Kinderrechte gegen Elternrechte: Die SPD will per Gesetz die „Lufthoheit über die Kinderbetten“ erobern

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der vorsieht, Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen. Aus Politik und Kirche kommt jedoch Kritik. Viele sehen in Kinderrechten den Versuch, die elterliche Erziehungsfreiheit auszuehebeln.

Im Koalitionsvertrag haben sich SPD und CDU auf die Aufnahme von Kinderrechten in das Grundgesetz geeinigt. (FW Kommentar hier) Nun hat Justizministerin Christine Lambrecht einen Gesetzvorschlag vorgelegt. Nach den Plänen der SPD soll Artikel 6 des Grundgesetzes um folgende Sätze ergänzt werden: »Jedes Kind hat das Recht auf Achtung, Schutz und Förderung seiner Grundrechte einschließlich seines Rechts auf Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit in der sozialen Gemeinschaft. Das Wohl des Kindes ist bei allem staatlichen Handeln, das es unmittelbar in seinen Rechten betrifft, angemessen zu berücksichtigen. Jedes Kind hat bei staatlichen Entscheidungen, die seine Rechte unmittelbar betreffen, einen Anspruch auf rechtliches Gehör.«

Brisant an Lambrechts Vorhaben ist weniger der Wortlaut des neuen Kinderrechte-Artikels, sondern dessen Positionierung im Grundgesetz. Als geplanter Absatz 1a im Artikel 6 GG würden Kinderrechte noch vor den Elternrechten fixiert, die in Absatz 2 des Artikels 6 geregelt sind. Doch der allzu durchsichtige Plan der SPD, die Elternrechte auszuhebeln, indem sich der Staat eine Art Definitionsmonopol über das Kindeswohl zuschanzt, das er nach Belieben gegen das elterliche Bestimmungsrecht ausspielen kann, stößt auf harsche Kritik.

So schmäht die FAZ das Gesetzesvorhaben als eine »kräftige Prise DDR«, mit der die SPD über die Kinderrechte dem Grundgesetz beizumischen gedenkt. Ähnliche Kritik kommt von der katholischen Kirche. Der Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie, Erzbischof Heiner Koch, sieht in der Aufnahme von Kinderrechten in das Grundgesetz eine Verschiebung des staatlichen Wächteramts, durch den das Elternrecht beschädigt werde.

Auch die CDU sieht Lambrechts Gesetz kritisch. Die rechtspolitische Sprecherin, Elisabeth Winkelmeier-Becker, warnt in einer Pressemitteilung vor einer unzulässigen Einmischung des Staates in die Familien. Zuvor hatte der unionsinterne Arbeitskreis Christlich-demokratischer Juristen (BACDJ) in einem Gutachten festgestellt, daß die Fixierung eigenständiger Kinderrechte im Grundgesetz ein unnötiges und gefährliches Unterfangen sei.

Porno-Spielzeug in Kindergärten: Staatlich geförderte Kindergarten-Sexbox ging an über 2000 Einrichtungen

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Unter dem Begriff „sexuelle Bildung“ treiben Bund und Länder die Sexualmissionierung von Kindern in Schulen und Kitas voran. Jetzt hat die Bundesregierung erstmals Zahlen dazu offengelegt.

Die möglichst umfassende sexuelle Bildung von Kindern ab dem frühesten Alter ist der Bundesregierung wichtig. Um »Multiplikatoren bei der Vermittlung von Themen der Sexualerziehung« für Kinder im Vorschulalter zu unterstützen, hat die Regierung die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) einen Medienkoffer erstellen lassen. Heraus kam 2017 die Kindergartenbox »Entdecken, Schauen, Fühlen«. Gegen eine Schutzgebühr von 80,00 Euro kann diese bei der BZgA von Kitas und Bildungseinrichtungen bestellt werden.

Seit 2017 hat die BZgA bereits 2348 Exemplare bundesweit verschickt. Davon gingen 1578 Exemplare an Schulen und Kindergärten, 268 an Behörden und Gesundheitsämter, 502 an sonstige, nicht näher benannte Einrichtungen. Das geht aus der Antwort des Bundesfamilienministeriums auf die entsprechende Anfrage des AfD-Abgeordneten Martin Hohmann hervor, die FW vorliegt. Die Anzahl der Bestellungen variiert dabei erheblich von Bundesland zu Bundesland: Die meisten der Kindergartenboxen gingen mit 462 Stück in das CDU-regierte Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Baden-Württemberg mit 180 und Bayern mit 167 Bestellungen. Das geringste Interesse an der Kindergarten-Sexbox verzeichnet hingegen ausgerechnet Brandenburg unter rot-roter Regierungsflagge sowie das Saarland. In beide Bundesländer wurden nicht einmal zehn Boxen verschickt. Damit dürfte jedoch nur die Spitze des Eisbergs markiert sein. Denn unter der Ägide von mehreren Landesregierungen wie zum Beispiel Sachsen, Thüringen und Berlin sind ebenfalls sogenannte Kita-Koffer entstanden, daneben vertreiben LGBT-Initiativen bis hin zum Internet-Großhändler Amazon Aufklärungsmaterial für Vorschulkinder. Kindergärten und Schulen können also aus einer riesigen Palette wählen, wenn sie die Konfrontation ihrer kleinen Schutzbefohlenen mit Sexualthemen für wünschenswert halten. All diese taucht selbstredend nicht in der Auflistung der Bundesregierung auf.

Die Zurückhaltung einiger Landesregierungen, die Sexualmission der BZgA in Kindergärten zu unterstützen, ist immerhin löblich. Denn der Inhalt der Box – so zahm ihn die Behörde auch bewerben mag – hat es in sich. Enthalten sind unter anderem: eine Kinderlieder-CD »Nase, Bauch und Po«, die DVD »Lutz und Linda – zwei dicke Freunde«, ein »Gefühlewürfel« und die »Puppen Lutz und Linda«. Letztere sind mit einem Penis und einer Vagina ausgestattet. Dazu empfiehlt das BZgA Erzieherinnen, Lutz zufällig »die Hose herunterrutschen zu lassen«, wenn sie den Puppenherrn den versammelten Kindern vorstellen. Anschließend sollen die Kinder die Genitalien der Puppen erkunden. In möglichst kuscheligen Spielecken sollen sich die Vier- bis Sechsjährigen hernach zurückziehen, um sich den Puppen in aller Ruhe zu widmen. Auf der Bildungsmesse didacta elebte der Journalist Gunther Oberheide 2015 die Präsentation der Sex-Puppen Lutz und Linda durch Mitarbeiter des BZgA und notierte deren Empfehlungen für Erzieherinnen empört in seinem Blog »Der freie Journalist«.

Es ist offenkundig, daß das BZgA mit der Kindergartenbox das Ziel verfolgt, Kinder möglichst früh mit der Erwachsenensexualität bekannt zu machen, indem man diesen zum »Entdecken und Fühlen« Genitalien präsentiert und ihnen in Form von Puppen hernach zum unbewachten Nachspielen des Geschlechtsakts überläßt. Gleichzeitig häufen sich die Meldungen in der Presse und die Klagen der Erzieher über die teilweise ausufernde sexualisierte Gewalt unter Kindern. Von verbalen Übergriffen bis hin zu Verletzungen im Genitalbereich, weil die Kinder versuchen, sich Gegenstände in Körperöffnungen zu schieben, bis hin zum Nachspielen von Vergewaltigungen reicht die Palette. Wen wundert all das, wenn doch der Staat derjenige ist, der Kindern quasi das »Übungsmaterial« dazu bereitstellt?

Unfälle, Mißhandlungen, Quälereien: Was Kinder in Kitas erleiden müssen

Unter den Kinder zwischen 3 und 6 Jahren besuchen nahezu 100 Prozent eine Kindertagesstätte. Je mehr Kinder es werden, desto mehr wächst die Gefahr für sie. Denn fast überall sind Erzieher knapp. Unaufmerksamkeit, Aufsichtslücken und fehlende Kontrollen lassen das Risiko für Kinder für Mißbrauch und Unfälle steigen.

Viele Eltern geben ihr Kind morgens mit gemischten Gefühlen in den Kitas ab. Können sie den Erziehern vertrauen? Den meisten von ihnen sicherlich ja, aber in einer Belegschaft gibt es immer ein oder zwei Kollegen, die das Machtgefälle zwischen sich und dem Kind schamlos mißbrauchen. Schwarze Schafe, die Kinder anschreien, demütigen und bloßstellen. Erzieher, die bei Kindern seelische Narben hinterlassen. Daneben sorgen Personalknappheit und damit steigende Arbeitsbelastung bei den Erziehern für Streß. Unaufmerksamkeit und eklatante Lücken in der Aufsicht sind die Folge, die zu Unfällen und Verletzungen der Kinder führen. Mitunter gehen die Unfälle tödlich aus. Eine Zusammenstellung der schlimmsten Kita-Ereignisse der letzten Wochen:

Frankfurt/ Main: In einer städtischen Kita erleidet ein 6jähriger Junge einen tödlichen Stromschlag. Seine Mutter war gerade dabei, ihn abzuholen. Sie berichtet, ihr Sohn habe sich hinter einem Schrank versteckt, sei plötzlich hervorgesprungen. Sie konnte ihn nur noch zu Boden legen, Antonjo sei wie elektrisiert gewesen. Andere Eltern beobachteten einen blauen Lichtblitz, als sich Antonio hinter dem Schrank befand. Eineinhalb Stunden später erliegt der Junge seinen schweren Verletzungen. Die Mutter macht dem Kitaträger schwere Vorwürfe. Die Untersuchen dauern noch an.

Wandlitz/ Brandenburg: Vor zwei Jahren schlug die Leiterin einer Kita im Ortsteil Schönwalde während ihres Diensts Kinder ins Gesicht, sperrte sie in den Schrank, zwang sie zum Essen und ließ ihre kleinen Schutzbefohlenen stundenlang in der Sonne sitzen als Bestrafung. Daraufhin erhielt sie von den Behörden eine Geldstrafe und die Auflage, sich eine neue Arbeit zu suchen. Das tat die Frau aber nicht, sondern arbeitete weiterhin in der Kita als Erzieherin. Unter ihr soll es dann erneut zu Übergriffen auf Kinder gekommen sein. Das Potsdamer Bildungsministerium schloß daraufhin von einem Tag zum anderen die Kita. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt/ Oder hat die Ermittlungen gegen die Kinderquälerin aufgenommen.

Stuttgart: In einer städtischen Kindertagesstätte sollen eine Gruppenleiterin und ein Azubi etwa zehn schutzbefohlene Kinder gequält und mißhandelt haben. Wie aus einem anonymen Brief hervorgeht, wurden die Kinder von ihren Erziehern mit Kissen geschlagen und gezwungen, beschmutzte Kaffeelöffel, Toilettenbrillen und andere Gegenstände abzulecken. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Erzieher wegen Körperverletzung.

Nimritz/ Thüringen: Zustände »wie bei der Bundeswehr« sollen in der dortigen Kita geherrscht haben, lauten die Vorwürfe empörter Eltern. Eine Mutter berichtet, ihr kleiner Tochter habe irgendwann angefangen, jedesmal zu schreien, wenn er aufs Töpfchen gehen sollte. Als sie nachfragt, erzählt ihr eine in der Kita angestellte Erzieherin, daß die Kinder beim Töpfchengang mit den Ärmeln ihres Bodys gefesselt werden. Eine andere Mutter berichtet, sie habe beobachtet, wie eine Erzieherin ein Kind festgehalten und einem anderen zugerufen habe, kräftig zuzubeißen. Insgesamt herrsche in der Kita ein rauer Umgangston wie bei der Armee.Der Fall wird zur Zeit vor Gericht verhandelt.

Demütigen, anschreien, bloßstellen: Die alltägliche Gewalt in Kindertagesstätten

Deutschlands Kitas haben allenfalls durchschnittliche Qualität. Nur sehr wenige Einrichtungen rangieren im oberen Qualitätsbereich. Wenn Eltern ihr Kind in der Kita zurücklassen, geschieht das oft mit einem unguten Gefühl, Zu Recht, wie ein aktuelles Buch der Pädagogin Anke Ballmann enthüllt. Denn an fast jeder Kita gibt es Erzieher, die psychische und physische Gewalt gegen Kinder ausüben.

Sie habe hunderte von Kitas in Bayern besucht, berichtet Anke Ballmann im Interview mit Focus online. In fast jeder von ihnen werden Kinder gedemütigt, heruntergeputzt und vor anderen bloßgestellt. Sie selbst ist Leiterin eines privaten pädagogischen Zentrums in München, das Erzieher ausbildet. In ihrem Buch »Seelenprügel. Was Kindern wirklich in Kitas passiert. Und was wir dagegen tun können« macht sie ihrem Herzen Luft und berichtet von haarsträubenden Vorfällen.

Ballmann listet viele Beispiele auf, in denen Kinder zu Opfern des Machtgefälles zwischen ihnen und den Erziehern werden. Sobald die Tür hinter den Eltern zufällt, ändere sich der Tonfall in den Einrichtungen. Die promovierte Pädagogin erzählt in ihrem Buch unter anderem von einem Vorkommnis, bei dem sie selbst Zeugin war. Eine Erzieherin fuhr mit einem Kinderwagen ein Mädchen einfach über den Haufen. Es hatte einfach nur verträumt dagesessen und deshalb nicht sofort Platz gemacht. »Siehst du, das hast du nun davon!«, habe die Erzieherin dem Kind daraufhin zugerufen.

Genervte Erzieher, die sich wegdrehen, wenn ein Kind mit einem Anliegen kommt. Erzieher, die demonstrativ mit den Augen rollen, wenn ein Kind nicht schnell genug ist oder die Anweisung nicht auf Anhieb versteht. Erzieher, die verbal übergriffig werden und ein Kind in der Gruppe als »dumm und faul« herunterputzen, Erzieher, die von den Kindern verlangen, gefälligst leise zu sein, selbst aber schreien. Erzieher, die Kinder zwingen, etwas zu essen, das sie nicht wollen. Oder die sagen, daß »Mami ganz traurig ist«, wenn es dieses oder jenes nicht macht.

Es gibt auch Erzieher, die eine Form subtiler Tyrannei ausüben, indem sie darauf bestehen, daß ein Kind sein Bild in bestimmten Farben malt oder Kitas, die die Kinder in übertrieben strenge Abläufe zwingen, wo kaum Raum für freies Spiel oder spezifische Bedürfnisse der Kinder bleibt. Manchmal mag ein Kind keinen Mittagsschlaf mehr machen, so Ballmann. Dann müssen die Erzieher darauf eingehen. In vielen Fällen siegt jedoch die Bequemlichkeit: In einer bayerischen Einrichtung wurden Kinder gezwungen, sich zwei Stunden in einen dunklen Raum zu legen, obwohl sie nicht schlafen konnten. Die Erzieher wollten ungestört ihre Pause genießen.

Anke Ballmann empfiehlt Eltern, genau auf die Signale ihres Kindes zu achten und dem Umgangston in der Kita aufmerksam zu lauschen. Geht es eher ruppig zu, wird kaum gelacht, hetzen die Erzieher nur herum und antworten nur kurz und knapp, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß der Respekt gegenüber den kindlichen Bedürfnissen unter dem generellen Streß der Erzieher leidet. Ballmann spricht von »schwarzen Schafen«, die es in fast jeder Belegschaft gäbe. Diese Erzieher seien schlichtweg ungeeignet für ihren Beruf, denn sie haben offenbar keinen Begriff davon, wie traumatisch sich ihr rohes Benehmen sich in die Kinderseele brennt. Ein Kind, so Ballmann, gerate dann in schwere Konflikte: Gefühle von Angst, Hilflosigkeit und Wertlosigkeit stellten sich ein. Außer ein Appell an die Politik, Erzieher besser auszubilden und für mehr Aufklärung und Kontrollen zu sorgen, hat Ballman allerdings nicht zu bieten. Dabei wäre es so einfach: Gebt den Eltern, die wegen des Erwerbsdrucks auf Gedeih und Verderb der Kitabetreuung ausgeliefert sind, endlich mehr Wahlfreiheit zur Realisierung ihres Erziehungsideals. Dann braucht es auch nicht mehr so viele Erzieher. Von wem werden die eigentlich erzogen?

INTERVIEW mit Prof. Dr. med. Hans Sachs: „Im Namen der Gleichstellung treibt man uns in die mutterlieblose Gesellschaft“

Häufig wechselnde Bezugspersonen bei einer permanent abwesenden Mutter können sich traumatisch auf die Entwicklung des Kleinstkindes auswirken. Die frühe Erfahrung des Mutterverlusts brennt sich ins kindliche Gehirn ein. Mit dem Ausbau der Krippenbetreuung riskiert der Staat deshalb massenhaft schwer gestörte Beziehungen in den Familien. Die negativen gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen sind immens. Zeit umzudenken, fordert der Lübecker Psychotherapeut Prof. Dr. med. Hans Sachs.

FS: Wie würden Sie als Psychotherapeut und passionierter Autor die Mutterliebe beschreiben? Warum ist Mutterliebe – nicht nur für das Kind – sondern auch für die ganze Gesellschaft überlebensnotwendig?

Wer starke Bindungen wie die Mutterliebe bedroht, die Gemeinschaft zerstören will, löst Angst aus. Sie wird immer abgewehrt mit Aggression, Flucht oder Verhaltensstarre, Grundmuster unseres reptilienartig reagierenden Stammhirns. Diese Zusammenhänge sind Teil einer Revolution im neurobiologischen Verständnis menschlichen Verhaltens, auch in der Mutter-Kind-Beziehung. Angesichts der Forschungsergebnisse des Neurowissenschaftlers Joachim Bauer ist Freuds Aggressionstrieb deshalb als großer Flop der Psychoanalyse zu werten.

Das natürliche Ziel mitmenschlichen Umgangs ist also Zuwendung, die Erfahrung von Liebe. Dieselbe neurobiologische Forschung hat herausgefunden, fehlende Zuwendung in der Frühkindheit schadet den Motivationssystemen. Vor allem wird die Fähigkeiten beeinträchtigt, mit Anderen in gutem Einvernehmen zu kooperieren.

FS: Deshalb sehen Biologen in der Mutterliebe auch einen der stärksten Triebe in der menschlichen Evolution.

Trieb wird heute innerhalb des Nervenzellsystems im Gehirn als Motivationssystem bezeichnet. Es stellt eine Handlungsabsicht dar, die auf die Ausschüttung sogenannter Wohlfühlbotenstoffe hin erfolgt. Diese Hormone sind Oxytozin, Dopamin, Opoide, Endorphine, Enkelphaline und Dynorhpine.

Die Motivationssysteme wollen Zuneigung und soziale Akzeptanz bewirken. So wird zum Beispiel Oxytozin dann produziert, wenn wir vertrauen, Zuwendung und Anerkennung erfahren, jargonartig wird es als Liebeshormon bezeichnet.

Die Systematik dazu hat Bowlby zusammen mit Frau Ainsworth in seiner Bindungstheorie und ihren Bindungsstilen und Bindungssignalen aufgestellt. Mit diesen „innner working models“ suchen wir alle Vertrautheit und Nähe zu Anderen oder wehren sie gleichzeitig ab, wenn unsere Früherfahrungen im Austausch mit der Mutter katastrophal gewesen sind.

FS: Was können solche katastrophalen Früherfahrungen beim Kind auslösen?

Normal ist ein „rupture and repair“, das heißt, eine Unterbrechung des guten Kontaktes zwischen Mutter und Kind und dessen Wiederherstellung mit dem nötigen „attunement“, zu deutsch: Feingefühl. Fatal sind traumatische Beziehungserfahrungen des Neugeborenen mit seiner Mutter, weil sie sich direkt in das kindliche Gehirn einbrennen.

Frau Ainsworth hat auch erforscht, daß je prompter die mütterliche Antwort auf die Signale des Kindes erfolgt, desto besser geschützt ist es vor der Erfahrung des Nichtbeachtetwerdens. Denn dies ist traumatisch und bedeutet eine Erfahrung von Angst, Hilflosigkeit und Erstarrung. Und bei anhaltender oder sich wiederholender Fehlhaltung steigert sich diese Angst in das Erleben eines Ich-Soll-vernichtet werden bzw. ich-soll-getötet werden!

Freud hat zwar gesagt, das Unbewusste ist das Infantile und lässt sich nicht verbalisieren und sprachlich durcharbeiten. Das Erlebte der präverbalen Lebenszeit der ersten drei Jahre wird dennoch wiederholt an den Menschen des Umfelds oder der Gesellschaft. Wiederholungszwang nannte er das. Dieses zerstörerische Prinzip ist die charakterliche Grundlage der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Deren zerstörerisches Wirken findet sich dann ubiquitär in der Finanzwelt, in der Politik (Kriege), der Umwelt (Klima), im mitmenschlichen Umgang (Scheidungen, Patchworkfamilien) etc..

FS: In Ihrem aktuellen Buch behandeln Sie die revolutionären Entdeckungen der Bindungsforschung und wie die Entwicklung der modernen Säuglings- und Kinderpsychologie zu einer veränderten Wahrnehmung spezifischer Bedürfnisse von Müttern und Kinder wie Familien führten. Vor allem aber ist Ihr Buch ein Plädoyer für mehr mütterliche Liebe, Zeit und Achtsamkeit im Umgang mit dem Wertvollsten, was wir haben: unseren Kindern. All das sehen Sie sehr aktuell bedroht und von wem.

George Orwell und Aldous Huxley haben in ihren Büchern „1984“ (1949) und „Schöne neue Welt, ein Roman der Zukunft“(1932) bedrückende Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens beschrieben. Sie sind nur möglich, wenn Individualität und persönliches Selbstsein zerstört wird, die normalerweise Ergebnis einer liebevollen Erziehung sind. Wie in der DDR und schon bei den Nationalsozialisten die frühkindliche Mutter-Kind-Beziehung vernichtet wurde und mit welchen psychologischen Folgen, dazu gibt eine überreichliche Literatur Belege. Ob die sich mehr und mehr verbreitenden Gender-Ideologie eine neue totalitäre Gesellschaft formen kann, ist noch nicht ausdiskutiert. Lieblosigkeit ist sozusagen das wichtigste Kennzeichen dieser Weltanschauung.

FS: Mit dem Begriff Gender verweisen Sie auf das von der Regierung massiv subventionierte Programm zur Gleichstellung der Geschlechter, das von den politischen Akteuren mit einer Art quasireligiöser Bedeutung aufgeladen wird. Sehr zum Schaden von Familien.

Gleichberechtigung ist ein Grundrecht einzelner Männer und Frauen gegenüber dem Staat, im Beruf und vor Gericht. Sie kann aber niemals durch eine Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben erreicht werden, es sei denn Gleichstellung von Erziehungsarbeit (Mutterliebe) und Erwerbstätigkeit wird politisch garantiert. Die alleinige Nur-Teilhabe am Erwerbsleben wertet die Erziehungsarbeit der Mütter beziehungsweise der Familien ab. Der Wert elterlicher Erziehungsarbeit wird unterschlagen, obwohl er die Grundlage unseres Rentensystems ist!

Es geht also nicht um gleiche Chancen bei der politischen Vorgabe der Gleichstellung, sondern im Gegenteil um Bevormundung der Mütter durch den Staat wie schon in der DDR. Johannes Resch hat das in seinem Beitrag „Die Gleichstellungslüge“ dargelegt (siehe https://www.rubikon.news/artikel/die-gleichstellungs-luge). Im Namen der Gleichstellung treibt man uns in die mutterlieblose Gesellschaft.

FS: Welche gesamtgesellschaftlichen Folgen sehen Sie auf uns zukommen, wenn die politisch erwünschte und intensiv propagierte Frühbetreuung in den nächsten Jahrzehnten massenhaft fortgesetzt wird (Stichwort Kitaplatzausbau)? Wenn eine immer frühere Fremdbetreuung sogar noch mit weiteren Instrumenten wie zum Beispiel die in der Politik bereits diskutierte Kita-Pflicht forciert wird?

Den Zusammenbruch bzw. die Zerstörung unseres staatlichen Gefüges. Deshalb hat die Pressestelle des Verbandes Familienarbeit 2018 zum Tag des Kindes eine Stellungnahme herausgegeben mit dem Titel „Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft“. Darin wird zum Beispiel gefordert, Kinderkrippen für Kinder unter drei Jahren nur in Not-und Ausnahmefällen vorzuhalten mit optimalen Betreuungsmöglichkeiten durch einen hohen Personalschlüssel wie 2-3 Kinder pro Betreuer. Den vollen Wortlaut dieser Stellungnahme können Sie nachlesen unter http://familienarbeit-heute.de/?p=4965 . Da ich die darin enthaltenen wissenschaftlich fundierten Aussagen und die familienpolitischen Forderungen für absolut richtig halte, habe ich sie mit unterschrieben.

FS: Im Kapitel 6 Ihrer Monografie äußern sie die Befürchtung, dass Homosexualität in der Gesellschaft häufiger vorkommen wird, wenn die Trennungssituationen zwischen Kind und Mutter zunehmen und – parallel dazu – Väter sich aus ihrer Verantwortung für die Familie zurückziehen. Welcher Zusammenhang besteht zwischen homosexueller Lebensweise und einer Gesellschaft mit tendentiellem „Liebesmangel“?

Beachtenswerte Autoren haben immer wieder dargelegt, Homosexualität beruht auch auf einem fehlenden Vater, der emotional und tatsächlich als Freund seinem Sohn nicht verfügbar war, aus welchen Gründen auch immer. Die Suche danach kann erfolgreich sein. Das sollten alleinerziehende Mütter beachten, die glauben, ihrem Sohn alles geben zu können in der Erziehung. Ein Homosexuellen-Gen gibt es jedenfalls definitiv nicht.

FS: Der erfahrene Kinder- und Jugendpsychiater Alexander Korte warnt vor einem sowohl in Deutschland wie weltweit wachsenden Trend unter Kindern und Jugendlichen, sich im falschen Geschlecht zu fühlen und medizinisch behandeln zu lassen. Dazu passt die sprunghaft gewachsene Quote sogenannter gschlechtsangleichender Operationen seit Anfang des Jahrtausends. Sehen Sie hier einen Zusammenhang zu ihrer These eines generellen, gesellschaftlichen Muttermangels?

Die Betroffenen sind eine Minderheit mit einer Häufigkeit von weniger als 1% bis zu 5 % in einer Population. Die amerikanische Fachgesellschaft für Psychiatrie hat in ihrer 5. Edition des Verzeichnisses psychischer Erkrankungen (mental disorders) auch die Gender-Identy-disorder aufgenommen. Sie sieht diese Symptome auch unter diesem medizinischen Gesichtspunkt. Pubertät ist jedenfalls keine Krankheit und muss auch nicht medizinisch behandelt werden.

Diese Operationen hat John Money propagiert und sie gelten seitdem als wissenschaftliche Fundierung der Gender-Theorien und damit auch des Gender-Mainstreaming. Gender wiederholt hartnäckig, männlich und weiblich sind nur sozial konstruierte Rollen und deshalb beliebig veränderbar. Wissenschaftlich ist diese aus dem Behaviorismus von B.F. Skinner stammende These längst überholt. Skinner hat auch selbst gesagt, es geht um Macht!

FS: Prof. Sachs, angesichts Ihrer düsteren Diagnose für die Zukunft unserer Gesellschaft: Sehen Sie dennoch einen hoffnungsvollen Streifen am Horizont? Sind wir noch zu retten?

Ärzte müssen wohl immer Hoffnung auf Besserung verbreiten in ihrem Beruf und das habe auch ich gemacht und erlebt, dass dies tatsächlich hilft. Die Titelwahl ist auch gar nicht als Prognose gedacht sondern vielmehr als Beitrag zur aktuellen Diskussion um die beste frühkindliche Betreuung. Mutterliebe lässt sich nur leben, wenn dies politisch unterstützt wird. Geschieht das nicht, geraten wir in eine mutterlieblose Gesellschaft.

Das aktuelle Buch von Hans Sachs „Sind wir noch zu retten? Die politische Bedeutung der frühen Kindheit“ ist bestellbar beim Agenda Verlag: http://agenda.de/

Werbekampagne der Bundesregierung: Ein Fall für die Antidiskriminierungsstelle?

Mit einer breit angelegten Kampagne will die Bundesregierung Werbung für das Grundgesetz machen. Vorgesehen sind dafür Plakataktionen, ein Video und Online-Werbemaßnahmen. Die Regierung hat dafür ein Budget von 3,15 Millionen Euro freigegeben.

Offenbar vermutet die Bundesregierung, daß die Grundsätze des modernen Rechtsstaats nicht allen Bürgern geläufig sind. Zur Aufklärung der Massen hat das Bundesjustizministerium deshalb die Produktion eines Videoclips und Plakatmotiven in Auftrag gegeben. Die Plakate der Fotografin Ailine Liefeld sollen bundesweit ausgestellt werden, das Video soll in Kinos, auf Messeveranstaltungen und in den sozialen Medien geschaltet werden.

In der »Wir sind Rechtsstaat« betitelten Werbekampagne werden herausragende Rechtsgüter wie die Religionsfreiheit, die Unschuldsvermutung bei Beschuldigten in Gerichtsverfahren, Gleichberechtigung von Mann und Frau mit verschiedenen Motiven filmisch wie fotografisch dargestellt: Für Gleichberechtigung ist eine feministische Demonstration zu sehen, eine junge blonde Anwältin vertritt einen Angeklagten, man sieht betende Juden und Moslems, ernst blickende Politiker, erregt debattierende Journalisten, eine breit lächelnde Polizistin. Unter dem rührig wie anmaßenden Motto »Wir sind Liebe« werden zwei sich küssende Männer auf ihrer Hochzeit gezeigt, daneben ein jubelnder älterer Herr mit dem für Türken typischen weißen Schnauzbart. Offenbar gehört das erst kürzlich geschaffene Gesetz zur Homo-Ehe für die Bundesregierung zu einem bedeutsamen Rechtsgut, das entsprechend ausgestellt werden muss.

»Wir gehen davon aus, dass alle im Bundestag vertretenen Parteien die Bedeutung des Rechtsstaats für unsere Demokratie anerkennen und die Botschaft der Kampagne mittragen«, läßt sich der Sprecher des Justizministeriums vernehmen. An welche Parteiadresse sich der bevormundende Tonfall des SPD-geführten Justizministeriums besonders richtet, ist da wohl unzweifelhaft: natürlich gegen rechts.

Wiewohl sich das rote Justizministerium wohl selbst fragen müßte, ob ihre Werbekampagne mit den Grundsätzen der allseits beschworenen Antidiskriminierung konform geht. Während in dem Werbeclip sämtliche, stets auf ihre »gesellschaftliche Sichtbarkeit» pochenden Minderheiten sich abgebildet finden, vom Schwarzen bis zur jungen Karrierefrau, vom jugendlichen Aktivisten bis zum Homosexuellen, wird eine große Bevölkerungsgruppe in dem – dramatisch in Schwarz-Weiß-Optik gehaltenen – »Wir sind Rechtsstaat«-Filmchen einfach weggelassen: Und das sind Mütter, Väter, Kinder wie überhaupt Christen. Sie kommen schlicht nicht vor. Obwohl Familien die tragende Substanz des Staates sind, ohne die ein funktionierendes Gemeinwesen schlicht nicht möglich ist, ohne die kein Staatssystem auf Dauer überlebensfähig wäre, bringt es diese Regierung fertig, sie in einem 30 Sekunden lange währenden Deutschland-Film einfach auszublenden. Eigentlich könnte der Film überall in der Welt spielen, denn er ist bar jeder eindeutig nationalen Symbolik. Nicht einmal eine deutsches Fähnchen weht traurig im Wind. Wenn das die Botschaft der Regierung an ihr Volk sein soll, kann der Bürger der Regierung nur zornig zurufen: Danke, ich habe verstanden.

Straftat Ungeborenentötung: SPD will legale Abtreibung

Abtreibung soll legale Praxis in Deutschland werden. Das fordern Christina Kampmann und Michael Roth, die derzeit für den SPD-Vorsitz kandidieren. Die Linkspartei signalisiert Zustimmung, die CDU lehnt den Vorschlag ab.

Seit dem koalitionsinternen Streit um den Paragraphen 218a, der das Werbeverbot für Abtreibung, regelt, hat die SPD ein großes feministisches Thema wiederentdeckt, das viele eigentlich als abgehakt betrachteten: die Entfernung des Abtreibungs-Paragraphen 218 aus dem Strafgesetzbuch. Damit würde die Ungeborenentötung nicht mehr als Straftat gegen das Leben eingestuft, sondern legale Praxis.

Eine seit 1995 durch das Bundesverfassungsgericht bekräftigte, im sogenannten Schwangerschaftskonfliktgesetz geregelte Rechtslage wäre mithin außer Kraft gesetzt. Das Gesetz sieht vor, daß die abtreibungswillige Frau sich vor Ablauf der ersten drei Lebensmonaten ihres ungeborenen Kindes einer verpflichtenden Beratung unterziehen muss. Sollte sie sich dennoch zur Abtreibung entschließen, wäre diese laut Gesetz zwar rechtswidrig, aber straffrei. Dem Lebensrecht des Kindes sprachen die Richter dabei höchsten Verfassungsrang zu, dem das Selbstbestimmungsrecht der Frau unterzuordnen sei. Ein schizophrenes und seinerzeit zu Recht scharf kritisiertes Gesetz, aber die vorsitzenden Richter schufen damit einen immerhin über drei Jahrzehnte währenden Kompromiß zwischen dem Anspruch auf Würde und körperliche Unversehrtheit des ungeborenen Kindes und dem Recht der Frau, frei über ihren Körper zu bestimmen.

Laut einem Welt-Online Bericht will die SPD diesen lange Zeit tragfähigen Kompromiß nun offiziell aufkündigen. »Für uns hat der 219a genauso wie 218 nichts im Strafgesetzbuch zu suchen. Beide Paragrafen führen mit ihren Regelungen zu Vorverurteilung und Stigmatisierung betroffener Frauen«, tönen die SPD-Vorstandswahlkandidaten. Eine angebliche Stigmatisierung der Frau, an deren letzter Konsequenz ein Leben hängt. Privat sind Kampmann und Roth unverheiratet und kinderlos, Michael Roth zudem ein bekennender Homosexueller, der sich im Rahmen seines Amtes als Staatsminister des Auswärtigen Amts gern auf ausländischen Gay-Paraden sehen läßt. Zwei politische Mandatsträger, denen man instinktiv am wenigsten Gespür für eine der ältesten und wohl schmerzhaftesten menschlichen Konfliktlagen einer Mutter zutraut.

Keine Frau treffe die Entscheidung zum Abbruch ihrer Schwangerschaft leichtfertig, erklären Roth und Kampmann gönnerhaft. Dieses Argument wird aus den Reihen der Abtreibungsbefürworter mit schöner Regelmäßigkeit hervorgehoben. Ganz davon abgesehen, daß es nicht stimmt (So gibt es auch Frauen mit einer regelrechten Abtreibungskarriere: Die laxe Beratungspraxis macht es möglich), so sticht es auch nicht. Genauso gut könnte der Gesetzgeber Einbruch und Raub straffrei stellen, wenn sich der Täter die Straftat zuvor nur lange und reiflich genug überlegt hat.

Die Zeichen der Zeit stehen freilich anders: Die Linkspartei hat bereits eilfertig ihre Zustimmung signalisiert. Die Union sperrt sich – noch.

Marsch für das Leben: Veranstalter rechnet mit Besucherrekord

Kommenden Samstag wird in Berlin der traditionelle Marsch für das Leben stattfinden. Die europaweit stattfindende Demonstration will an die massenhafte Tötung ungeborener Kinder erinnern und damit ein Zeichen für die Würde und Unverletzlichkeit des Lebens setzen.

Während hohe Kirchenvertreter Grußworte schicken, wüten feministische Bündnisse wie »What the Fuck« gegen die Demonstration der Lebensschützer. Sie sehen in der Demo einen Angriff auf das Frauenrecht und bezichtigen die Teilnehmer rechtsradikale, christliche Fundamentalisten zu sein, die unserer Gesellschaft ihr rückständiges, weil zweigeteiltes Geschlechterbild oktroyieren wollen. In einem Interview geht eine als Journalistin vorgestellte Mitarbeiterin des »Antifaschistischen Pressearchivs und Bildungszentrums e.V.« sogar so weit, den weitgehend schweigend durchgeführten, friedlichen Marsch aus vorwiegend älteren Menschen und Familien als »ernstzunehmende politische Gefahr« darzustellen. Die unterstellte »homo-, trans* und inter*feindliche sowie in Teilen antidemokratische« Haltung der Veranstaltung äußert sich für die Antifaschistin an der dezidiert familienfreundlichen Position, die die Lebensrechtsbewegung einnimmt: So wünscht sich der Veranstalter des Marschs, der Bundesverband Lebenrecht (BVL), mehr Anerkennung für Familien und größere Unterstützung für Eltern behinderter Kinder, mehr Würdigung der Familienarbeit, besonders von Frauen.

Ein Leben als selbstbestimmte Mutter scheint für radikale Feministinnen hingegen unvorstellbar zu sein. Sie fühlen sich »von restriktiven Forderungen« der Demo »angegriffen« und fühlen sich dadurch zu jeder Art von Widerstand berechtigt, selbst wenn er das demokratisch legitimierte Versammlungsrecht der Teilnehmer verletzt. Seit Jahren ist der Marsch für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder deshalb nur unter Polizeischutz möglich: Ein Armutszeugnis für unsere hochgelobte demokratische Debattenkultur.

In diesem Jahr erwartet der BVL 5000 bis 8000 Teilnehmer und damit einen Besucherrekord. Das angekündigte warme Wetter am Wochenende wird sicher einen positiven Beitrag leisten.

Feministin versus Lebensschützerin: »Ein Fötus ist kein Mensch mit eigenem Lebensrecht!«

Lebensrechtler sagen, das Lebensrecht des ungeborenen Kindes muss geschützt werden, auch gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Der Fötus sei kein Mensch und hätte deshalb auch keine Rechte, halten Abtreibungsbefürworter dagegen. Ein Streitgespräch zeigt, dass Feminismus und Lebensschutz unversöhnlich zueinander verharren.

Irgendwann im Laufe der Frauenrechtsbewegung haben Feministinnen Müttern den Krieg erklärt. Die Mutterrolle sei rückständig, weil sie zwischen Kindern, Küche und Kirche das Patriarchat des bösen weißen Mannes aufrecht erhielte. Frauen, die sich schwängern lassen, begäben sich freiwillig in Abhängigkeit des Mannes und begingen deshalb Verrat an ihren feministischen Schwestern. Die Vordenkerin des Feminismus, Simone de Beauvoir, bezeichnete den Säugling an der Brust folgerichtig als Blutegel, die Frau als eine vom Mann unterdrückte Reproduktionsmaschine. Diese Aussagen liegen mehr als ein halbes Jahrhundert zurück, doch hat sich der Feminismus seither nicht nennenswert weiterentwickelt, schlimmer noch, er hat sich in der globalisierten genderfeministischen Variante sogar noch radikalisiert.

Eine Vertreterin davon ist die Journalistin Teresa Bücker, die sich für das Magazin Stern – erfreulicherweise, möchte man sagen – einer Diskussion mit der bekannten Lebensrechtlerin, Autorin und Journalistin Alexandra Maria Linder stellt. Beide Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein. Für Linder – der Zuschauer spürt es im Verlauf des Gesprächs – ist Abtreibung eine hochemotional besetzte Thematik, der sie mehr als 16 Jahre ihres Lebens gewidmet hat. Die Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht hat nach eigener Aussage viele Frauen mit Konfliktschwangerschaften beraten und auf ihrem Weg vor und nach Abtreibung begleitet. Sie selbst habe nach der Tötungsoperation noch keine Frau glücklich gesehen. Die seelische Tiefenproblematik, der Schmerz und die inneren Verwerfungen, die Abtreibung mit sich bringt, zeigen sich bei Frauen erst dann, wenn es zu spät ist. Die Klage der Patientinnen, so Linders impliziter Vorwurf an Abtreibungsbefürworterinnen wie Bücker, über die mangelnde Aufklärung der Beratungsstellen zu physischen wie psychischen Folgen des Abbruchs, werden einfach nicht hinreichend ernst genommen. Weil das Selbstbestimmungsrecht der Frau für Feministinnen über allen anderen Rechten, selbst dem primären Lebensrecht des ungeborenen Kindes steht, muß Abtreibung konsequenterweise zu einer Art Lifestyle-Konsumentscheidung verharmlost werden.

Mit einem simplen philosophischen Trick hält Teresa Bücker dagegen: Föten seien keine Menschen, deshalb besäßen sie auch nicht dieselben Rechte wie ein Kind nach der Geburt. Man kann, der Feministin zufolge, Föten nicht wie vollgültige Individuen, wie Staatsbürger behandeln. Von diesem Argument weicht Bücker im Verlauf der Diskussion keinen Zentimeter ab. Selbstverständlich nicht, denn es ist die Schlüsselposition von Abtreibungsbefürwortern: Daß Leben erst ab einem gewissen Stadium Rechte begründet. Wann denn das ungeborene Kind für sie ein Mensch sei, will die Lebensrechtlerin Linder von Frau Bücker wissen? Das sei schwierig zu beantworten, lautet deren ausweichende Antwort. Es ist offenbar eine Sache der Interpretation. Wie gut, daß radikale Feministinnen nicht über die rechtliche Auslegung des Gründungsmoments bürgerlicher Rechte bestimmen dürfen, denn dann wäre das Kind selbst nach seiner Geburt seines Lebens nicht sicher.

Einig sind sich die Kontrahentinnen wenigstens darin, daß die Gesellschaft kinder- und mütterfreundlicher werden müsse, um die Abtreibungsquote zu senken. Die Rahmenbedingungen für Familie müssen stimmen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Zur Zeit laufen jedoch die familienpolitischen Bestrebungen in eine völlig andere Richtung. Die Doppel- und Dreifachbelastung von Müttern zwischen Beruf, Familie und Alltag wird uns als erstrebenswerte Daseinsweise in den schönsten Farben gemalt. Gestresste Kinder, depressive Mütter, genervte Väter, die sich aus der Familienverantwortung zurückziehen, sind Folgen dieser Politik, die am allerwenigsten deren Hauptverantwortliche sehen wollen. Wer will zu dieser Zeit noch Kinder haben, in der eine sich Familienministerium nennende Behörde faktisch als verlängerter Arm der Wirtschaft agiert und Familien konsequent zur disponiblen Verfügungsmasse von Konzernen und Arbeitgebern herabwürdigt? Bis die Rahmenbedingungen stimmen, ist es also noch ein weiter Weg, den jährlich über 100.000 Ungeborene mit dem Leben bezahlen. Es braucht jetzt und nicht erst in zehn oder zwanzig Jahren gegenläufige Maßnahmen und genau die umzusetzen mahnt Linder an. Vorschläge der Lebensschutzbewegung gibt es viele und dazu gehört in erster Linie, Schwangeren mit Abtreibungswunsch den Weg zum Leben und zur Hoffnung aufzuzeigen. Viele Frauen bereuen die Abtreibung ihres Kindes. Aber wie viele bereuen es, ihr Kind zur Welt gebracht zu haben? Für sehr verzweifelte Frauen, beispielsweise schwangere Frauen durch Vergewaltigung, gäbe es die Alternative Adoption, schlägt Linder vor. Frauen, die dem Akt der Gewalt bewußt einen Akt der Liebe entgegen setzen, beschreibt die Lebensschützerin diesen bemerkenswerten Vorgang, den sie selbst in ihrer Praxis als Beraterin mehrmals erlebt habe.

Bei diesen Worten verzieht Bücker sichtlich angewidert das Gesicht. Die praktischen Erfahrungen der Lebensschützerin in der Beratung konfliktschwangerer Frauen konfrontieren die Feministin offenkundig mit einem Zuviel an Realität. Man kann nur spekulieren, welche früheren Verletzungen Bücker als, Kind, als Frau und seit einigen Jahren selbst Mutter einer Tochter erfahren hat, um sich derartig vehement gegen die Vorstellung zu sperren, daß Leben selbst unter widrigsten Umständen als Geschenk empfunden werden kann. Auch dann, wenn man zuvor an das Glück und die Zuversicht, das es mit sich bringt, nicht glauben wollte oder konnte, weil Verzweiflung und panische Zukunftsängste den Blick auf das Wesentlichste – den sanften Auftrag, nicht nur Leben zu schaffen sondern es auch anzunehmen – verstellten. Entstandenes Leben ist kein philosophisch zu beseitigendes Problem. Ein Kind im Bauch der Mutter legt fest und ist in seiner Unwiderruflichkeit für manche Frau gewiß eine Bürde. Doch die Entscheidung schwanger zu werden, gilt eben auch dann, wenn frau sie nicht bewußt getroffen hat. Doch die Akzeptanz, selbst für die wenigen unvermeidlichen Tatsachen des Leben wie Schwangerschaft, Geburt, Tod wie auch die Prägungen durch das Geschlecht schwindet in unserer Gesellschaft in dem Maße wie die Anfälligkeit zunimmt für den extremen Individualismus und seiner falschen Beglückungsversprechen.

Geschlechtsverwirrung unter Minderjährigen: Jugendpsychiater warnt vor gefährlich zunehmendem Trend

Der Münchener Psychiater Alexander Korte ist besorgt wegen des rasant zunehmenden Transgender-Trends unter Kinder und Jugendlichen. Dieser werde durch Medien und Politik zusätzlich befeuert. Verantwortlich sei aber auch ein sich zunehmend durchsetzender Machbarkeitsgedanke bei Medizinern.

»Wir erleben einen regelrechten medialen Hype um das Thema«, konstatiert Alexander Korte, der sich als Oberarzt am Münchener Universitätsklinikum auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Geschlechtsidentitätsstörungen spezialisiert hat. Seit Jahren beobachte er einen enormen Zulauf von Patienten, vor allem in der frühen und mittleren Adoleszenz. Der Arzt hat sich in den letzten Monaten bereits mehrmals als mahnende Stimme in der Gender-Debatte hervorgetan, die zunehmend ideologisch geführt wird. Freie Welt berichtete hier.

Er erklärt diesen Anstieg von Patientenzahlen einerseits mit der besseren Aufklärungslage und einem höheren Problembewußtsein in der Bevölkerung für Geschlechtsrollen und damit zusammenhängenden Identitätskonflikten bei Jugendlichen. Andererseits spiele aber auch der sich zunehmend in der Medizin durchsetzende »Machbarkeitsgedanke« eine Rolle. Alexander Korte kritisiert eine Form von Fortschrittshybris. Die Tatsache, daß heute mittels moderner medizinischer Möglichkeiten eine Geschlechtsumwandlung möglich sei, führe zu der Auffassung, daß das medizinisch Machbare auch umgesetzt werden sollte. »Von großer Relevanz ist das Angebot neuer, allerdings umstrittener Behandlungsmethoden, insbesondere die vielfach beworbene Möglichkeit einer frühzeitigen pubertätsblockierenden und gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung«, so Korte im Interview mit der Tagespost. Er konstatiert, daß unsere Gesellschaft es hierbei mit einem Phänomen einer »angebotsinduzierten Nachfragesteigerung« zu tun habe.

Korte beklagt in diesem Zusammenhang, daß der gesamte Diskurs um das Thema Gender inzwischen »komplett durchideologisiert« ist, was keineswegs im Sinne der Betroffenen sei. Scharf kritisiert er die Rolle der Politik. Die Haltung in der Genderfrage interpretieren Politiker inzwischen als weltanschauliche Positionierung: »Bisweilen gewinnt man den Eindruck, dass die Frage, ob man oder frau politisch rechts oder links steht, sich heutzutage primär anhand der persönlichen Positionierung in der Genderfrage entscheidet – genauer gesagt, anhand der eingenommenen Haltung gegenüber der queeren Theorie, der zufolge – vereinfacht gesagt – auch das biologische Geschlecht an sich als historisch diskursiv bedingte, reine Konstruktion verstanden werden soll.«