen.









