Angriff auf das ungeborene Leben Grüne, FDP und Linke wollen Werbung für Abtreibung zulassen

 

Nach dem Willen der FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke, sollen Ärzte und Kliniken für Abtreibung legal werben dürfen. Kommerzielles Bewerben der medizinischen „Dienstleistung“ Abtreibung ist nach §219a StGB verboten. Dieses Gesetz wollen die Parteien zu Fall und haben dafür jeweils einen entsprechenden Gesetzesantrag vorgelegt. Zur Expertenrunde vergangene Woche traten insgesamt neun Vertreter aus Medizin, Recht, Kirche und Schwangerschaftsberatungsstellen im Bundestag zusammen, um sich den Fragen der Abgeordneten zu stellen.

Die Berliner Fachärztin für Gynäkologie, Christine Tennhardt, befürwortete das Vorhaben, das Werbeverbot aus dem Strafgesetzbuch zu entfernen. Sie sah ein generelles Informationsdefizit für Schwangere in Notlagen, das einen adäquaten Umgang mit der schwierigen Situation der Frauen verhindere. Frauen, die eine Abtreibung wünschen, bätten Anspruch auf „niedrigschwellige Information“, um den Eingriff bei einem Arzt oder in einer Klinik ihrer Wahl schnell und unkompliziert in der rechtlich geforderten Dreimonatsfrist vornehmen zu lassen. Zudem sah Frau Tennhardt die Gefahr, daß die „Stigmatisierung“ von Abtreibung als „rechtswidrig“ Ärzte in eine „Bedrohungssituation“ manövriert, weshalb sich immer mehr Ärzte aus der Versorgung abtreibungswilliger Frauen zurückzögen. Prof. Dr. em. Reinhard Merkel von der Universität Hamburg, zwei Vertreterinnen des Deutschen Juristinnenbundes sowie deren Kollege Prof. Dr. Weigend von der Universität Köln unterstützten Tennhardts Stellungnahme aus juristischer Perspektive. So sieht Merkel eine Reform des §291a als überfällig und empfahl, rechtlich zwischen grob anstößige Werbung und reiner Information zu trennen. Das Gesetz, das kommerzielle Werbung für Abtreibung unter Strafe stellt, sieht Merkel nicht als vitalen Teil des Schutzkonzepts für das ungeborene Leben, weshalb man es ebenso gut aus dem Regelungskomplex zu Abtreibung und Beratungsverpflichtung herauslösen kann.

Insgesamt vier Sachverständige argumentierten von der Gegenseite. So sah der Jurist Prof. Dr. Michael Kubiciel von der Universität Augsburg keinerlei Handlungsbedarf beim Gesetzgeber, §219a zu ändern. Der Paragraf verfolge rationale und legitime Zwecke, weil er dem Lebensschutz diene und die Frauen vor Kommerzialisierung ihrer Notlage schütze., Die Legalisierung von Abtreibungswerbung führe gerade nicht zu mehr Information, wie von den Befürwortern gewünscht, sondern geradezu zum Gegenteil: Das öffentliche Anbieten von Schwangerschaftsabbrüchen ohne werbenden Impetus könne für eine Vorgenommenheit bei den Schwangeren sorgen oder diese gar in ihrer Haltung gegen das Kind festigen. Dies würde dem Ziel der Schwangerenberatung jedoch geradezu zuwiderlaufen. Ähnlich wie Kubiciel argumentierten der Gynäkologe Dr. med. Michael Kiworr und die Vertreter vom Kommisariat der Deutschen Bischöfe und des Bundesverbandes Donum Vitae. Das gesetzliche Werbeverbot für Abtreibung stellt einen unveränderlichen Teil des Schutzkonzeptes für das ungeborene Leben dar. Seine Abschaffung würde die Gesamtstatik der grundgesetzlichen und vom Bundesverfassungsgericht bestätigten Verpflichtung für das Lebensrecht der Ungeborenen gefährden. Deshalb müsse es in dieser Form bestehen bleiben.

Insgesamt zeigte sich das Verhältnis – für beziehungsweise gegen die Reform des §219a – als sehr ausgewogen zwischen den Experten. Gleichwohl sorgte das mehrstündige, der dramatischen Thematik entsprechend leidenschaftlich geführte Streitgespräch für erhebliche Unruhe auf der Besuchertribüne. Mehrmals störten Personen aus einer Gruppe von Abtreibungsaktivisten mit Zwischenrufen die Beratungsrunde. Um ihr Anliegen zu unterstreichen trugen die Aktivisten, zumeist Frauen, demonstrativ T-Shirts mit Motti wie „Abtreibung schützt Leben“, „Ich mache Schwangerschaftsabbrüche“, „Ich habe abgetrieben – weg mit §219a“. Der Ausschussvorsitzende Stephan Brandner (AfD) sah sich gezwungen, für Ordnung zu sorgen und drohte zwischenzeitlich sogar, die Besuchertribune räumen zu lassen, um das Gespräch störungsfrei fortsetzen zu können.

Interview mit Anthony McCarthy: Die Ideologie des radikalen Individualismus zerstört die Familie

Anthony McCarthy

Antony McCarthy ist Ethiker und Gastprofessor der Moralphilosophie beim Internationalen Theologischen Institut in Trumau, Österreich und Direktor für Forschung (außerordentlicher Ratgeber) bei der „Society for the Protection of Unborn Children“ (SPUC). In der Vergangenheit arbeitete er als Forscher im „Anscombe Bioethics College“ in Oxford und ist Alumnus der Philosophie des King’s College, London, des University College London und der Universität von Surrey. Er hat sich mit bioethischen Themen auf akademischem und kulturellem Niveau auseinander gesetzt und hält regelmäßig Vorträge für Spezialisten und die allgemeine Öffentlichkeit.

 

Initiative Familien-Schutz (FS): Herr McCarthy, können Sie sich kurz vorstellen?

Anthony McCarthy (AMC): Ich arbeite für die „Society for the Protection of Unborn Children” [„Gesellschaft zum Schutz ungeborener Kinder“] in England und bin im akademischen Bildungsbereich bei Themen wie sexuelle und reproduktive Ethik, und Lebensschutz-Kampagnen tätig. Moralphilosophie ist meine Spezialisierung und ich habe ein Buch mit dem Titel: „Ethical Sex: Sexual Choices and their Nature and Meaning“ [„Ethischer Sex: Sexuelle Entscheidungen und ihr Wesen und ihre Bedeutung“] verfasst und vor kurzem: „Abortion Matters“ [„Abtreibung macht was aus“].

FS: Der europäische Gerichtshof wies jüngst das Anliegen der europäische Bürgerinitiative „One of Us“ verhältnismäßig schroff ab, alle finanziellen Maßnahmen zu unterbinden, die mittelbar Forschung und Handel mit abgetriebenen Embryonen unterstützen. Die Lebensschützer hatten zwei Millionen Unterzeichner gewonnen, die die EU-Regierung insbesondere aufforderten, die Subvention für die offen abtreibungsfördernde Organisation „Planned Parenthood“ einzustellen. Welche Rolle spielt „Planned Parenthood“ Ihrer Meinung nach in der EU und warum wird sie derart geschützt?

AMC: Welche genaue Rolle sie spiele weiß ich nicht, sicher ist aber, dass einige gut finanzierte NGOs Vollzeit für die Abtreibungsindustrie Lobbyarbeit betreiben. Das größere Problem ist aber kultureller Natur: Viele Menschen meinen Gruppen wie „Planned Parenthood“ verteidigen zu müssen, weil sie bereits der Ideologie der Verteidigung von „reproduktiven Rechten“ (d.h. freier Zugang zur Abtreibung und zur Empfängnisverhütung) als vorrangig verfallen sind. Diese Rechte werden ständig mit Worthülsen wie „Autonomie“ und „Gleichberechtigung“ verpackt. Frauen können scheinbar Männern nur „gleich“ sein, wenn sie (z.B.) ein Recht auf Abtreibung haben. Solch eine Sichtweise nimmt die männliche Natur als paradigmatisch an und degradiert Schwangerschaft zur unnatürlichen Last. Sie setzt es mit Folter gleich, wenn dem Wunsch nach Abtreibung nicht entsprochen wird.

Während einige europäische Institutionen in der Vergangenheit ihre Sorge bezüglich der Behandlung von menschlichen Embryos angebracht haben, – und auch die Behandlung von Frauen bei Leihmutterschaft beispielweise – ist der Europäische Gerichtshof, wie alle anderen auch, von den dominanten Ideologien beeinflusst und wird von mächtigen finanziellen Interessen und Aktivisten finanziert, die vielleicht persönliche Gründe haben eine „reproduktive Revolution“ zu fördern. Zudem kommen die Interessen von biotechnischen Firmen, so viel menschliches „Material“ wie möglich auf den Markt zu bringen. Die Abtreibungskultur ist perfekt dafür ausgelegt, genau dies zu tun.

FS: Einerseits werden massenhaft Kinder gar nicht mehr ins Leben gelassen durch vorgeburtliche Selektion, andererseits werden die Möglichkeiten immer mehr erweitert und verrechtlicht, Kinder nicht länger durch ein Adoptionsverfahren, sondern auf medizinischem Ersatzweg zu bekommen. Stichworte: Künstliche Befruchtung, Eizellspenden, Leihmutterschaft. Was steckt hinter dieser schizophrenen Agenda der Familienpolitik?

AMC: Ich denke, dies ist das Resultat des Verständnisses der Person als wesentlich autonomes Individuum, deren Körper keine inhärent familiäre Bedeutung hat. Solch eine Einbildung ist der paradigmatische Blick der modernen liberalen Gesellschaften, könnte man sagen, die das autonome, geschlechtslose, selbstbestimmende Individuum als grundlegende Einheit der Gesellschaft postulieren. Der grundlegende Platz des ehelichen Aktes wird in unserer Gesellschaft durch etwas anderes ersetzt, sodass Kinder nicht mehr als „Geschenk“ angesehen werden, sondern als „Produkt“ des Willens eines Erwachsenen eben durch einen „Produktionsprozess“. Es überrascht dann nicht, wenn neue menschliche Wesen als Produkte behandelt und einer Qualitätskontrolle unterzogen und zum „Ersatz(-teil)“ werden, zum Experimentieren dienen und dann zerstört werden können. Neues Leben kann von seinen genetischen Eltern (wenn ein Ei- oder Spermaspender benutzt wurde) oder Geburtsmüttern getrennt werden (wenn das Kind durch eine Leihmutterschaft ausgetragen wurde). Dementsprechend werden Kinder zur „Wahl“ und es wird nicht mehr verstanden, dass es besondere bedingungslose Bindung an seine Eltern hat. Es gibt einen entsprechenden Weg, empfangen zu werden, der ausdrückt, dass es sich um Menschen handelt, nicht nur um Produkte oder Besitzeigentum. Abtreibung und der wachsende Nutzen von Reproduktionstechnologien sind zwei Seiten der gleichen Medaille, obgleich die Wurzeln dieses Denkens auf die Verbreitung der Empfängnisverhütungsmitteln zurückgehen, die den ehelichen Akt seiner prokreativen und vereinenden Dimension berauben.

FS: Deutsche Liberaldemokraten fordern, sogenannte nicht-kommerzielle Leihmutterschaft zu legalisieren. Der ehemalige Justizminister Heiko Maas hatte parallel dazu ein Gesetz ausarbeiten lassen, das die natürlichen Abstammungsregeln rechtlich in Einzelteile zerlegt hätte: Geburt und Ausübung der Mutterschaft sollten voneinander getrennt werden, Elternschaft künftig nach dem Bestellerprinzip, heißt durch Vertrag zwischen Leihmutter und Auftraggeber, zustandekommen. Gibt es Ihrer Meinung nach überhaupt eine ethisch vertretbare Leihmutterschaft?

AMC: Nein, denn ein wesentlicher Grundzug ist dabei notwendigerweise eine Trennung von Mutterschaft und Kind. Das Kind hat ein Recht bei seiner/ihrer genetischen und austragenden (das sollte dieselbe Person sein) Mutter zu sein, die eine grundlegende und unzertrennliche innere Beziehung zu ihrem Kind hat. Solch „gegebenen“ Bindungen zu behandeln, als gäbe es keine besondere Mutterbeziehung, bedeutet, die Verbindung von unseren eigenen Körpern, unserer Menschenwürde und unserer Familienrolle zu verkennen. Indem Mutterschaft so aufgespalten wird, tun wir unseren Kindern Unrecht, und ersetzten die einzigartige bedingungslose Botschaft der elterlichen Anerkennung – bewusst oder unbewusst – mit einer bedingungsstellenden Wahl eines Erwachsenen oder eines Vertrags (und im schlimmsten Fall) mit einem finanziellem Austausch gleich, der eigentlich nur einer Ware zukommen sollte.

FS: Pharmaunternehmen müssen auf den Beipackzetteln ihrer Medikamente detailliert über Nebenwirkungen Auskunft geben. In den Medien wird teilweise plakativ vor den Risiken jeder noch so kleinen Operation gewarnt. Nur für die „Kinderwunsch“Medizin scheint dieser Standard nicht zu gelten: Frauen, die zumeist aus wirtschaftlicher Not ihre Gebärmutter für eine fremde Eizelle zur Verfügung stellen, setzen sich enormen gesundheitlichen Gefährdungen aus. Warum wird dieser bedeutungsvolle Begleitumstand von Leihmutterschaft im öffentlichen Diskurs ausgeblendet?

AMC: Weil die Ideologie, die wir oben schon angesprochen haben, in unsere Kultur bereits eingeschlagen ist, und weil der Bereich Sexualität keinem anderen Bereich gleicht. Kommerzielle Interessen in Kombination mit den Auswirkungen von falschen Entscheidungen in diesem Intimbereich üben einen vergifteten und einflussreichen Druck auf Individuen und ganze Gesellschaften aus. Dazu kommt, dass durch die sensible Natur von sexuellen Themen viele Menschen sich nicht trauen, etwas dagegen zu sagen, obwohl sie sich der großen Wunden bewusst sind, die man Kindern, Müttern und Vätern antut.

FS: Im Windschatten der homosexuellen Emanzipierung scheint vor allem die Reproduktionsmedizin enorme „Fortschritte“ zu machen, besonders in ökonomischer Hinsicht: Der Zulauf für Kinderwunsch- und Leihmutterschaftskliniken vollzieht sich aktuell als eine Art wirtschaftlicher Nachgeburt der Homo-Ehe. Was könnten die Konsequenzen dieser Entwicklung sein, besonders vor dem Hintergrund, daß gleichzeitig – wie beispielsweise in Deutschland – die genetische Familie unter dem Beifall der Politik zunehmend unter Verdacht gestellt wird?

AMC: Wenn die (genetische) Familie die grundlegende Gruppe oder Einheit der Gesellschaft sein soll, dann bedeutet eine Entwertung dieser Einheit einen grundlegenden Schaden für die Gesellschaft. Frühe Befürworter der homosexuellen „Befreiung“ in meinem Land (siehe „The Gay Liberation Manifesto“ [„Das Schwulenbefreiungsmanifest“] betonten die Irrelevanz der Verschiedenheiten zwischen Männern und Frauen. Sie verlangten nach Abschaffung der verheirateten Familie und suchten nach „künstlichen Mütterleibern“ als ein Weg, die Schwangerschaft aus der Gesellschaft zu entfernen. Die verheiratete Familie steht im engen Bezug zum Rollenverständnis, was wir sind und was uns gegeben ist. Sie stellt den natürlichen Rahmen für ein Kind durch einen Akt der bedingungslosen Akzeptanz des eigenen Ehepartners dar, von dem auch ein Kind kommen kann. Solches Denken hat keinen Platz dort, wo autonome und isolierte Individuen ohne einen „telos“ [dt. „Lebensziel“] allen Werten voran stehen und wo nur die Wahl das Kriterium für Recht ist. Wir müssen uns mit dem Anfang der Idee der geschlechtsfreien Ehe beschäftigen, dem Aufkommen der Transgender-Ideologie usw. Einige der grundlegendsten Eigenschaften der Menschheit werden angegriffen. Und was wir sehen ist das Ende der Toleranz in diesem Bereich – mehr als in allen anderen – denn keine Kritik oder „Straftat in Gedanken“ wird geduldet, sodass denjenigen, die bei dieser „Brave New World“ nicht mitziehen wollen, kein Ausweg mehr offen bleibt.

Kinder ohne Vater: FDP fordert, künstliche Befruchtung auch für Alleinstehende zu fördern

Anlässlich eines Antrags der FDP-Fraktion zur staatlichen Förderung sogenannter „assistierter Reproduktion“ hat der Familienausschuss am 25. Juni Sachverständige zu einer öffentlichen Anhörung geladen. Ziel des FDP-Antrags ist es, die öffentliche Subvention künstlicher Befruchtungen auszuweiten.

Dem Antrag zufolge sollen die Altersgrenzen für Förderansprüche verschoben werden, sowohl nach unten (von 25 auf 20 Jahre) als auch noch oben, damit auch über 40-jährige Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch profitieren. Darüber hinaus soll die Förderung auch alleinstehenden Frauen mit Kinderwunsch gewährt werden.
Die meisten geladenen Sachverständigen sind Mediziner, die sogenannte „Kinderwunschzentren“ eng verbunden sind und oft selber künstliche Befruchtungen anbieten. Die Reproduktionsmedizin ist ein Geschäftszweig, der zu den lukrativsten für Mediziner überhaupt gehört. Trotzdem bot die Expertenanhörung einiges an Überraschungen. So geht die FDP-Forderung staatlicher Förderung „assistierter Reproduktion“ für Alleinstehende sogar einigen geladenen Reproduktionsmedizinern zu weit. Frau Dr. med. Ute Czeromin vermerkte bereits in ihrer Stellungnahme:

„Die Förderung von Alleinstehenden ist nur durch Verwendung von Spendersamen möglich. In der Geburtsurkunde des Kindes stünde „Vater unbekannt“, nach dem Samenspenderregistergesetz und der Änderung des § BGB kann der Samenspender auch nicht mehr als Vater anerkannt werden. Damit wird mit staatlicher Unterstützung
1. dafür gesorgt, dass dem Kind Unterhalt durch das Jugendamt zusteht,
2. wird das bekannte Verarmungsrisiko von Alleinerziehenden in Kauf genommen,
3. wird das „Kindeswohl“ eklatant vernachlässigt.
Kinder brauchen Eltern! Diese zwei Erwachsenen müssen nicht miteinander verheiratet sein, sie können gleichgeschlechtlich sein, aber es sollten zwei Erwachsene sein, die sich für das Wohl des Kindes verantwortlich fühlen. Meines Erachtens darf jeder Arzt entscheiden, ob er Alleinstehende reproduktionsmedizinisch behandelt, dieses aber auch noch staatlich zu fördern, finde ich nicht in Ordnung.“

Prof. Dr. med. Axel Bauer – in seiner Eigenschaft als Dozent der Medizinischen Fakultät der Universiät Heidelberg einer der wenigen unabhängigen Experten ohne wirtschaftlich oder politisch interessierte Lobbygruppe im Hintergrund – äußerte sich mit Abstand am kritischsten zum Vorstoß der FDP. Ausgangspunkt seiner Ausführungen bildete bereits der Zweifel, daß es sich bei unerfüllter Schwangerschaft tatsächlich um eine Krankheit handle, wie es die Richtlinie der Weltgesundheitsorganisation festlegt. Die Gesellschaft könne mithin kein Interesse daran haben, das „Recht auf ein Kind“ durch öffentlich subventionierte Kinderwunschbehandlung politisch zu bestätigen. Er äußerte den Verdacht, daß es der FDP weniger um die Harmonisierung der uneinheitlichen Regelungen zur künstlichen Befruchtung zwischen den Bundesländern gehe, sondern vielmehr „um ein daran gekoppeltes biopolitisches Projekt zur fragmentarischen Vorwegnahme eines möglichen späteren Fortpflanzungsgesetzes.“

Der ebenfalls geladene Dr. med. Jürgen Krieg vom Kinderwunschzentrum Amberg plädierte daneben klar für eine Verknüpfung von öffentlicher Förderung und Ehestand. In seiner täglichen Praxis begegne er regelmäßig unverheirateten Paaren mit wahrnehmbarem Drang zur Beliebigkeit. Die Frage von Katja Suding (FDP), was er mit „Beliebigkeit“ meine, beantwortete er sehr konkret und engagiert, daß die Scheu von Nichtverheirateten vor Bindung einem tragfähigen Fundament entgegensteht, das für ein verantwortliches Leben für Familie und Kinder notwendig ist.

Ansonsten kamen die Eigeninteressen der Reproduktionsmediziner in ihrer Kritik an den Altersgrenzen klar heraus. Das Thema Leihmutterschaft wurde von Prof. Dr. Sigrid Graumann von der Evangelischen Hochschule Rheinland-Pfalz allerdings deutlich und kritisch angesprochen. Denn es ist offenkundig, dass der FDP-Antrag darauf hinaus laufen soll, mit der erweiterten Förderung für künstliche Befruchtung ein Einfallstor für die Legalisierung von Leihmutterschaft zu schaffen. Diese Forderung brachte die Partei bereits in ihr Wahlprogramm zur Bundestagswahl ein. Es ist Teil der FDP-Taktik, Schritt für Schritt das strenge Embryonenschutzgesetz aufzuweichen und von der Eizell- bis zur Embryospende alles an Reproduktionstechniken zu legalisieren, was heute technisch möglich ist. Graumann hob deshalb darauf ab, dass es kaum Leihmutterschaft aus Altruismus, sondern aus finanzieller Not (wie in Indien und der Ukraine) geben würde. Durch die Beteiligung Dritter stelle sich die ethische Bewertung deutlich anders dar als bei Lesbierinnen, die auf natürlichem Wege an Kinder kämen.

Ähnlich wie Graumann fragten und argumentierten auch die CDU-Bundestagsabgeordneten Rudolf Henke und Sylvia Pantel kritisch-konservativ in diese Richtung. Interessanterweise ging der Einsatz vor allem der Grünen für Regenbogenfamilien in der stark medizinisch geprägten Fachdiskussion beinahe unter beziehungsweise kam in ihrer Perspektive nur sehr ungenügend zum Tragen.

Trotz aller fachkundigen Einwände spiegelt der Zeitpunkt des FDP-Antrags, dass jetzt eine Entwicklung in Gang gesetzt werden soll, die die Ergebnisse der in den letzten Jahrzehnten stark fortgeschrittenen Reproduktionsmedizin politisch zu implementieren versucht. Die FDP ist diejenige Partei, die ganz offen alle ethische Bedenken über Bord wirft, um das Recht auf ein Kind politisch durchzusetzen. Das Anliegen scheint den Liberalen so wichtig zu sein, daß sie sogar den Staat als Kuppler und zugleich als Vaterersatz für Alleinstehende bemühen wollen: erstens, als Finanzier einer Samenspende und zweitens als Ersatzvater, der für den Unterhaltsanspruch des Kindes nach der Geburt eintritt. Der bisher schicksalhafte Fall der Vaterentbehrung soll nach dem Willen der FDP planvoll und gewollt an die Entstehungs- und Lebensgeschichte des Kindes eingeschrieben werden. An die Stelle des Vaters tritt der Staat. Die absurde Forderung der  „Liberalen“ zeigt, wie der Machbarkeitswahn einer radikal individualistischen Gesellschaft geradewegs in den Kollektivismus mündet.

Abtreibung heute gleicht der Nazi-Euthanasie kritisiert Papst Franziskus: Abtreibung von behinderten Kindern sei nichts anderes „Rassensäuberung“

 

„Im letzten Jahrhundert hat sich die Welt über das empört, was die Nazis getan haben, um die Reinheit der Rasse herzustellen. Heute machen wir das gleiche, aber mit weißen Handschuhen.“

Harte Kritik von Papst Franziskus an der modernen Abtreibungspraxis: „Fragen Sie sich, warum man nicht viele kleine Menschen auf der Straße sieht? Weil dies das Programm von vielen Ärzten ist – von vielen, nicht allen […]. Es ist eine Grausamkeit.“ Franziskus richtete diese Worte an eine Delegation der Familienstiftung Italiens, die er letzte Woche im Vatikan empfing.

Über 100.000 Menschen werden durchschnittlich jedes Jahr in Deutschland abgetrieben. Seit 1998 wurden über 2,3 Millionen Kinder im Mutterleib getötet.

Grund für Abtreibung sind nicht selten körperliche Behinderungen, die als „Last“ für die Gesellschaft angesehen werden. Papst Franziskus zog die Parallelen zur Hitler-Zeit, wo Menschen, die eine „Last“ oder „Schande“ für die Gesellschaft bildeten – sei es wegen ihrer Rasse, einer Behinderung oder der politischen Ausrichtung – ermordet wurden, um die Gesellschaft zu reinigen. „Um ein ruhiges Leben zu haben, wird ein Unschuldiger geopfert“, so der Papst.

Die Empfehlung zur Abtreibung sei oft die erste Reaktion auf eine Behinderung oder Missbildung des ungeborenen Kindes, so Franziskus.

„Ich habe von der Mode gehört – oder zumindest von der Gewohnheit – dass in den ersten Monaten der Schwangerschaft einige Untersuchungen gemacht werden, um zu sehen, ob das Kind nicht gesund sein wird, oder ob es Probleme gibt…Die erste Empfehlung in diesen Fällen ist dann: ‚Machen wir es weg?‘. Das ist Kindermord.“

Auch früher in der Geschichte ist dies Geschehen; im Sparta der Antike. „[…] Die Spartaner haben, wenn ein Kind mit Missbildungen geboren wurde, dieses Kind auf einem Berg gebracht und es hinunter geworfen, um die ‚Reinheit der Rasse‘ zu pflegen. Das haut uns vom Stuhl: ‚Aber wie kann man so etwas machen; arme Kinder!‘. […] Heute tun wir das gleiche,“ so Papst Franziskus.

Herr über Leben sein zu wollen ist die Grundeinstellung dieser „Euthanasie“, die den Papst dazu brachte, die Einstellung des heutigen Menschen mit der Nazi-Einstellung zu vergleichen, über „unwertes Leben“ urteilen zu wollen. Im Unterschied zur Vergangenheit geschehe es heute allerdings unter dem Deckmäntelchen der „reproduktiven Gesundheit“ und werde von Ärzten durchgeführt, also „mit weißen Handschuhen.“

Papst Franziskus: Einzig Mann und Frau bilden eine Ehe Homosexuelle Partnerschaften sind keine „Ehen“

 

Die Familie bestehe aus einem Mann und einer Frau. Einzig diese Ehe sei Abbild Gottes, erklärte Papst Franziskus nachdrücklich einer italienischen Delegation der Familienstiftung im Vatikan.

Homosexuelle Partnerschaften schloss das Oberhaupt der katholischen Kirche mit dieser Definition aus.

„Heute – und es ist schlimm, das sagen zu müssen – spricht man von ‚diversen‘ Familien: diversen Arten der Familien. Ja, es stimmt, dass das Wort ‚Familie‘ ein analoges Wort ist, denn man spricht auch von ‚Familien‘ von Sternen, ‚Familien‘ von Bäumen und ‚Familien‘ von Tieren…es ist ein analoges Wort. Aber die menschliche Familie, als Abbild Gottes, Mann und Frau, ist nur diese eine. Diese einzige allein.“

Der Papst zitierte den hl. Paulus indem er die Familie „großes Geheimnis“ und „großartiges Sakrament“ nannte.

Franziskus deutlicher Ausspruch folgt zahlreichen unklaren Aussagen über homosexuelle Personen in der Vergangenheit, die von den Medien breit auf Anklang fanden.

In Interviews und Pressekonferenzen sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche: „Wer bin ich es zu richten“, wenn es um homosexuelle Personen ging, und erklärte in privaten Gesprächen mit einem chilenischen Homosexuellen: „Gott hat dich so gemacht und liebt dich auch.“ Seine Worte verwandelten sich in Schlagzeilen wie „Papst Franziskus verblüfft mit überraschenden Worten zum Thema Homosexualität“ und stießen bei LGBT-Lobbys auf tosenden Beifall.

Unklar bleibt die Haltung von Franziskus zur Anerkennung von eingetragenen Lebenspartnerschaften überhaupt. In einem Interviewbuch Ende 2017 erklärte er – wie bei seiner jüngsten Aussprache – dass Partnerschaften von Gleichgeschlechtlichen Personen nicht „Ehe“ sondern „zivile Partnerschaften“ genannt werden sollten und fügte hinzu: „Ehe ist zwischen Mann und Frau. Das ist das präzise Wort. Nennen wir die homosexuelle Partnerschaft ‚zivile Partnerschaft‘.“

Ob diesen eingetragenen Partnerschaften von der katholischen Kirche überhaupt ein Wert zugemessen werden sollte, dahingehen schwieg er. Klare Stellung gegen eine Anerkennung von homosexuellen Partnerschaften überhaupt – im Sinn der „Ehe für alle“ in Deutschland – hat Franziskus bisher noch keine Stellung eingenommen.

In seiner Ansprache an die Delegation kritisierte Franziskus die Oberflächlichkeit bei Menschen, die Ehe nur als eine Art „Lotterie“ verstehen würden: „Wir machen es. Wenn es geht, dann geht es. Wenn es nicht geht, dann beenden wir die Sache und beginnen eine neue.“

„Die heutige Gesellschaft ist durchdrungen von der Abtreibungsideologie“

Virginia Coda-Nunziante

Virginia Coda-Nunziante engagiert sich bei mehreren katholischen Freiwilligenverbänden, darunter die Associazione Famiglia Domani, die sie zusammen mit anderen 1988 gründete. Frau Coda-Nunziante ist seit 2004 Direktorin des Büros für Abkommen und Internationale Beziehungen des Nationalen Forschungsrats und Mitarbeiterin des Lehrstuhls für Kirchengeschichte und Christentum an der Europäischen Universität Rom. Seit 2011 bekleidet sie das Amt als Sprecherin, später Präsidentin des Marschs für das Leben in Italien.

Initiative Familien-Schutz (FS): Was war ihr ein Eindruck vom Marsch für das Leben, der am 19. Mai in Rom stattgefunden hat?

Virginia Coda-Nunziante (CN): Dieses Jahr erinnern wir uns an die Einführung der Abtreibung in Italien vor 30 Jahren: Das Gesetz wurde im Mai 1978 eingeführt. Die Teilnahme am Marsch dieses Jahres ist gewachsen. Vorbereitend haben wir im letzten Monat in der Öffentlichkeit mehrere Kampagnen gestartet. So wurden mehr Menschen motiviert und das hat man bei der Teilnahme gesehen.

FS: Ist die Teilnehmerzahl am Marsch für das Leben stetig gewachsen?

CN: In den ersten vier Jahren ist die Teilnehmerzahl gewachsen. Dann in den Jahren 4-6 blieb die Teilnehmerzahl konstant. Dieses Jahr haben wir wieder Wachstum verzeichnet, was auch in die Zukunft weist. Ich denke, insgesamt gibt es eine stetige Motivation – wie ich es auch in anderen Ländern gesehen habe – wo das Interesse erst wächst, dann gleich bleibt und dann schubartig wieder wächst.

FS: Das EU-Parlament hat in einem jüngst getroffenen Entschluss das Ziel formuliert, Abtreibung in den Rang eines Menschenrechts zu heben. Skandalöserweise haben sich selbst die deutschen Vertreter der christlichen Parteien dafür ausgesprochen. Warum, glauben Sie, entscheiden sich selbst vorgeblich christliche Politiker für die Legalisierung von Abtreibung?

CN: Ich weiß aus meiner Erfahrung, dass der Zeitgeist und das Mainstream-Denken großen Einfluss auf die Politik hat. Politiker haben Angst vor der öffentlichen Meinung, davor, was Journalisten über sie schreiben werden. Sie passen sich also der political correctness an. Ganz allgemein wird Abtreibung heute als Recht für die Frau verkauft, von daher sprechen sich auch Politiker – die eigentlich dagegen sein sollten – dafür aus. In Italien ist das die gleiche Situation: Ein [christlicher] Politiker wurde von einem Journalisten vor kurzem gefragt, ob er immer gegen die Abtreibung sei und er hat nicht geantwortet, er hat kein klares Statement abgegeben. Die Politiker haben Angst. Seit 30 Jahren aber wurde die Abtreibung gefördert, sodass selbst junge Menschen denken, dass Abtreibung ein Recht für Frauen ist. Das übt Druck aus auf alle, die öffentliche Ämter bekleiden.

FS: Befürchten Sie mittel- bis langfristige nationale Konsequenzen eines solchen pro-Abtreibungsbegehrens durch das Brüsseler Parlament?

CN: Ja, diese Befürchtung habe ich leider. Das was in Brüssel gesagt wird, hat immer einen Einfluss, wenn auch vielleicht nicht umgehend oder direkt. Es wird aber ein Prozess begonnen, der Kampagnen in den einzelnen Ländern nach sich zieht. Hier in Italien hatten wir Kampagnen der Radikalen Partei und der Kommunistenpartei und diese haben sich auf die Entscheidung in Brüssel berufen. Es handelt sich dabei nicht um Gesetze, aber die öffentliche Meinung wird dadurch geprägt. Die Menschen glauben, Brüssel nachkommen zu müssen.

FS: Wo sehen Sie den sozio-kulturellen wie politischen Hintergrund der Abtreibungsbefürworter? Wer sind sie speziell in Italien und wieviel Macht schreiben Sie ihrer Lobby zu?

CN: Die Lobby hier in Italien ist sehr mächtig. Hier ein Beispiel: Wir hatten vor kurzem zwei große Firmen – ganz normale Firmen –, die Poster in der Stadt aufgehängt haben, eines mit einem Bild eines Embryos und ein anderes was den weltweit ersten Grund für Frauenmord offengelegt hat, die Abtreibung. In Ländern wie China, Indien aber auch in Osteuropa, ist das der Fall, denn dort werden hauptsächlich Frauen abgetrieben. Die sofortige Reaktion der Medien war die Aufforderung an den Bürgermeister von Rom, diese Poster zu entfernen. Das wurde dann auch getan. Man sieht also, dass die Abtreibungs-Lobby einen starken Einfluss hat. Sie agieren in den Medien, die Medien folgen hörig und wegen den Medien verändert sich dann die öffentliche Meinung. Niemand möchte einen Standpunkt dagegen einnehmen.

In verschiedenen Ländern – und das ganze trifft auch für Italien zu – wird die Abtreibungslobby von einflussreichen Personen geführt, in Italien von Emma Bonino [italienische Politikerin und Außenministerin im Kabinett Letta bis zum Jahr 2014], deren Kampagnen von Georges Soros finanziert wurde. Es gibt immer jemand im Hintergrund, das könnte entweder Soros sein oder jemand anderes.

FS: In Deutschland gibt es eine aktuelle Entwicklung, das gesetzlich verbriefte Lebensschutz-Konzept quasi durch die Hintertür aufzubrechen mit dem Ziel, Abtreibung als normale medizinische Dienstleistung zu etablieren. So fordern Linke und Grüne, das Gesetz abzuschaffen, das Werbung für Abtreibung zu Gewerbszwecken verbietet. Gibt es in Italien ähnliche politische Vorstöße?

CN: Ja, es ist genau dasselbe. Das Abtreibungsgesetz selber zeigt es in seiner Formulierung: Das Abtreibungsgesetz ist ein Gesetz zum „Schutz der Mutterschaft“. Und im Namen der Mutterschaft werden Kinder getötet. Man gibt also vor, Frauen zu schützen, aber in Wirklichkeit wird genau das Gegenteil getan. Was den Frauen nicht gesagt wird, ist, dass sie mit einer Abtreibung ihr Leben zerstören. Das würde natürlich niemals veröffentlicht werden, aber das Post-Abtreibungs-Trauma ist eine gravierende Konsequenz.

FS: Wenn ja, wie verhalten sich die insbesondere die Kirchen dazu?

CN: Italien ist ein größtenteils katholisches Land. Die Kirche ist also von Grund auf am Lebensschutz beteiligt. Wir haben aber auch kleine Gruppen an Freunden bei den Orthodoxen und selbst bei Atheisten, die zwar an nichts glauben, aber verstehen, dass das Leben von Anfang an geschützt werden muss. Diese treten mit uns ins öffentliche Rampenlicht, um für das Leben zu kämpfen. Sie verstehen das Problem. Wenn es um die Kirche allgemein geht, ist sie natürlich im privaten gegen die Abtreibung. Wenn es aber darum geht, einen öffentlichen Standpunkt einzunehmen, dann haben Kirchenmänner eher Angst. Mit der Ausnahme von einigen, die sehr klare Stellung bezogen haben, herrscht Angst davor, öffentlich gegen die Abtreibung anzugehen. Das Problem ist hier wiederum die öffentliche Meinung. Die heutige Gesellschaft ist so durchdrungen von der Abtreibungsideologie, dass selbst Bischöfe Angst haben, sich dagegen zu stellen.

FS: Glauben Sie an einen starken Einfluss der Kirche, sollte sie klare Stellung beziehen?

CN: Ich denke, in der Gesellschaft heute kann man das nicht mehr mit Sicherheit sagen. Wir sehen, was in Irland geschieht. Aber es wäre wirklich sehr wichtig für alle Katholiken, etwas für den Lebensschutz zu tun und die Bischöfe als Rückendeckung zu haben. Oft wird man in Interviews von Journalisten gefragt, wo eigentlich die Bischöfe sind, und das bringt einen manchmal in Verlegenheit.

FS: Auch wer Abtreibung ablehnt, gibt oft zu, dass diese unter bestimmten Umständen, moralisch zulässig ist – dann nämlich, wenn die Frau Opfer eine Vergewaltigung geworden ist oder ihre Gesundheit durch die Schwangerschaft akut bedroht ist. Die besonders grausame Spätabtreibung, die bei Ungeborenen mit diagnostizierter Behinderung in vielen Ländern straffrei vorgenommen werden darf, wird jedoch selbst unter Abtreibungsbefürwortern kritisch gesehen, wenn man sie mit Details konfrontiert. Wo, glauben Sie, könnte die Politik einen Kompromiss herstellen, der den Argumenten beider Seiten gerecht wird?

CN: Nein, ich glaube, es kann keinen Kompromiss geben. Ein Leben ist immer Leben. Auch wenn das Leben durch Vergewaltigung empfangen wird, hat das Kind keine Schuld daran. Kein Kind hat daran Schuld, aus einer Vergewaltigung hervorzugehen. Wir sollten ihm die Chance geben, geboren zu werden. Wir haben sogar sehr interessante Beispiele von solchen Personen, die wir hier nach Rom eingeladen haben, um beim Marsch für das Leben zu sprechen. Ich kenne drei verschiedene Personen, die alle aus Vergewaltigung hervorgingen. Diese Personen haben drei verschiedene Stiftungen gegründet, um ähnlichen Fällen zu helfen. Jeder von ihnen dankte immer vor allem seiner und ihrer Mutter, weil sie sich entschlossen hat, ihr Kind auszutragen. Sie wollte sich nicht darum kümmern, sie hat es an jemand abgegeben, der sich um das Kind gekümmert hat, aber sie hat dem Kind die Chance auf Leben gegeben. Das Leben ist ein so außerordentliches Geschenk, dass wir nicht das Recht haben, es wegzunehmen. Ich würde der Mutter sagen: Sie haben ein großes Unrecht erlebt durch Ihre Vergewaltigung. Machen Sie das Unrecht und ihr Leiden nicht noch größer, indem sie sich einer Abtreibung unterziehen. Geben sie Ihr Kind an eine andere Familie ab, es wird ein außergewöhnliches Leben haben. Das sieht man an diesen drei Kindern.

FS: Herzlichen Dank!

Hohe Abtreibungszahlen: Etablierte Parteien sehen keinen Änderungsbedarf

 

Die Befürworter von Abtreibung können sich auf eine starke Lobby verlassen. Selbst bei den Christdemokraten: Im rheinland-pfälzischen Landtag wurde der jüngste Vorstoß der AfD, ein Informationsgesetz für den Lebensschutz einzuführen, von den übrigen Parteien abgeschmettert.

„Als Vater eines mit vier Jahren verstorbenen, behinderten Kindes kann ich nur sagen, dass es mehr als ein Verbrechen gewesen wäre dieses Kind abzutreiben – es war das glücklichste Kind, das mir je begegnet ist.“ So lautet der Eintrag eines Vaters auf der Internetseite eines österreichischen Vereins, der schwangeren Frauen in schwierigen Lebenssituationen zur Seite steht. „Es gibt Alternativen“ ist das Motto der gleichnamigen Organisation. In der Tat scheint in Österreich etwas in Bewegung geraten zu sein, seitdem Bundeskanzler Sebastian Kurz die Amtsgeschäfte übernommen hat. Die Regierungsparteien ÖVP und FPÖ wollen die Abtreibungszahlen mittels einer anonymisierten Statistik genau erfassen, die FPÖ fordert zusätzlich eine gesetzliche Wartefrist von 48 Stunden vor dem Eingriff. Norbert Hofer, FPÖ-Politiker und jetziger Bundesverkehrsminister, erschreckte Österreichs Feministinnen bereits vor zwei Jahren mit dem Satz, daß die Gebärmutter der Ort mit der höchsten Sterbewahrscheinlichkeit in seinem Land sei.

Schaut man nach Deutschland, trifft Hofers Diagnose zu. Nimmt man die höchste Schätzung der Dunkelziffer an Abtreibungen stirbt jedes dritte Kind, bevor es geboren wird. Anders als Österreichs Regierung erntet man jedoch beim Thema Lebensschutz höchstens betretenes Schweigen der Politiker. Wiewohl das Bundesverfassungsgericht in der Rechtssprung zu Abtreibung Würde und Leben der Ungeborenen als unveräußerliches Recht tituliert und die Schwangerenberatungsstellen verpflichtet hat, im Sinne des Lebensschutzes zu beraten, haben sich seit Einführung der Fristenlösung die Gewichte zugunsten einer absoluten Entscheidungsfreiheit der betroffenen Frau verschoben. Es ist ein offenes Geheimnis, daß der größte deutsche Verein Pro Familia dem Lebensschutz in der Einzelberatung nicht die Bedeutung einräumt, die er laut Gesetzgeber einnehmen sollte. Schlimmer noch, Pro Familia verdient an der Tötung von Ungeborenen kräftig mit, denn häufig finden Schwangerenberatung und Abtreibung bei Pro Familia buchstäblich unter einem Dach statt.

So auch in Rheinland-Pfalz. Den rechtswidrigen Zustand, der beim Pro Familia-Trägerverein in Frankfurt am Main schon seit Jahrzehnten von der Politik nicht nur geduldet, sondern sogar noch mit Steuergeld subventioniert wird, wollte die im Landtag vertretene AfD nicht länger mittragen (siehe Interview mit Michael Frisch (AfD). Die Partei regte deshalb an, ein sogenanntes Lebensschutzinformationsgesetz einzuführen. Laut dem Gesetzentwurf sollten nur solche Vereine und Initiativen in den Genuß staatlicher Förderung gelangen, die „daran mitwirken, den rechtlichen Schutzanspruch des ungeborenen Lebens im Bewusstein der Bürger zu erhalten und zu beleben“. Mit dem Gesetz wollte die AfD erreichen, dem Thema Lebensschutz in der Öffentlichkeit wieder zu mehr Raum zu verhelfen. Die langjährige Praxis, Abtreibungen schnell und unkompliziert auf Krankenkassenkosten durchzuführen, hat dazu geführt, daß die vorgeburtliche Kindstötung nach Meinung vieler Bürger eine beinahe normale ärztliche Dienstleistung darstellt. Das Bewußtsein, daß durch Abtreibung willentlich ein Leben beendet wird, schwindet – und mit ihr die vom Gesetzgeber intendierte Schutzwirkung gegenüber dem ungeborenen Leben durch das Gewissen. Das Lebensschutzinformationsgesetz der AfD sollte dazu beitragen, daß sich durch entsprechende Aufklärungsarbeit – beispielsweise an Schulen – in der Bevölkerung wieder ein Bewusstsein über die Schutzwürdigkeit des menschlichen Lebens herausbildet.

Dieser Gesetzesentwurf, vorgetragen von dem in der Lebensschutzbewegung sehr engagierten Abgeordneten Michael Frisch (AfD), wurde von den übrigen Parteien im rheinland-pfälzischen Landtag abgeschmettert. Wie so oft, wenn die etablierten Parteien einerseits nicht mit dem ungeliebten Neuling im Parlament stimmen wollten, andererseits aber das mediale Verdikt scheuen, gegen das Lebensrecht der Ungeborenen einzutreten, beschränkten sie sich auf formale Kritik. So bemängelte die CDU-Abgeordnete Marlies Kohnle-Gros, daß nicht ersichtlich sei, welche Organisationen und Vereine der Gesetzesantrag genau meine, Helga Lerch, die stellvertretend für SPD, Grüne und FDP sprach, sah dagegen überhaupt keinen Handlungsbedarf der Regierung, da die Abtreibungszahlen ja nicht so hoch seien. Überhaupt, wenn eine Frau Abtreibung wünsche, dann sei dies zu respektieren. „Wir können die Realitäten nicht ändern“. Das Lebensrecht der Ungeborenen hat eben keine Durchfahrt, wenn Parteitaktik im Wege steht.

Gender-Broschüre an Berliner Kitas bleibt: Sexuelle Vielfalt soll weiterhin von Erziehern thematisiert werden

Um die hoch umstrittene Kita-Broschüre „Murat spielt Prinzessin, Alex hat zwei Mütter und Sophie heißt jetzt Ben“ kommt es nicht zur Ruhe. Zuvor war die CDU im Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie mit ihrem Antrag gescheitert, die Broschüre aus dem Verkehr zu ziehen, die laut eigener Zielstellung „Themen geschlechtlicher Vielfalt und Sexualität aktiv in die frühkindliche pädagogische Arbeit“ einbringen will.

Auch AfD und FDP sprachen sich gegen eine weitere Verbreitung der queeren Pädagogik-Broschüre aus. In der folgenden Debatte im Berliner Abgeordnetenhaus kritisierte der CDU-Politiker Roman Simon, daß die Broschüre Elternrechte nicht in ausreichendem Maße berücksichtige. Das mehrheitlich gelebte Elternmodell werde von den Autoren der Broschüre geradezu zum Problemfall stilisiert. In der anschließenden Abstimmung konnten sich CDU, AfD und FDP jedoch nicht gegen die Stimmen von SPD, Linke und Grüne durchsetzen.

Währenddessen riefen Bürgerinitiativen wie die Demo für alle, Initiative Familien-Schutz, Aktion Kinder in Gefahr zum Protest gegen die Verbreitung der Handreichung in Berliner Kitas auf. Kritisiert wird, daß die Auffassung sexueller Vielfalt einseitig durch die Brille einer queeren Lobbyruppe thematisiert wird. Sie fordern eine ideologiefreie, seriöse pädagogische Arbeit in den Kitas. Das Ansprechen von Fragen mit eindeutig sexuellem Bezug gegenüber 3 bis 6jährigen Kindern durch Erzieher stellt eine ideologische Grenzverletzung dar, die weder vereinbar mit dem staatlichen Neutralitätsgebot noch mit dem Erziehungsrecht der Eltern ist.

Zwar wird die Gender-Broschüre nun weiterhin gedruckt und an die Kitas verteilt. Die Zukunft wird zeigen, wie Erzieher und Eltern damit umgehen beziehungsweise wie hoch die Nachfrage nach der Handreichung tatsächlich ausfällt. Denn eine Pflicht zur Thematisierung sexueller Vielfalt gibt es an Berliner Kindergärten immerhin (noch) nicht. Viel spricht dafür, daß sich die ohnehin viel beschäftigten Kita-Erzieher sich nicht unbedingt auf das linksgrüne Gender-Projekt stürzen werden. Der notorische Personalmangel an Berliner Kindertageseinrichtungen wird ein übriges tun. Der Regenbogen bleibt natürlich weiterhin präsent: In gut jedem zweiten Malbild der Kinder. Die haben aber bestimmt nichts mit Transsexualität zu tun.

Lieber Regenbogen-Marsch als Familientag: Dem EU-Parlament ist die Familie peinlich

Man muss nicht immerzu EU-Beschlüsse lesen: Manchmal belehrt auch ein kurzer Blick in den EU-Veranstaltungskalender über die Brüsseler Agenda. Und die steht ganz unter dem Zeichen des Regenbogens. Gender-Ideologie und Homo-Ehe werden pompös gefeiert, während der zeitgleich stattfindende Internationale Familientag der Vereinten Nationen sang- und klanglos verstreicht. Die Brüsseler Abgeordneten haben dafür keine Zeit, denn sie sind die gesamte Woche beschäftigt, der schwul-lesbischen Lobby artig Referenz zu erweisen.

1993 riefen die Vereinten Nationen den Internationalen Tag der Familie (International Day of Families) ins Leben. Seither wird jährlich am 15. Mai an die Bedeutung der Institution Familie und ihres enormen kulturellen und sozialen Beitrags gedacht, den sie für die Prosperität und das Gelingen unserer Gesellschaft in den Stürmen der Jahrhunderte unverändert leistet. In New York beging man den Tag mit Vorträgen und Arbeitskreisen im Hauptquartier der Vereinten Nationen, in Italien unterstrich die Senatssprecherin Maria Casellati die Bedeutung der Familie als „vitalen Kern unserer Gesellschaft, die den Menschen von Kindheit an soziale Bindung und Liebe lehre“. Unter dem diesjährlichen Motto „Families and inclusive Societies“ wurde der Tag der Familie auf der ganzen Welt, von Kanada bis Australien, festlich begangen.

Natürlich richtete auch das EU-Parlament am 15. Mai eine Feierstunde aus. Das sollte der unbedarfte EU-Bürger wenigstens meinen. Ein Blick in den Brüsseler Veranstaltungskalender offenbart: Eine Reihe von Veranstaltungen sind dort gelistet – angefangen bei einer Frühstücksveranstaltung zum kryptischen Thema „SDGs und die Europäische Säule sozialer Rechte“ bis zu einem Gesprächskreis über Ressourcen und grüne Energie. Beinahe vierzig Veranstaltungen sind gelistet, doch keine einzige behandelt auch nur im entferntesten das Thema Familie oder überhaupt etwas, das mit menschlichen Privatbeziehungen zu tun hat. Bis auf eine: gekennzeichnet mit einem Regenbogen soll darüber diskutiert werden, ob die schwul-lesbischen Pride-Märsche noch wichtig sind.

Die folgenden Tage dürften die Frage mit einem lauten „Ja“ beantworten. Nachdem der Internationale Familientag gruß- und wortlos verstrichen war, machten sich die Parlamentsabgeordneten schon mal warm für die sogenannten IDAHIT-Tage. IDAHIT bedeutet übersetzt Internationaler Tag gegen Homo-, Trans-, und Interfeindlichkeit. Was den wenigsten durch den typisch intransparenten Orwell-Sprech geläufig sein dürfte, wird dafür mit umso größerem Pomp begangen: Los geht’s am 17. Mai im Brüsseler Parlament. Dort lädt die LGBTI-Intergroup des Europäischen Parlaments zur Debatte im Hohen Haus. Auch im Konrad-Adenauer-Haus in Luxembourg wird offiziell der Schwulen und Lesben gedacht. Am 16. Mai richtet Kommissar Günther Oettinger eine Jubiläumsgala – 25 Jahre Gleichheit – aus. Einen Tag danach lädt die IDAHIT-Konferenz in Brüssel und Frankfurt am Main zur „Lunchtime“. Am 19. Mai folgt der Höhepunkt: Der sogenannte Pride-March durch Brüssel, an den sich in vielen deutschen Städten Solidaritätsmärsche anschließen werden. Die „Pride“-Woche gehört uns, ist in den jubelnden Kommentaren der Teilnehmer zu lesen. Durchaus.

Die deutliche thematische Akzentsetzung dieser frühsommerlichen Veranstaltungswoche des EU-Parlaments belehrt den Interessierten, daß man sich nicht durch eine Flut von Beschlüssen, Anträgen, Entschließungen und Debattenprotokolle kämpfen muß, um die Agenda der EU zu entschlüsseln. Der EU-Veranstaltungskalender bringt es auch ohne viele Worte auf die schlichte Erkenntnis: Für die EU-Regierung ist die Familie out, vielleicht auch zu peinlich, jedenfalls einfach zu unbedeutend, um auch nur eine Minute Redezeit an ein Thema zu verschwenden, das für die meisten EU-Bürger immerhin eine Grundkonstante ihres Lebens darstellt. Heute hängen die hohen Herren und Damen lieber die Regenbogenflagge aus ihrem Bürofenster wie einst der brave DDR-Bürger seine Hammer-und Sichel-Fahne zum 1. Mai.

Gender zerstört die Familie – Neues Gespräch mit Prof. Kutschera

Die politische Elite hat uns das Bekenntnis zum neuen Regenbogen-Patchwork-Familienparadies verordnet. Das Programm totalitärer Mann-gleich-Frau-Erziehung wird seit Jahren unablässig vorangetrieben. Und das umso aggressiver, je weniger die Bürger spuren wollen. Alle sollen einhellig sagen: 1 + 1 = 3.

Im Gespräch mit Beatrix von Storch geht der renommierte Evolutionsbiologe Prof. Kutschera mit Gender-Frühsexualisierung hart ins Gericht. Dieses gesellschaftliche Umerziehungsprojekt behauptet sich allein durch politische Rückendeckung, obwohl seine radikale Abkehr von harten biologischen Fakten offenkundig ist. Denn nur Ideologen können behaupten, daß es egal ist, ob ein Kind bei seinen natürlichen Eltern oder bei zwei Vätern aufwächst. Gerade die Mutter-Kind-Bindung, sagt Kutschera, sei das stärkste genetische Band seiner Art. Wer es zerstöre, zerstöre letztlich die Familie.

Für Kinder ab 3 Jahren, betont Prof. Kutschera, sind Kindergärten wichtig, denn sie tragen zu einer gelingenden Erziehung der Kleinen zu geistig und körperlich gesunden Menschen bei. Kritisch betrachtet er dagegen die sogenannten Kitas, die eher einer Massenverwahrung gleichen. Diese bieten schwul-lesbischen Lobbygruppen gleichzeitig die perfekte Andock-Station, Zweifel an der heterosexuellen Familie immer früher verfangen zu lassen. Prof. Kutschera wendet sich vehement gegen die naturwidrige Ideologie der Frühsexualisierung, die bereits in vielen Kindertagestätten und Schulen durchgesetzt wird. Das ist nichts anderes als Frontalangriff auf die Seelen unschuldiger Kinder.

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